Anzeige
naturstrom.de – weil es beim Klimawandel um alles geht

Groko: Munter in den Abgrund

Dürren in Europa vernichten Getreideernten. Stürme und Überschwemmungen kosten Deutschland Milliarden. Doch die Bundesregierung sieht im Klimaschutz noch immer ein Wirtschaftshindernis. Merkels letzte Chance zum Umsteuern scheint das Klimakabinett zu sein, das heute seine Arbeit aufnimmt.


Porträtaufnahme von Andreas Scheuer.
Wer hat den Menschenverstand verloren? Die Verkehrskommission, die ernsthaften Klimaschutz vorschlägt, oder Minister Scheuer, der ihr das verbieten will? (Foto: Freud/​Wikimedia Commons)

Die weltweite Getreideernte reicht nicht aus, um den Bedarf zu decken. Erst beim zweiten Lesen oder Hören wird einem klar, welche Wucht in diesem Satz steckt. Er wurde am Sonntag von der Welternährungsorganisation FAO und dem Internationalen Getreiderat IGC verbreitet. Nach der Prognose der beiden Organisationen werden im Landwirtschaftsjahr 2018/19 fast 30 Millionen Tonnen Getreide mehr verbraucht als geerntet.

An sich bedeutet das noch keine Katastrophe. Es müssen nicht Millionen von Menschen von heute auf morgen verhungern, denn die globalen Getreidespeicher sind prall gefüllt. Und Mangeljahre, in denen weniger produziert als gebraucht wurde, gab es schon in der Vergangenheit, wie zuletzt 2012/2013, als die USA unter einer heftigen Dürre litten.

Allerdings sollte uns die Meldung sehr wohl zu denken geben. Denn aus einem einzelnen Mangeljahr, wie es bisher alle paar Jahre passiert, könnten in Zukunft schnell mehrere Mangeljahre in Folge werden. Sodass die Getreidespeicher dann irgendwann nicht mehr ausreichen. Die Folgen mag sich keiner ausmalen.

Angebot und Nachfrage aus dem Gleichgewicht

Auf der einen Seite gibt es immer mehr Menschen auf der Erde. Bis zur Jahrhundertmitte erwarten die Vereinten Nationen zwei Milliarden mehr Menschen als heute. Die müssen erstmal mit Nahrung versorgt werden. Und zwar nicht irgendwie: Mit wachsendem Wohlstand steigen auch die Ansprüche – etwa Chinesen essen mehr Fleisch, wodurch mehr Flächen für Futtermittelanbau und Weiden benötigt werden.

Auf der anderen Seite dürften Mangeljahre wie 2018 häufiger werden. Das Defizit 2018 hat die FAO schließlich mit der Dürre in Europa und Russland begründet, die zu hohen Getreideausfällen geführt habe.

Klimawissenschaftler sagen für die Zukunft eine Zunahme an Dürren insbesondere für die mittleren Breiten voraus – dort, wo die meiste Nahrung produziert wird. Ein Hitzesommer wie 2018 – er dürfte schon bald Normalität sein oder gar von noch stärkeren Hitzesommern getoppt werden.

Die Kombination von beidem – immer mehr Ernteausfälle aufgrund zunehmender Dürren und immer mehr Menschen, die ernährt werden wollen –, das lässt nichts Gutes erwarten.

Deutschland erleidet die größten Klimaschäden in Europa

Aber schon heute kommen uns Extremwetterereignisse durch den Klimawandel teuer zu stehen. Zwischen 1980 und 2017 kosteten sie Deutschland fast 100 Milliarden Euro, wie aus neuen Daten der Europäischen Umweltagentur EEA hervorgeht. Fast 10.000 Tote hat es demnach aufgrund der Extremwetterereignisse gegeben.

Während Deutschland in Europa den größten wirtschaftlichen Schaden erlitten hat, gab es in Frankreich mit fast 23.500 die meisten Todesfälle durch Überflutungen, Hitzewellen oder Dürren. Dem Rückversicherer Munich Re zufolge war für Deutschland 2017 das zweitteuerste Jahr aufgrund klimabedingter Schäden, nach dem Jahr 2011.

Insofern muss es erschrecken, wie unbekümmert die Regierung von Angela Merkel (CDU) seit vielen Jahren Klimapolitik betreibt (oder eben nicht betreibt). Und das bis heute in Person von Andreas Scheuer (CSU) oder Peter Altmaier (CDU) damit rechtfertigt, man müsse auch an die Wirtschaft und die Arbeitsplätze denken.

Ja, genau das sollten sie tun. Denn jene sind extrem bedroht, wenn nicht jetzt gehandelt wird.

Weil die Union so tut, als könne sie die alte Welt bewahren und die Zukunft einfach wegschieben, irritiert das inzwischen auch immer mehr Bundesbürger. Eine aktuelle Umfrage sieht die Grünen bei 20 Prozent. Deutschlandweit streiken jeden Freitag Tausende Schüler und bringen damit auch ihre Eltern zum Nachdenken.

Am heutigen Mittwoch will das sogenannte Klimakabinett seine Arbeit aufnehmen. Kanzlerin Merkel und die zuständigen Fachminister sollen Wege suchen, wie sie das Klimaziel für 2030 einhalten können, schließlich haben sie schon das Klimaziel für 2020 vergeigt.

Es ist wohl die letzte Chance für Merkel, zu zeigen, ob ihre Regierung noch fähig ist zu gesundem Menschenverstand.

Unterstützen Sie unabhängigen Journalismus!

klimareporter° wird herausgegeben vom gemeinnützigen Klimawissen e.V. Ihre Spende macht unabhängigen Journalismus zu Energiewende und Klimawandel möglich.

Spenden Sie hier