Bäume statt Depressionen

Stadtbewohner, die Straßenbäume im direkten Umfeld vorfinden, leiden seltener an Depressionserkrankungen. Das konnten Leipziger Forscher jetzt mit "harten" Daten belegen. Ein Grund mehr für Kommunen, grüner zu werden.


Bagger planieren ein Gelände, offenbar soll dort was gebaut werden. Im Hintergrund ein paar Bäume.
Spontaner Protest gegen Baumfällungen im Wohnumfeld – oft für Bauprojekte – gilt als naiv. Lassen sich kommunale Verantwortliche von "hard facts" eher beeindrucken? (Foto: Siggy Nowak/​Pixabay)

Menschen mögen Bäume. Meistens. Die beinharten Konflikte um den Hambacher Wald an den Braunkohlegruben im Rheinland oder den Dannenröder Wald in Oberhessen, der für den Bau der A 49 weichen musste, zeigen das.

Aber auch wenn Bäume irgendwo in Städten oder Gemeinden gefällt werden sollen, um dort Häuser, Parkplätze oder Straßen zu bauen, geht es oft hoch her. Negative Folgen für Stadtklima, Sauerstoffproduktion, CO2-Speicherung und Artenschutz – das sind dann meist die Themen.

Aber es sollte auch um die seelische Gesundheit der Menschen gehen, die dort leben.

Denn: Grün hält gesund. Das weiß man ja eigentlich. Doch es geht viel konkreter: Straßenbäume im direkten Lebensumfeld können das Risiko für Depressionen in der Stadtbevölkerung reduzieren. Das jedenfalls zeigt eine Studie von Forschern des Leipziger Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ).

Anlass der Untersuchung war, dass Depressionen laut Krankheitsstatistiken gerade in Städten auf dem Vormarsch sind. Inzwischen ist das Problem noch drängender, nämlich verstärkt durch die Corona-Pandemie, wie die Hauptautorin der Studie, Melissa Marselle vom UFZ, betont.

Frühere Studien haben zwar schon gezeigt, dass Grünflächen sich positiv auf die seelische Gesundheit auswirken. Nur: Die meisten davon stützten sich auf die Selbsteinschätzungen von Befragten. Es waren, sozusagen, keine "harten Fakten", die Politiker und andere Entscheidungsträger beeindrucken konnten.

Weniger Tabletten

Das Forschungsteam um Marselle fand für dieses Problem eine Lösung. Es verwendete einen objektiven Indikator: die Anzahl der Verschreibungen von Antidepressiva im Verhältnis zu Zahl und Art der Bäume und deren Nähe zum Wohnort.

Die Forscher nutzten dazu die Daten von rund 10.000 Einwohnern der Stadt Leipzig, die an einer Gesundheitsstudie der dortigen Universität teilgenommen hatten. Weitere für Depressionen bekannte Faktoren, darunter Jobsituation, Geschlecht, Alter und Körpergewicht, wurden aus den Daten herausgerechnet.

Joachim Wille ist Chefredakteur des Online-Magazins Klimareporter°.

Ergebnis: Weniger Antidepressiva-Verschreibungen gab es häufig dann, wenn sich viele Bäume in direkter Umgebung der Wohnung befanden – das heißt, in weniger als 100 Metern Entfernung.

Also: Kommunen, werdet grüner. Die Bürger werden es euch danken.

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