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Solarstrom aus wiedervernässten Mooren

Mit mehr Doppelnutzung von Flächen und Beteiligungsrechten der Kommunen wollen Wirtschafts-, Umwelt- und Agrarministerium den Ausbau und die Akzeptanz der Freiflächen-Photovoltaik voranbringen. Die drei grün geführten Ressorts legten dazu heute ein Eckpunkte-Papier vor.


Feerner Moor
Über wiedervernässten Mooren könnten Solarmodule installiert werden. (Foto: Lämpel/​Wikimedia Commons)

Moore erleben gerade eine Wiedergeburt – als CO2-Senken und Klimaschützer. Bis zu 25.000, besser bis zu 50.000 Hektar trockengelegter Moorflächen müssten nach Angaben von Umweltverbänden jedes Jahr wiedervernässt werden, damit Deutschland 2045 klimaneutral sein kann.

Das Problem dabei: Vernässte Moore sind zwar erstklassiger Naturschutz, aber schwierig zu bewirtschaften. Recht einfach erscheint es da, Moore für Freiflächen-Photovoltaik zu nutzen. Der erzeugte Ökostrom würde den Klimanutzen sogar erhöhen.

Der ausgefallene Vorschlag zum Aufbau von Moor-Solarkapazitäten findet sich in einem Eckpunktepapier, das die drei Ministerien für Wirtschaft und Klima, Umwelt sowie Landwirtschaft heute vorlegten. In sechs Punkten soll der Ausbau der Photovoltaik auf Freiflächen vorangetrieben werden, und das "im Einklang mit landwirtschaftlicher Nutzung und Naturschutz", so steht es ausdrücklich schon im Titel des Papiers.

Der Knackpunkt bei der Moor-Photovoltaik ist: Nach der Wiedervernässung muss sich eine geschlossene Vegetation bilden. Daher müsse überall weiter Licht zu den Pflanzen auf dem Boden gelangen, schreibt das Greifswalder Moorzentrum in einem Positionspapier.

Die Photovoltaikanlagen müssen sich daher über der Vegetation befinden, zudem müssen die Paneele versetzt errichtet werden. Auch sei Photovoltaik in Kombination mit Wiedervernässung in Deutschland bisher nicht erprobt, geben die Fachleute aus Greifswald zu bedenken.

Branchenlob für "beherztes Vorgehen"

Während die Moor-PV eher noch Zukunftsmusik ist, sind andere im Eckpunkte-Papier vorgeschlagene Doppelnutzungen bereits etabliert. So soll Agri-Photovoltaik künftig auf allen Äckern zulässig sein und auch weiter mit EU-Agrargeldern gefördert werden können, "sofern die landwirtschaftliche Nutzung nur bis zu 15 Prozent durch die Stromerzeugung beeinträchtigt ist", wie das Papier formuliert.

Stärker als bisher wollen die drei grün geführten Ressorts auch Photovoltaik in sogenannten benachteiligten Gebieten fördern. Das sind Regionen, deren Landwirte wegen ungünstiger natürlicher Bedingungen zusätzliche Gelder erhalten. Durch die Anwendung neuer Kriterien soll die Flächenkulisse dieser benachteiligten Gebiete nach Angaben der Ministerien um etwa neun Prozent wachsen.

Die drei Ressorts scheinen auch entschlossen, sich der wachsenden Akzeptanzprobleme der Freiflächen-Photovoltaik anzunehmen. So sollen die Kommunen das Recht bekommen, in den Verträgen zur finanziellen Beteiligung dem Solarbetreiber vorzugeben, welche naturschutzfachlichen Anforderungen auf den Freiflächen einzuhalten sind. Nach und nach soll diese Regelung auf die schon vorhandenen Anlagen ausgedehnt werden.

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) rechnet damit, dass auf landwirtschaftlichen Flächen bis zu 200.000 Megawatt zusätzliche Photovoltaik-Kapazität installiert werden können. "Das ist eine enorme Steigerung", betonte er zur Vorlage des Eckpunktepapiers. Bisher seien es knapp 60.000 Megawatt.

Der Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) begrüßte gegenüber Klimareporter° die Verständigung der drei Ministerien, vor allem das "beherzte Vorgehen" bei der Agri-Photovoltaik. Hier gebe es ein großes Ausbaupotenzial. Landwirte sollten motiviert werden, die kombinierte Flächennutzung in den Blick zu nehmen, so der Branchenverband.

Moorexperte dämpft Erwartungen

Die Erwartungen an die Moor-PV dämpft unterdessen Jan Peters, Geschäftsführer der Michael-Succow-Stiftung, einer Partnereinrichtung des Greifswalder Moorzentrums. Nach seiner Ansicht sollten beim Solarausbau weiterhin Dach- und Infrastrukturflächen Priorität haben.

"Um einen noch weitergehenden Ausbau zu ermöglichen, können auch wiedervernässte, zuvor intensiv landwirtschaftlich genutzte, stark degradierte Flächen in den Blick genommen werden", so Peters gegenüber Klimareporter°. Hier sei ein dreifacher Klimanutzen möglich: CO2-Einsparung durch Wiedervernässung der Moore, CO2-Speicherung durch Verarbeitung von Biomasse zu langlebigen Produkten wie Dämmstoffen sowie Stromerzeugung durch Agri-Photovoltaik.

Peters plädiert aber dafür, neben der Photovoltaik auch die nasse Moornutzung, die sogenannte Paludikultur, im Blick zu behalten. Erst die Kombination von multifunktionellen Systemen wie Paludikultur mit Biomasseproduktion und weiteren Ökosystemdienstleistungen der Moore ermögliche zusammen mit einer nachhaltigen Solarstromerzeugung eine ausreichende lokale Wertschöpfung, betont Peters. Ein solches Vorgehen verringere dann aber auch die Treibhausgasemissionen massiv.

Mit der Inbetriebnahme kommerzieller Moor-Solaranlagen rechnet Peters frühestens in fünf Jahren. Zuvor müsse es entsprechende Pilot- und Forschungsprojekte geben.

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