Heute im Garten, morgen im Wald

Invasive Baumarten werden im Frühling oftmals als Schmuckstück für den Garten gekauft. Doch sie können sich bis in die Wälder ausbreiten und so den Umbau zu einem klimatoleranten, standortangepassten Mischwald behindern.


Blüten der Spätblühenden Traubenkirsche
Spätblühende Traubenkirsche in Hamburg. (Foto: Aiwok/​Wikimedia Commons)

Der Wald hat's auch nicht leicht. Der Klimawandel macht ihm immer mehr zu schaffen. Die Trockenheit der letzten beiden Jahre hat selbst angeblich widerstandsfähige Buchen dahingerafft. Der Borkenkäfer tobt sich auch dieses Jahr wieder aus, was die Fichtenforste weiter dezimiert.

Und nun attackiert ihn auch noch die "Waldpest". So nennen Forstleute die Baumart Spätblühende Traubenkirsche. Doch auch andere Pflanzen wie der Japanische Staudenknöterich und die Armenische Brombeere treiben im Forst ihr Unwesen.

Im Wald hat der Frühling mit Macht Einzug gehalten. Überall beginnt es zu grünen, die Vögel geben ein vielstimmiges Konzert, ein Trost in Corona-geprüften Zeiten.

Der letzte Winter war zum Glück nass, er hat das Wasserdefizit in den Böden nach den Trockenjahren 2018 und 2019 vielerorts ausgeglichen. Trotzdem kann von einer Erholung der Forste auf breiter Front keine Rede sein. Der Umbau zu einem klimatoleranten, standortangepassten Mischwald muss dringend weitergehen.

Invasive Arten wie die Spätblühende Traubenkirsche, die ursprünglich aus Nordamerika stammt, sind dabei natürlich nicht das größte Problem. Doch sie können den Umbau behindern.

Diese Baumart zum Beispiel hindert mit ihrer fast undurchdringlichen Strauchschicht andere Gehölze und Sträucher am Wachsen. Aber auch weiter fremdländische Arten wie Schwarznuss, Tulpenbaum, Atlaszeder oder Riesenlebensbaum drohen heimische Bäume zu verdrängen.

Forstexperten haben deswegen jetzt aus gegebenem Anlass vor den Exoten gewarnt. Die werden nämlich oftmals im Frühling als Schmuckstück für den Garten gekauft, können sich dann aber so stark vermehren, dass sie sich per Samenflug über den Gartenzaun hinweg bis in die Wälder ausbreiten.

Joachim Wille ist Chefredakteur des Online-Magazins Klimareporter°.

Das Problem: Auf dem Waldboden wachsen sie zu dichten Beständen heran, die anderen Pflanzen-, Strauch- und Baumarten den Platz und das Licht wegnehmen. Das ist das Aus für die erwünschte Naturverjüngung im Wald.

Auch die "Entsorgung" von Gartenabfällen im Wald, zu der manche Gartenbesitzer greifen, trägt laut den Experten zum Problem bei. Dadurch können sich ebenfalls invasive Arten dort ansiedeln und dann verbreiten.

Gartenabfälle im Wald abzuladen ist übrigens verboten. Das Verbot hat, so betrachtet, auch wirklich Sinn.

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