Strommarkt droht neues Mega-Monopol

Nach Jahren, in denen viele neue Stromanbieter auf den Markt kamen, droht in Deutschland ein Rückfall im Monopolzeiten. Mit der Übernahme der RWE-Tochter Innogy, die vor allem Kunden und Stromnetze mitbringt, könnte Eon bis zu 70 Prozent der inländischen Stromkunden kontrollieren.


Innogy
2016 mit großem Brimborium als "Blaupause" fürs Zukunftsgeschäft gegründet, soll drei Jahre später Innogy das Markenlicht ausgeblasen werden – die Gewinninteressen von Eon sind für die Zukunft wichtiger. (Foto: Innogy)

Ab Mitte des Jahres will sich der Eon-Konzern die bisher als Ökostromtochter von RWE geltende Innogy endgültig einverleiben. Innogy erzeugte 2017 laut Geschäftsbericht in Deutschland rund 3,4 Milliarden Kilowattstunden Ökostrom, verkaufte aber insgesamt über seine Netze rund 163 Milliarden Kilowattstunden – mehr als 30 Prozent des in dem Jahr in Deutschland verbrauchten Stroms.

Kommen Kunden und Netze von Innogy künftig zu denen von Eon hinzu, werde der neue Konzern auf zwei Dritteln der Fläche Deutschlands zum größten Stromanbieter, heißt es in einer jetzt veröffentlichten Analyse der Beratungsgesellschaft LBD im Auftrag des Ökostromanbieters Lichtblick. In diesen Regionen liege der Marktanteil des "Megakonzerns" dann bei über 70 Prozent der Stromkunden.

Mitte 2018 hatten sich RWE und Eon geeinigt, Innogy unter sich aufzuteilen. Eon will das Netz- und Vertriebsgeschäft von Innogy übernehmen, RWE die Ökostromsparten von Innogy sowie von Eon. Außerdem soll RWE mit 16,7 Prozent an Eon beteiligt werden.

EU-Kommission soll Megadeal stoppen

"Die Pläne der beiden Energieriesen zielen auf ein Ende des wettbewerblichen Strommarkts in Deutschland", warnt Lichtblick-Geschäftsführer Gero Lücking. "Leidtragende sind die Stromkunden, die mit höheren Energiepreisen rechnen müssen." Lücking verlangt, dass die EU-Kartellbehörden den Deal stoppen.

Denn auf dem Weg zum neuen Strommonopol will Eon jetzt eine weitere Hürde nehmen und hat Ende Januar die weitgehende Übernahme von Innogy bei der EU-Kommission angemeldet. Die Wettbewerbshüter in Brüssel müssen die geplante Aufteilung der RWE-Tochter genehmigen. 

Mit der Anmeldung sei man dem Ziel nähergekommen, die Innogy-Transaktion "ab Mitte 2019 umzusetzen", sagte dazu Eon-Vorstandschef Johannes Teyssen. Nach seiner Darstellung würde Eon durch die Übernahme beim Stromvertrieb in Deutschland einen Marktanteil von 25 Prozent erreichen.

Eon will zudem bis zu 5.000 Stellen streichen. Aktien-Portale halten es für unwahrscheinlich, dass die EU-Kommission ein komplettes Veto gegen die Fusion einlegt. Beschränkungen und Auflagen in einzelnen Teilen seien aber möglich.

Lichtblick hat dagegen die EU-Kommission aufgefordert, den Megadeal zwischen RWE und Eon zu untersagen. Eon baue mit der Übernahme nicht nur die gewinnträchtigen Geschäftsfelder Strom-Grundversorgung und Netz aus – mit den daraus zu erzielenden Gewinnen könne der Konzern auch insgesamt "aggressiv auftreten", beklagt der Hamburger Ökostromer.

Auch Stadtwerke befürchten neue Marktkonzentration

Auch andere Anbieter wie etwa Stadtwerke befürchten eine kundenfeindliche Konzentration. Sollten die Kartellämter dem Zusammenschluss keinen Riegel vorschieben, entstünde "ein Konzern mit historisch nie dagewesener Marktmacht", zitiert Spiegel Online die auf Energierecht spezialisierte Kanzlei Becker Büttner Held. Die Berliner Anwaltskanzlei vertritt diverse Stadtwerke und Regionalversorger bei ihren Klagen gegen die Fusion gegenüber den Kartellbehörden.

Nach Angaben von Lichtblick verfügt Eon künftig, einschließlich aller Beteiligungen, über mehr als 160 Strom-Marken und bietet 840 Strom-Tarife an. Insgesamt könne Eon nach dem Deal auf etwa 16 Millionen Kunden, rund 20 Millionen Haushalts-Stromzähler sowie einen Großteil der Stromnetze zugreifen und damit auch zum "führenden Datenkonzern in der Energiewirtschaft" werden, kritisiert Lichtblick.

Für Gero Lücking sind die Kundendaten dabei das künftige "Gold der Energiebranche". Hier würden völlig neue Geschäftsfelder entstehen. Beispiele wie Amazon im Online-Handel oder Google bei der Internetsuche zeigen für Lücking, dass datenbasierte Plattformgeschäfte eine Tendenz zum Monopol haben.

Redaktioneller Hinweis: Gero Lücking ist Kuratoriumsmitglied von Klimareporter°

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