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Hauptmann Kettensäge

Brasiliens neuer Präsident Bolsonaro inszeniert die Öffnung des Regenwaldes für Agrarkonzerne als Akt der Selbstbehauptung gegenüber den Europäern.


Satellitenaufnahme von entwaldeten Flächen im brasilianischen Bundesstaat Amazonas
Entwaldung im brasilianischen Amazonasbecken, um Platz für die Rinderzucht zu schaffen. (Foto: Sentinel Hub/​Flickr)

"Für die bin ich Hauptmann Kettensäge." Jair Bolsonaro hat nur Spott übrig für die Kritiker seiner Amazonas-Politik, die die weitere Öffnung des Regenwaldes für Agrarkonzerne zum Ziel hat. Vor Unternehmern ließ Brasiliens Präsident jetzt diesen Spruch ab, der auf Klimaschützer generell, speziell aber auch auf zwei Amtskollegen gemünzt war.

Er sagte, die deutsche Bundeskanzlerin Merkel und Frankreichs Staatspräsident Macron hätten wohl noch nicht bemerkt, dass Brasilien eine neue Regierung habe, die sich nicht mehr unterwürfig den Wünschen des Auslands unterordne.

Gemeint ist: Dass Leute wie Merkel und Macron es gerne sähen, wenn der Amazonas-Regenwald erhalten bliebe, ist eine unerlaubte Einmischung in die Angelegenheiten des größten südamerikanischen Landes.

Doch Bolsonaro ist nicht nur wenig zimperlich, wenn er an der Kollegin und dem Kollegen in Europa etwas auszusetzen hat. Auch die Wahrheit kommt unter die Räder.

Als jetzt das brasilianische Weltraumforschungsinstitut Inpe die neuesten Zahlen zur Abholzung im Regenwald veröffentlichte, bezeichnete er die Daten schlichtweg als Lüge, die von dem renommierten Institut im Auftrag internationaler Umweltorganisationen verbreitet werde.

Das Inpe hatte für Juli gemeldet, dass über 2.250 Quadratkilometer Regenwald gerodet wurden – viermal so viel wie im gleichen Monat des Jahres 2018. Das entspricht der Fläche von drei Fußballfeldern pro Sekunde. Bereits für den Juni errechnete das Institut fast eine Verdopplung.

Bolosonaro, der jüngst in der Amazonas-Metropole Manaus verkündet hatte, er wolle die ökonomische "Entwicklung mit der Erhaltung der Umwelt verbinden", passte das nun gar nicht. Die Zahlen seien "absurd", und sie zu veröffentlichen, sei "sehr schlecht für uns".

Er ordnete an, das Inpe dürfe seine Daten künftig nur noch nach Rücksprache mit dem Wissenschaftsministerium in Brasilia herausgeben. Zudem entließ er den Leiter des Instituts, Ricardo Galvão, und ersetzte ihn durch einen Militär.

Joachim Wille ist Chefredakteur des Onlinemagazins Klimareporter°.

Wird man sich künftig überhaupt noch auf die offiziellen brasilianischen Zahlen zum Waldverlust verlassen können?

Zweifel sind angebracht. Wer wird sich noch trauen, die Wahrheit zu sagen, wenn der Staatschef sagt, solche Zahlen könnten nur von "bösen Brasilianern" kommen, die eine "Negativkampagne" gegen "unser Brasilien" betrieben?

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