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Kohleausstieg kommt fast ohne Entlassungen aus

Das Umweltbundesamt gibt Entwarnung: Bis zum Jahr 2030 müssen in der Braunkohle selbst bei einer drastischen Reduktion der Kraftwerkskapazität keine Beschäftigten entlassen werden.


Ein Schaufelbagger im Braunkohletagebau Garzweiler bei Köln
Der Tagebau Garzweiler im Rheinischen Braunkohlerevier. (Foto: Rolf Dobberstein/​Pixabay)

Wie viele Beschäftigte nun tatsächlich in der Braunkohle arbeiten, ist derzeit ein Politikum. Einen Beitrag zur Diskussion, der die Beschäftigten in den Braunkohleregionen beruhigen dürfte, hat jetzt das Öko-Institut geliefert. Die Studie, die das Institut im Auftrag des Umweltbundesamts vorgelegt hat, kommt zum Ergebnis, dass der Kohleausstieg weniger Auswirkungen auf die Arbeitsplätze in der Braunkohleindustrie haben wird als befürchtet.

Als Grundniveau geht das Öko-Institut von der Beschäftigtenzahl Ende des Jahres 2015 aus. Zu diesem Zeitpunkt waren demnach etwa 20.800 Menschen direkt in der Braunkohleindustrie beschäftigt – davon 15.400 Menschen im Bergbau und weitere 5.400 in den Kraftwerken.

Die Forscherinnen und Forscher haben nun zwei Szenarien verglichen. In einem Referenzszenario untersuchten sie, wie viele Menschen im Jahr 2030 noch in der Braunkohle arbeiten, wenn nur die bisher schon beschlossenen Klimaschutzmaßnahmen greifen würden.

Dem Zielpfad-Szenario liegt hingegen zugrunde, dass das Klimaziel für das Jahr 2030 eingehalten werden muss. Im Klimaschutzplan 2050 der Bundesregierung ist festgelegt, dass der Enegiesektor seine Treibhausgas-Emissionen bis 2030 um 61 bis 62 Prozent im Vergleich zu 1990 reduzieren muss. Um dieses Ziel zu erreichen, muss laut der Studie die Braunkohle-Kapazität von 20.700 Megawatt im Jahr 2015 auf 9.000 Megawatt im Jahr 2030 reduziert werden.

Auch ohne zusätzliche Maßnahmen nehmen die Arbeitsplätze ab

Das Ergebnis der Untersuchungen: Auch im klimapolitisch schwächeren Referenz-Szenario nimmt die Zahl der Beschäftigten schon um 30 Prozent ab – auf etwa 14.500. Grund ist, dass in diesem Szenario vor allem die alten Kraftwerke stillgelegt werden, in denen besonders viel Personal benötigt wird.

"Man darf nicht vom heutigen Stand ausgehen, sondern muss berücksichtigen, dass auch schon im Referenz-Szenario Arbeitsplätze verloren gehen", erklärt Hauke Hermann, Energie- und Klimaexperte beim Öko-Institut, auf Nachfrage von Klimareporter°. Auch in den vergangenen zehn Jahren habe es schon Maßnahmen gegeben, die den Kohleabbau effizienter gemacht und damit Arbeitsplätze gekostet haben. Außerdem werden bis 2020 durch die Sicherheitsbereitschaft schon ältere Kraftwerke stillgelegt.

Im schärferen Zielpfad-Szenario reduziert sich die Zahle der Beschäftigten in der Braunkohlewirtschaft bis zum Jahr 2030 um 60 Prozent – etwa 8.000 Menschen wären dann noch in der Braunkohle beschäftigt.

Kaum betriebsbedingte Kündigungen

Was dem Kohleausstieg entgegenkommt: Laut der Studie gehen fast zwei Drittel der in der Kohle Beschäftigten bis 2030 ohnehin in Rente – betriebsbedingte Kündigungen könnten also vermieden werden. Schon im Jahr 2014 war mehr als die Hälfte der Beschäftigten im Braunkohlesektor über 50 Jahre alt. Zudem weisen die Studienautoren darauf hin, dass in der Bergbau-Rekultivierung Arbeitsplätze erhalten bleiben und geschaffen werden, die den Strukturwandel zusätzlich abfedern könnten.

"Die Zahlen zeigen, dass die Altersstruktur der Beschäftigten in der Braunkohleindustrie den Klimaschutzplänen Deutschlands entgegenkommt", fasst Hauke Hermann zusammen. "Die Gefahr zahlloser Kündigungen ist sehr gering." Vielmehr könne der Strukturwandel in den Braunkohlerevieren mit der Ansiedlung neuer, zukunftsfähiger Unternehmen gestaltet werden.

Allerdings dürfen in diesem Szenario keine neuen Mitarbeiter in der Braunkohle eingestellt werden. "Es ist nicht so, dass es keine Probleme gibt", betont Hermann. "Für die jungen Leute, die jetzt auf den Arbeitsmarkt kommen, muss etwas passieren."

Den größten Strukturwandel hat die Braunkohlewirtschaft ohnehin schon hinter sich. So waren Anfang der 1990er Jahre noch 100.000 Menschen allein im Baunkohlebergbau beschäftigt – zehn Jahre später waren es nur noch 21.000. Seit dem Jahr 2000 sind die Zahlen laut dem Öko-Institut um weitere 30 Prozent gesunken, obwohl die Braunkohleförderung konstant blieb.

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