Aufforstung genügt nicht

In den vergangenen 20 Jahren ist durch Naturschutzbemühungen weltweit neuer Wald nachgewachsen, die Fläche entspricht der Größe Frankreichs. Leider reicht das nicht ansatzweise, um den Verlust an Wald auszugleichen.


Wiederherstellung von Mangrovenwald durch Freiwillige 2014 in Samut Sakhon am Golf von Thailand.
Aufforstung ist sinnvoll, darf aber nicht vergessen machen, dass die Abholzung weitergeht. (Foto: Sura Nualpradid/​Shutterstock)

Es gibt auch gute Nachrichten, natürlich. Hier ist noch eine: Der Wald wächst, nicht nur nach oben, weil er das von Natur aus sowieso gerne tut, sondern auch in die Fläche.

Waldgebiete von der Größe Frankreichs sind seit dem Jahr 2000 weltweit nachgewachsen, wie eine neue Studie zeigt. Es geht um immerhin 59 Millionen Hektar. Die Bäume haben das Potenzial, 5,9 Milliarden Tonnen des Treibhausgases CO2 aufzunehmen – mehr als die jährlichen Emissionen der USA.

Die Untersuchung förderte Erstaunliches zutage. Sogar in Brasilien, wo der berüchtigte Waldkiller Jair Bolsonaro regiert, sind in großem Stil Bäume nachgewachsen. In den Waldgebieten am Atlantik hat sich dort in den letzten 20 Jahren eine Fläche von der Größe der Niederlande erholt. Grund waren Naturschutzbemühungen und ein veränderter Holzeinschlag.

Ein weiteres großes Aufforstungsgebiet liegt in den borealen Wäldern der Mongolei. Dort haben sich dank der Arbeit von Umweltschützern und der Regierung 1,2 Millionen Hektar Wald regeneriert. Doch auch in Teilen Zentralafrikas und Kanadas erlebten Wälder auf ehemals abgeholzten oder abgebrannten Flächen ein Comeback.

Die Studie gilt als sehr verlässlich. Sie entstand nicht nur mithilfe von Satellitenbildern, die Forscher führten auch Erhebungen vor Ort in Dutzenden von Ländern durch. Dahinter stehen große Naturschutzstiftungen wie der WWF mit ihrem Aufforstungsprojekt "Trillion Trees". Dessen Ziel ist es, bis 2050 eine Billion Bäume zu pflanzen.

Abholzung siebenmal schneller

Leider gießen die Forscher aber gleich Wasser in den Wein. Sie warnen: Die Welt erlebt immer noch einen Gesamtverlust an Wäldern "in einem erschreckenden Ausmaß". Die Abholzung erfolgt schneller als die Wiederaufforstung.

Joachim Wille ist Chefredakteur des Online-Magazins Klimareporter°.

Konkret: Seit 2000 gingen weltweit 386 Millionen Hektar Wald verloren – etwa siebenmal mehr als die Fläche des regenerierten Waldes. Dabei ist die Abholzung gerade im letzten Jahr sprunghaft angestiegen, und zwar besonders in den tropischen Regenwäldern, so am Amazonas. Dort gingen 2021 bereits über 430.000 Hektar verloren.

"Die Wissenschaft ist eindeutig – wenn wir gefährlichen Klimawandel vermeiden und den Verlust der Natur umkehren wollen, müssen wir sowohl die Abholzung stoppen als auch natürliche Wälder wiederherstellen", sagte WWF-Experte William Baldwin-Cantello.

Das müssen nur noch Leute wie Bolsonaro begreifen.

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