Nach Zusage von Scholz endet Hungerstreik

Der Klima-Hungerstreik in Berlin ist beendet. Am Abend kam SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz der Forderung der beiden verbliebenen Aktivist:innen nach und sagte ein öffentliches Gespräch über den Klimanotstand zu.


Ein Mann mit Fahrrad steht vor dem weißen Leinwandzelt der Hungerstreikenden, etliche Transparente und Fahnen zur Unterstützung sind zu sehen.
Der Hungerstreik erhielt die ganze Zeit über viel Unterstützung. (Foto: Timo Knorr)

Nach fast vier Wochen ist der Klima-Hungerstreik im Berliner Regierungsviertel zu Ende. Am heutigen Samstagabend beendeten die letzten zwei Aktivist:innen die Aktion.

Von den ursprünglich sieben, die Ende August in ihrem Camp am Spreebogen in der Nähe des Bundestages mit dem Hungerstreik begonnen hatten, stoppten drei ihre Protestaktion bereits Mitte der Woche. Das von ihnen geforderte öffentliche Gespräch vor der Wahl mit den Kanzlerkandidat:innen über ein Klima-Sofortprogramm war trotz allen Einsatzes und enormer öffentlicher Aufmerksamkeit nicht zustande gekommen.

Bis zuletzt habe es "keine Bereitschaft für ein öffentliches Gespräch" gegeben, begründeten Jacob Heinze, Rumen Grabow und Simon Helmstedt die Entscheidung am Mittwoch in einer Mitteilung. "Würden wir weitermachen – wir würden sterben zugunsten eines kalten, fantasielosen politischen Weiter-so, das für alles Leben auf der Erde tödlich enden wird."

Zuvor hatten bereits Lina Eichler, Sasha Stier und eine Aktivistin, die sich Mephisto nennt, aus unterschiedlichen Gründen mit dem Hungerstreik aufgehört.

Scholz bestätigt Gesprächszusage

Von der Anfangsgruppe hatte sich Henning Jeschke entschlossen, weiterzumachen und bei einem Nichtzustandekommen des Gesprächs mit den Drei vom heutigen Samstagmittag an auch die Flüssigkeitsaufnahme zu verweigern. Dieser verschärften Aktionsform hatte sich auch die Aktivistin Lea Bonasera angeschlossen, die neu zur Gruppe gekommen war.

Ziel der Verschärfung sei, weiterhin ein öffentliches Gespräch mit den drei Kanzlerkandidat:innen zu erreichen, erklärte Henning Jeschke dazu. Des Weiteren sei an SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz die Forderung gegangen, öffentlich zu erklären, dass Deutschland sich im "lebensbedrohlichen Klimanotstand" befinde.

Nach einem Anruf von Scholz heute am späten Nachmittag beendeten schließlich auch Bonasera und Jeschke ihren Hungerstreik. Nach ihrer Darstellung hat Scholz einem öffentlichen Gespräch mit ihnen über den Klimanotstand innerhalb der nächsten vier Wochen zugestimmt und diese Zusage auch einen Tag vor der Bundestagswahl gegeben. Scholz bestätigte dies am Abend per Twitter.

Der Hungerstreik habe als Mittel des zivilen Ungehorsams die Blockadehaltung der Politiker:innen gebrochen, kommentierte Lea Bonasera die Zusage. "Unsere Entschlossenheit und die Solidarität vieler Menschen haben gesiegt."

"Ziviler Ungehorsam bietet viele andere Möglichkeiten"

Zuletzt hatte auch der Co-Vorsitzende der Grünen, Robert Habeck, die beiden verbliebenen Aktivist:innen besucht. "Es ist nichts gewonnen, wenn ihr sterbt", sagte Habeck laut Medienberichten zu ihnen. Die Aktion habe schon viel bewirkt. Ganz Deutschland spreche über den Hungerstreik und seine Forderungen.

Nun aber bringe es nichts mehr, weiterzumachen. Kein Gramm CO2 werde eingespart, wenn die Kanzlerkandidaten im Camp der Aktivisten sitzen würden, sagte Habeck.

Kritisch zu der Aktion hatte sich auch der renommierte Protestforscher Dieter Rucht geäußert. Einerseits sei es wichtig, die Klimakrise in den Vordergrund zu rücken, und das auch "nicht nur mit freundlichen, netten Protesten" wie bei Fridays for Future, sagte Rucht dem Evangelischen Pressedienst. Andererseits sei "der Sprung von den bisherigen Protesten hin zum Hungerstreik zu groß".

Rucht zeigte durchaus Verständnis für die Hungerstreikenden. In der Aktionsform drücke sich auch eine gewisse Verzweiflung aus. Einen Hungerstreik mache man "nicht mal so nebenher und schon gar nicht über einen längeren Zeitraum".

Für Rucht stellt aber ein Hungerstreik erst das letzte Mittel dar, "wenn alle anderen Möglichkeiten der Einflussnahme auf die Politik, der Aufmerksamkeitsgewinnung, versagt haben". Das sei hier nicht der Fall, betonte er. "Das Spektrum der Möglichkeiten zivilen Ungehorsams noch lange nicht ausgereizt."

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