Windkraft an Land auf historischem Tiefstand

Der Ausbau der Windenergie an Land ist 2019 auf den niedrigsten Stand seit Einführung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes im Jahr 2000 abgestürzt. Ein Viertel der Arbeitsplätze könnte wegbrechen, fürchtet die Branche.


Einige Monteure stehen auf einem schon halb errichteten Windrad-Turm, im Vordergrund ein Stückchen eines Krans.
Bild mit zunehmendem Seltenheitswert: Montage von Turmteilen für ein Windrad. (Foto: Ralf Grömminger/​Repower)

Der Zubau von Windkraftanlagen an Land ist im Jahr 2019 erneut eingebrochen und hat einen historischen Tiefstand erreicht. Das geht aus den Zahlen hervor, die der Bundesverband Windenergie (BWE) am heutigen Dienstag vorgelegt hat.

Nur 325 neue Windräder mit einer Gesamtnennleistung von 1.078 Megawatt wurden demnach im letzten Jahr neu in Betrieb genommen.

Da zugleich 82 Anlagen mit einer Nennleistung von 97 Megawatt abgebaut wurden, ergibt sich für das Gesamtjahr 2019 ein Nettozubau von lediglich 243 Anlagen mit zusammen 981 Megawatt.

Damit bleibt der Ausbau deutlich unter der Prognose der Branchenverbände BWE und VDMA Power Systems aus der Jahresmitte 2019. Die Verbände hatten mit einem Zubau von 1.500 Megawatt im Gesamtjahr gerechnet.

Noch größer ist der Abstand zu den Ausbauzielen der Bundesregierung. Nach ihren Vorstellungen sollen eigentlich jährlich 2.500 Megawatt Windkraft an Land hinzukommen. Davon ist die Realität weit entfernt.

Einbruch um 80 Prozent gegenüber 2017

Der Zuwachs hat sogar den niedrigsten Stand seit Einführung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes im Jahr 2000 erreicht. Im Vergleich zum Vorjahr brach der Ausbau um 55 Prozent ein, im Vergleich zu 2017 sogar um 80 Prozent.

Als Gründe für die "Zubauflaute" verweisen die Verbände auf "Genehmigungshemmnisse" und "neue Hürden wie pauschale Abstandsregeln". Für das Ziel der Bundesregierung, den Anteil der erneuerbaren Energien am Strommix bis 2030 auf 65 Prozent zu erhöhen, ist nach ihren Schätzungen ein jährlicher Zubau von sogar 5.000 Megawatt nötig.

Das historische Tief beim Windrad-Ausbau dürfte auch Folgen für die Beschäftigten haben, fürchtet die Branche. "Die Windindustrie musste bereits mit drastischen Beschäftigungsrückgängen auf die abnehmende Produktion für den Heimatmarkt reagieren", sagte Matthias Zelinger von VDMA Power Systems. Der Verband vertritt Hersteller von Windenergieanlagen.

"Sollte der Markt auf diesem Niveau stagnieren, drohen allein durch den Wegfall der Nachfrage aus Deutschland weitere 25 Prozent der Beschäftigung wegzubrechen", so Zelinger.

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