Sanieren und Dämmen im "industriellen Maßstab"

Ohne Fortschritte bei der Dämmung ist die Wärmewende kaum zu schaffen. Damit die Emissionen des Gebäudesektors entsprechend den politischen Zielen sinken, müssen alle verfügbaren Technologien kombiniert werden, ergibt eine Analyse.


Wärmebild einer Hochhausfassade von schräg unten in Violett über Rot bis Gelb.
Wärmebild eines Hochhauses: Auf den Gebäudesektor entfallen rund 30 Prozent der CO2-Emissionen. (Foto: Martin Abegglen/​Flickr)

Nur noch gut 30 Jahre, dann soll der Gebäudebereich in Deutschland klimaneutral sein. Doch nach wie vor liegt der Energieverbrauch des Sektors auf hohem Niveau und viele Häuser und Wohnungen werden wie eh und je mit fossilen Brennstoffen beheizt. Gerade mal auf 13 Prozent des Wärmebedarfs beläuft sich der Anteil der Erneuerbaren.

Wie der Ausstoß von Treibhausgasen im Gebäudesektor sinken kann und welche Maßnahmen volkswirtschaftlich bezahlbar sind, haben deshalb das Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg, das Fraunhofer-Institut für Energiewirtschaft und Energiesystemtechnik in Kassel und das Aachener Beratungsunternehmen Consentec in einer Studie untersucht. Auftraggeber waren die Denkfabrik Agora Energiewende und die European Climate Foundation.

Das Ergebnis: Ohne deutliche Fortschritte bei der Dämmung ist die Wärmewende nicht zu schaffen. Denn je energieeffizienter ein Gebäude ist, desto weniger muss für Energieerzeugung und -verteilung aufgewendet werden. 

Derzeit liegt die Sanierungsrate bei einem Prozent im Jahr. Pro 100 Gebäude steigt die Zahl der energiesanierten also jährlich nur um eins. Um den Gebäudesektor wie geplant bis 2050 zu dekarbonisieren, muss die Rate deutlich über zwei Prozent liegen.

"Für ein Entweder-Oder ist es zu spät"

In der Studie werden fünf verschiedene Szenarien und ihre gesamtwirtschaftlichen Kosten verglichen. Das höchste Minderungspotenzial hat ein Szenario, das sich an der Gebäudeeffizienzstrategie des Bundeswirtschaftsministeriums orientiert, aber von diesem ohne konkrete Maßnahmen entwickelt wurde.

Nur wenig geringere Einsparpotenziale bescheinigen die Autoren den drei Modellen "Effizienz und Erneuerbare", "Effzienz und Power-to-Gas" sowie "Effizienz und Wärmepumpen", wobei letzteres die geringsten volkswirtschaftlichen Kosten verursacht.

Zu deutlich höheren volkswirtschaftlichen Kosten führt dagegen eine Kombination aus geringer Effizienz und einem hohen Einsatz an synthetischen Brennstoffen.

Emissionen müssen bis 2030 fast halbiert werden

Der CO2-Ausstoß des Gebäudesektors liegt zurzeit bei 130 Millionen Tonnen im Jahr. Bis 2030 sollen die Emissionen auf 70 bis 72 Millionen Tonnen sinken.

Deshalb, so das Resümee der Studie, sollten alle verfügbaren Technologien in der Wärmeversorgung kombiniert werden. "Es bringt nichts, auf einzelne klimafreundliche Wärmetechnologien zu schielen, denn für ein Entweder-Oder ist es nach den Jahren des Zauderns im Gebäudeklimaschutz zu spät", sagte Patrick Graichen, Direktor von Agora Energiewende. Die Wärmewende gelinge nur, wenn alle Technologien flächendeckend zum Einsatz kommen.

Voraussetzung dafür sei eine ehrgeizige Effizienzpolitik. Der Politik empfiehlt die Agora, Sanierungen im industriellen Maßstab in Angriff zu nehmen, wie es die Niederlande oder Großbritannien tun. Dafür müssen energetische Sanierungen steuerlich gefördert und mehr Anreize für Hauseigentümer geschaffen werden.

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