Inselstaaten bauen auf Jumemmej

Auf einer CO2-sparenden Onlinekonferenz beraten die am meisten von Klimawandel betroffenen Staaten, wie das 1,5-Grad-Ziel politisch erreicht werden kann. Sie fordern ehrgeizigere nationale Beiträge von den Industrienationen aber auch aus den eigenen Reihen.


Die Marshallinseln sind vom Meeresspiegelanstieg bedroht. Gemeinsam mit anderen besonders gefährdeten Nationen richteten sie nun eine Onlinekonferenz aus. (Foto: Department of Foreign Affairs and Trade/Flickr)

"Jumemmej" bedeutet wachsam bleiben, um auf langen Schiffsreisen sicher das Ziel zu erreichen – in der marshallischen Seemannssprache. Jumemmej ist auch der Titel einer Deklaration, die die führenden Staaten des Climate Vulnerable Forum (CVF) heute auf einem Onlineklimagipfel verabschiedeten.

Unbeschadet ans Ziel kommen wollen die Mitglieder des CVF unbedingt, denn sie sind die vom Klimawandel am meisten betroffenen Staaten. Deshalb luden sie alle Regierungschefs, die sich engagierter in die Klimapolitik einbringen wollen, zu einem virtuellen 1,5-Grad-Gipfel ein. Neben den CVF-Staaten beteiligten sich unter anderem China, Mexiko, Neuseeland, Frankreich, Estland sowie die EU an der bisher einmaligen virtuellen Staatenkonferenz.

Bis in den Abend des heutigen Donnerstag hinein finden interaktive Debatten statt. Viele Länder schickten Videobotschaften. Neben anderem sprachen der Präsident der kommenden Klimakonferenz Michal Kurtyka, die Generalsekretärin der UN-Klimarahmenkonvention Patricia Espinosa und der Ex-Bürgermeister von New York Michael Bloomberg.

In der Jumemmej-Erklärung formulieren die Länder des CVFs ihre Erwartungen für die kommende Klimakonferenz in Katowice. Sie fordern, dass die Staaten bei den Verhandlungen den 1,5-Grad-Bericht berücksichtigen und ihre nationalen Klimaschutzziele bis spätestens 2020 entsprechend ambitionierter gestalten.

Außerdem verlangen die Staaten, dass die finanzielle Unterstützung an die bisher am wenigsten entwickelten Länder und an schlechter gestellte Inselstaaten schneller und effizienter geleistet werden. Die Industrienationen haben bekanntlich versprochen, jährlich 100 Milliarden Euro aufzubringen, um die Entwicklungsländer zu unterstützen. "Wir stehen zu unserem Wort", versicherte die deutsche Umweltministerin Svenja Schulze in ihrem Videostatement.

Marshallinseln verschärfen Klimaziele

Mit dem Geld soll möglich werden, dass auch ärmere Staaten ehrgeizige Ziele verfolgen können. Die Marshallinseln haben diesen Schritt bereits umgesetzt und heute als erstes Land ein neues, verpflichtendes nationales Klimaziel bei der UNFCCC eingereicht. Bis 2030 plant der Pazifikstaat, seine Emissionen im Vergleich zu 2010 um 53 Prozent zu senken. Um die Lebensgrundlage der Inselbewohner zu garantieren, müssten allerdings noch viele andere diesem Beispiel folgen.

"Wir haben unser neu definiertes nationales Ziel ein Jahr früher eingereicht, als es das Paris-Abkommen vorsieht", sagte Hilda Heine, Präsidentin der Marshallinseln, in ihrer Eröffnungsrede. "Wir haben das getan, um den anderen zu zeigen: Wenn wir das können, könnt ihr das auch und müsst ihr das auch! Es gibt keine andere akzeptable Antwort auf den Sonderbericht des IPCC."

Laut dem IPCC-Sonderbericht wären die Schäden, die entstehen, wenn die globale Erwärmung 1,5 Grad übersteigt, noch verheerender als bisher angenommen. Selbst der höchste Punkt der Marshallinseln würde dann vom Meer verschluckt. Auf der anderen Seite legte der Bericht aber auch dar, dass eine Begrenzung auf 1,5 Grad derzeit noch möglich ist.

"In dieser Situation können wir es uns einfach nicht leisten, dass die Klimaverhandlungen in Katowice scheitern",  meint auch Bundesumweltministerin Schulze. Konkrete Zusagen von deutscher Seite gibt es aber nicht, und auch die Verhandlungen um verschärfte Emissionsziele der EU hat die Bundesregierung ausgebremst.

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