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Was Enkel wählen würden

Das Bundesverfassungsgericht verlangt eine Politik, die nicht die Freiheit künftiger Generationen einschränkt. Doch was heißt das genau? Eine Studie zeigt es jetzt anhand der Klimaextreme, die selbst mit den heutigen Klimazielen deutlich zunehmen werden.


Children Opening COP23
Kinder-Demo beim Klimagipfel 2017 in Bonn. Die CO2-Emissionen sind seitdem gestiegen statt gesunken. (Foto: Benjamin von Brackel)

Es geht um eine "enkeltaugliche" Klimapolitik. Das Bundesverfassungsgericht hat dieses Wort in seinem Urteil vom Frühjahr, das die deutsche Politik gewaltig aufmischte, zwar nicht benutzt.

Gemeint ist es aber: Die Klimaschutz-Maßnahmen müssen heute so getroffen werden, dass künftige Generationen noch einigermaßen gut leben können. Also das 1,5- bis Zwei-Grad-Limit des Pariser Weltklimavertrags halten. Die Freiheit künftiger Generationen dürfe nicht ungebührlich eingeschränkt werden.

Nur, was es bedeutet, wenn die Freiheit von morgen durch zu wenig CO2-Sparen heute eingeschränkt wird, ist vielen unklar. Kommt dann die Klimakatastrophe?

Und was heißt das genau? Eine neue Studie zeigt es nun für das Problem der Klimaextreme, die in einer Fast-Drei-Grad-Welt deutlich zunehmen werden. Danach werden Kinder von heute im Laufe ihres Lebens viel stärker von solchen Ereignissen betroffen sein als die Erwachsenen von heute.

Konkret: Ein Kind, das 2021 geboren wird und, zumindest hierzulande, gute Chancen hat, das Jahr 2100 zu erleben, wird durchschnittlich doppelt so viele Waldbrände, zwei- bis dreimal so viele Dürren, fast dreimal so viele Flussüberschwemmungen und Ernteausfälle sowie siebenmal mehr Hitzewellen erleben wie eine Person, die heute zum Beispiel 60 Jahre alt ist.

Erschienen ist die Studie, an der unter anderem das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung beteiligt war, in der Zeitschrift Science.

Grundlage für die Berechnungen ist ein Erwärmungsszenario, das von den aktuellen, noch ungenügenden Zusagen der Regierungen zur CO2-Reduktion ausgeht. Werden diese Zusagen eingehalten, erhitzt sich die Erde bis 2100 um etwa 2,7 Grad, wie das UN-Klimasekretariat jüngst mitgeteilt hat. Das Zwei-Grad-Limit würde also verfehlt, das 1,5-Grad-Ziel sowieso.

Joachim Wille ist Chefredakteur des Online-Magazins Klimareporter°.

Die Sicherheit der jungen Generationen sei "ernsthaft bedroht", schlussfolgert Hauptautor Wim Thiery von der Vrije Universiteit Brussel. Es brauche drastische Emissionsminderungen, um ihre Zukunft zu sichern.

Die Chance, die Gefahren wirklich aufzuhalten, gibt es nicht mehr, zeigt die Studie leider auch. Doch das 1,5 Grad-Limit würde zum Beispiel den Anstieg der weltweiten Landfläche, die von gefährlichen Hitzewellen betroffen ist, von heute 15 Prozent auf 22 Prozent im Jahr 2100 begrenzen.

Bliebe es beim jetzigen Pfad, wären es 46 Prozent, also fast die Hälfte. Auf die CO2-Bremse zu steigen lohnt sich also.

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