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Biden-Regierung subventioniert Atomkraftwerke

Eine Milliardenspritze soll AKW-Stilllegungen in den USA verhindern. Das soll auch dem Klimaschutz dienen. Die Reaktorflotte ist stark überaltert und arbeitet immer weniger rentabel. Laut Atomaufsicht wurden in mehreren Blöcken gefälschte Billig-Bauteile gefunden.


AKW Vogtle USA Georgia
Atomkraftwerk im US-Bundesstaat Georgia. (Foto: Charles C. Watson Jr/​Wikimedia Commons)

Die US-Regierung will ein sechs Milliarden Dollar schweres Hilfsprogramm für die Betreiber von Atomkraftwerken auflegen, um den Weiterbetrieb abzusichern. Das Geld soll zur Verfügung gestellt werden, um die vorzeitige Stilllegung von Reaktoren zu verhindern, zu denen sich eine Reihe Betreiber sonst aus ökonomischen Gründen gezwungen sehen würden.

In den USA steht der weltweit größte AKW-Park. Dort laufen 93 Reaktoren, die rund 20 Prozent des in dem Land verbrauchten Stroms liefern. Viele AKW-Betreiber sind seit Längerem unter Druck, weil erneuerbare Energien und lange Zeit auch Erdgas-Kraftwerke den Strom billiger lieferten.

Ein Faktor dabei ist, dass eine Reihe von Bundesstaaten Solar- und Windstrom mit Abnahmegarantien fördert, um die Energiewende voranzubringen. Das geht zulasten der Absatzmöglichkeiten für den Nuklearstrom.

Das US-Energieministerium rechtfertigt die Hilfen damit, dass die derzeit betriebenen Reaktoren rund die Hälfte der CO2-freien Stromproduktion liefern. Außerdem würden damit "tausende von gut bezahlten Arbeitsplätzen im Bereich saubere Energie" erhalten.

"Die US-Kernkraftwerke sind für die Erreichung der Klimaziele von Präsident Biden von entscheidender Bedeutung", sagte Energieministerin Jennifer Granholm. Die Biden-Harris-Regierung betrachte die AKW-Flotte als wichtige Ressource, um das Ziel von netto null Emissionen in der gesamten Wirtschaft bis 2050 erreichen zu können. Das Energieministerium fördert gleichzeitig auch die Entwicklung von neuen Reaktorkonzepten und den Bau von Prototypen.

Die Finanzmittel sind bereits durch das im Kongress verabschiedete Gesetz zur Verbesserung der Infrastruktur bereitgestellt worden, das die Regierung vorgelegt hatte. Ein zweites, von Präsident Joe Biden angekündigtes Gesetzespaket zur Klima- und zur Sozialpolitik liegt derzeit auf Eis, weil die Mehrheit im Kongress dafür nicht steht.

Verzicht auf Originalbauteile wird zum Sicherheitsproblem

Die USA haben die älteste Reaktorflotte in der Welt mit einem Durchschnittsalter von rund 40 Jahren. Die meisten AKW-Blöcke gingen vor 1985 in Betrieb. Im vergangenen Jahrzehnt sind bereits zwölf Reaktoren dauerhaft wegen veränderter Strommärkte vom Netz genommen worden. Das Energieministerium argumentiert, diese Schließungen hätten zu höheren CO2-Emissionen, schlechterer Luftqualität und dem Verlust tausender Jobs beigetragen.

Ein Schlaglicht auf die Situation in der alternden AKW-Flotte hatte kurz vorher ein Report der US-Atomaufsichtsbehörde NRC geworfen. Danach wurden in mehreren AKW gefälschte oder nachgebaute Teile entdeckt, die das Risiko eines Unfalls erhöhen könnten. Die fraglichen Bauteile werfen laut dem Bericht "Fragen hinsichtlich der nuklearen Sicherheit und der Gefahrenabwehr auf, die schwerwiegende Folgen haben könnten".

Laut dem Bericht zählten zu den nicht ordnungsgemäßen Teilen, die in Reaktoren gefunden wurden, Temperatursensoren, die zur Erkennung von Dampfleitungs-Brüchen verwendet werden, Unterbrecherschalter, die Brände verhindern sollen, und eine Notwasserpumpen-Welle.

Der NRC-Generalinspekteur hatte eine Untersuchung eingeleitet, nachdem bei seiner Behörde Berichte von Whistleblowern eingegangen waren, wonach viele, möglicherweise sogar alle US-Atomkraftwerke mit nachgebauten Bauteilen ausgestattet worden seien. Die Betreiber wollen damit Geld sparen. Laut dem Report haben zudem Mitarbeiter des Energieministeriums allein im Geschäftsjahr 2021 über 100 Vorfälle mit "gefälschten, betrügerischen oder verdächtigen Teilen" in Reaktoren festgestellt.

NRC-Sprecher Scott Burnell gab insofern Entwarnung, als er sagte, in dem Bericht deute nichts "auf ein unmittelbares Sicherheitsrisiko" hin. Der Report werde gründlich geprüft, und es würden geeignete Maßnahmen ergriffen.

Weniger entspannt reagierte die kritische Wissenschaftlergruppe Union of Concerned Scientists. Der Bericht sei beunruhigend, meinte deren Nuklearsicherheitsexperte Edwin Lyman. Die Atomaufsicht müsse dafür sorgen, dass gefälschte oder manipulierte Teile nicht in US-Kernkraftwerken eingesetzt werden. "Dazu gehören auch verschärfte Vorschriften für Anlagenbetreiber, solche Probleme zu melden und zu beheben, sobald sie entdeckt werden", sagte Lyman.

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