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Lausitzer sollen den Wandel selbst vollziehen

Die Bürger in der Lausitz müssen am Strukturwandel beteiligt werden. Das sagen die evangelische Kirche und ein Lausitzer Verein – und fordern einen "Fonds Zivilgesellschaft", damit das schwache bürgerschaftliche Engagement in der durch die Braunkohle geprägten Region gestärkt wird.


Der geflutete frühere Braunkohletagebau Grünhaus in der Niederlausitz.
Nicht jedes Tagebaurestloch in der Lausitz kann man fluten: Der ehemalige Braunkohletagebau Grünhaus soll zur Wildnis werden. (Foto: Bodow/​Wikimedia Commons)

Initiativen wie die Raumpioniere Oberlausitz sind in der Lausitz rar. Das Netzwerk will gestressten Städtern und potenziellen Zuzüglern die Vorteile des Landlebens schmackhaft machen und Freiräume aufzeigen, die in Metropolregionen mit ihren steigenden Immobilienpreisen zusehends verschwinden.

Aus Sicht von Burkhard Behr, evangelischer Pfarrer am Zentrum für Dialog und Wandel (ZDW), braucht die Lausitz noch viel mehr solcher Pilotprojekte, auch weil die Zivilgesellschaft in der Region nur schwach entwickelt ist. "Sportvereine sind zahlreich", weiß Behr. Darüber hinaus gebe es aber kaum Strukturen, an denen man ansetzen könne.

Auch für Evelyn Bodenmeier vom Verein "Lausitzer Perspektiven" ist die Zivilgesellschaft in der Lausitz nur punktuell vorhanden. "Im sächsischen Raum ist bürgerschaftliches Engagement stärker ausgeprägt, kleinteiliger und kreativer, und anders als in Brandenburg gibt es in Sachsen dafür Strukturförderung", sagt Bodenmeier.

Trotz der als schwach beschriebenen Zivilgesellschaft wollen der Verein und die evangelische Kirche den Strukturwandel in der ländlichen, von der Braunkohle geprägten Region nicht nur der Landespolitik und der Wissenschaft überlassen. Stattdessen sollen die Lausitzer selbst die Transformation vollziehen. Bisher, sind sich Behr und Bodenmeier einig, wurde die Lausitz zu sehr von außen und von oben definiert. Ändern soll das ein Fonds, der die Zivilgesellschaft in der Lausitz stärken soll.

Die Zivilgesellschaft in den von Kohleausstieg betroffenen Regionen zu stärken empfiehlt auch die Kohlekommission in ihrem Abschlussbericht. "Für einen langfristig gelingenden Strukturwandel in den Revieren braucht es auch die Mitwirkung und die Akzeptanz der lokalen Bevölkerung und zivilgesellschaftlicher Gruppen", heißt es da.

Wirtschaftsminister begrüßt Fonds-Vorschlag

In der Region, so schwebt es dem Bündnis vor, soll ein "Fonds Zivilgesellschaft Lausitz" eingerichtet werden, der Projekte von Bürgern finanziert. Zehn Prozent der bereitgestellten Fördermittel für die Lausitz sollen laut dem Vorschlag in den Aufbau und die Förderung bürgerschaftlichen Engagements gesteckt werden.

Wie der Fonds konkret ausgestaltet werden soll, lässt der Vorschlag offen. Das Angebot soll niedrigschwellig sein mit mehreren Bürgerbüros und einfacher Zugänglichkeit zu Programmen und Fördermitteln.

Erste Zustimmung kam bereits aus dem brandenburgischen Wirtschaftsministerium. Minister Jörg Steinbach (SPD) begrüßte die Initiative und betonte die Notwendigkeit zivilgesellschaftlichen Engagements in dem Umwandlungsprozess in der Lausitz. Ein Strukturwandel über die Köpfe der Menschen hinweg könne nicht erfolgreich sein, sagte Steinbach dem Evangelischen Pressedienst.

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