Kohleausstieg wirkt nur mit CO₂-Preis

Der Kohleausstieg führt nur dann zu mehr Klimaschutz, wenn ein Mindestpreis auf CO2 eingeführt wird oder Zertifikate aus dem Emissionshandel gelöscht werden, so eine Analyse.


Sechs dampfende Kraftwerks-Kühltürme bei Nacht, aus der Entfernung über einen See aufgenommen.
Das Braunkohlekraftwerk Jänschwalde in der Lausitz gehört zu den klimaschädlichsten Kraftwerken Europas. (Foto: Tobias Scheck/​Flickr)

Nur wenn ein Mindestpreis auf CO2 eingeführt wird oder Zertifikate aus dem europäischen Emissionshandel gelöscht werden, bringt ein Kohleausstieg wirklich etwas fürs Klima. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK). Sie wurde am gestrigen Montag in der Fachzeitschrift Energiewirtschaftliche Tagesfragen veröffentlicht.

Demnach bietet der Plan für den Kohleausstieg, wie ihn die Kohlekommission beschlossen hat, allein noch keine Sicherheit, dass die CO2-Emissionen tatsächlich sinken.

Im Gegenteil: Der Ausstoß von Treibhausgasen könne dadurch sogar noch steigen. Dafür nennen die Forscher zwei Gründe.

Zum einen sinke das Angebot von Strom im Markt, wenn Kohlekraftwerke vom Netz gehen, was den Strompreis steigen lasse. Das wiederum mache die noch laufenden Kohlekraftwerke rentabler, sie würden dann ihre Produktion erhöhen.

Andererseits würden durch den Kohleausstieg weniger CO2-Zertifikate im europäischen Emissionshandel benötigt, die Nachfrage sinke also und damit auch der Preis. Damit könnten Stromproduzenten im Ausland für weniger Geld Zertifikate kaufen und mehr CO2 ausstoßen.

Es brauche daher wirksame politische Werkzeuge, damit die nun anstehende Umsetzung des Beschlusses der Kohlekommission auch tatsächlich die CO2-Emissionen senke, sagte Leitautor Michael Pahle vom Potsdam-Institut. "Deshalb sollte man jetzt gegensteuern: mit einer verlässlichen und gerechten Bepreisung von CO2", so Pahle.

Ko-Autor Christian Flachsland vom Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change (MCC) betonte, dass auch die sogenannte Marktstabilitätsreserve nichts hilft. Diese wurde mit der letzten Reform des EU-Emissionhandels eingeführt und soll dafür sorgen, dass überflüssige Zertifikate vom Markt kommen.

CO2-Mindestpreis im EU-Emissionshandel würde helfen

"Hier werden zwar Emissionszertifikate vom Markt genommen", so Flachsland. "Aber dies passiert im Wesentlichen vor 2035 – und erst dann soll der Großteil der Emissionsreduktionen durch den deutschen Kohleausstieg erfolgen."

Helfen würde laut den Forschern, die Zertifikate zu löschen. Auch diese Möglichkeit wurde mit der letzten Reform des Emissionshandels eingeführt. Allerdings, so schätzen die Wissenschaftler, würde dies Deutschland bis zum Jahr 2050 möglicherweise grob 19 Milliarden Euro kosten.

Die Wissenschaftler schlagen einen Mindestpreis für versteigerte CO2-Zertifikate im gesamten europäischen Emissionshandel vor. Liege der Marktpreis unter dem Mindestpreis der Zertifikate, sollen automatisch Zertifikate zurückgehalten und gelöscht werden können.

"Bereits wenn eine Pioniergruppe aus Deutschland, Frankreich, den Niederlanden und wenigen anderen einen solchen Mindestpreis einführen würde, könnte das ein wichtiger Schritt zu einem EU-weiten Mindestpreis sein", betonte Ottmar Edenhofer, Direktor von PIK und MCC sowie Ko-Autor der Kurzstudie.

Die Kosten der Löschung von Zertifikaten würden damit auf mehrere Schultern verteilt, unter Umständen könnte Deutschland hier sogar Einnahmen erwarten.

Der Beitrag wurde um 19 Uhr korrigiert (Link zur Studie im ersten Absatz).

Unterstützen Sie unabhängigen Journalismus!

klimareporter° wird herausgegeben vom gemeinnützigen Klimawissen e.V. Ihre Spende macht unabhängigen Journalismus zu Energiewende und Klimawandel möglich.

Spenden Sie hier