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Dürre in der Steckdose

Beinahe jedes zweite Wärmekraftwerk steht in einer Region mit hohem Dürrerisiko, warnt die Umweltstiftung WWF. Wird das Wasser knapp, droht den fossilen Kraftwerken die Drosselung oder gleich das komplette Aus.


Sechs dampfende Kraftwerks-Kühltürme bei Nacht, aus der Entfernung über einen See aufgenommen.
Ursache und Wirkung: Für etliche Kohle- und Atomkraftwerke besteht ein hohes Dürrerisiko. (Foto: Tobias Scheck/​Flickr)

Kohle- und Atomkraftwerke gelten als verlässliche Stromproduzenten, anders als Wind- und Solaranlagen, deren "Treibstoff" bekanntermaßen nicht auf Knopfdruck oder per Mausklick verfügbar ist. Doch auch diese Gewissheit gerät zunehmend ins Wanken.

Ein neuer Klimareport, vorgelegt von der Umweltstiftung WWF, warnt: Fast die Hälfte aller Wärmekraftwerke weltweit – hauptsächlich eben Kohle, Atomkraft sowie Erdgas – steht in Regionen mit einem hohen Dürrerisiko.

Und das gefährdet ihre Verfügbarkeit wegen der zunehmenden Erwärmung stark. Denn sie brauchen viel Wasser zum Kühlen, im Fall von Kohlemeilern oft auch zum Antransport des Brennstoffs über Flüsse.

In Europa gehen immerhin 43 Prozent der gesamten Süßwasser-Entnahme aus Flüssen und Seen für die Kühlung der thermischen Kraftwerke drauf. Ein ohnehin trockenes Land wie Spanien trifft es da besonders. Dort ist über die Hälfte der 269 in der Studie erfassten Kraftwerke einem hohen bis sehr hohen Dürrerisiko ausgesetzt.

Auch Frankreich als Atomkraftland Nummer eins bekommt zunehmend Probleme. Von den 27 Kraftwerken mit hohem Risiko sind vier AKW. Darunter ist auch der Standort Flamanville in der Normandie, wo der neue, superteure EPR-Reaktor gebaut wird, auf dem trotz aller Probleme immer noch die Hoffnungen der französischen Atomindustrie ruhen.

Doch auch Deutschland ist betroffen, und hier vor allem Brandenburg und Sachsen. Laut WWF drohen unter anderem dem Heizkraftwerk Cottbus und dem Gaskraftwerk Kirchmöser Drosselung oder gar Abschaltung, wenn das Kühlwasser fehlt. Sie alle fallen in die Kategorie "hohes Risiko", ebenso wie das Wasserkraftwerk Altheim, das in Niederbayern an der Isar liegt.

Joachim Wille ist Chefredakteur des Online-Magazins Klimareporter°.

Freilich kann es auch anderswo zu Problemen kommen. Im Hitze- und Trockenheitssommer 2018 musste zum Beispiel ein fossiles Kraftwerk in Berlin ganz abgeschaltet werden, weitere wurden gedrosselt, etwa in Karlsruhe, Wilhelmshaven oder in Bergkamen im Ruhrgebiet, ebenso das AKW Philippsburg bei Speyer.

Die Studie zeigt: Dass weltweit immer noch neue Kohle- und Gaskraftwerke gebaut werden, ist nicht nur aus Klimagründen aberwitzig. Es wird wohl auch nicht die erhoffte Versorgungssicherheit bringen. Noch ein Argument für die Energiewende.

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