Wildwuchs trotzt dem Klima

Der Wald ist bedroht. Doch Europa bildet den positiven Gegentrend, auch weil viele Flächen nicht mehr landwirtschaftlich genutzt werden. Dass sich Wälder von allein wieder ausdehnen, gefällt aber nicht allen.


Ein nicht mehr als Weide genutzter Berghang in den Schweizer Alpen wird von Grünerlen überwuchert.
Werden Äcker und Weiden nicht mehr genutzt, kommt nach und nach der Wald zurück. (Foto: Joris Egger/​Wikimedia Commons)

Weltweit werden jährlich rund 13 Millionen Hektar Wald zerstört, das entspricht einer Fläche von rund 33 Fußballfeldern pro Minute.

In Europa dagegen nimmt die bewaldete Fläche zu. Rund ein Drittel des Kontinents wird von Wäldern und Forsten eingenommen, und die Fläche dehnt sich langsam, aber stetig aus – um 0,4 Prozent pro Jahr im Schnitt.

In vielen europäischen Ländern liegt das daran, dass Ackerland und Weiden aufgegeben werden. Die Landwirtschaft lohnt sich nicht mehr, Landflucht grassiert.

Eine Methode zur "Aufforstung" ist es, die Flächen sich selbst zu überlassen. Dann entwickelt sich ein "spontaner Wald" aus dem Wildwuchs.

Das ist nicht nur billig, manche Forstexperten gehen auch davon aus, dass dadurch Wälder entstehen, die besonders gut an ihren Standort angepasst sind und mit dem Klimawandel besser zurechtkommen als von Menschenhand aufgeforstete Regionen.

Es geht dabei um durchaus beachtliche Flächen, wie Ökologen der Universität Hohenheim in Stuttgart jetzt analysierten, die das Phänomen in ihrem Projekt "Sponforest" untersuchen. Seit 1950 haben danach die Waldareale in Europa um rund 300.000 Quadratkilometer zugenommen, das entspricht der Größe Italiens. Und sie wachsen weiter.

Die Chancen der "passiven Wiederherstellung der Landschaft" – Europa war einmal zu 80 Prozent bewaldet – seien bisher nur wenig beachtet worden, so die Forscher. Das soll Sponforest nun ändern. Untersucht werden dazu fünf Landschaften in Frankreich und Spanien – von der Metropolregion Barcelona bis zu dünn besiedelten Bergregionen.

Naturskepsis

Und warum wurde der "Wildwuchs" bisher nicht recht ernst genommen? Ein Grund könnte darin liegen, dass die neuen Wälder in einigen Ländern alles andere als gut angesehen sind.

In Zentralspanien zum Beispiel stehen laut den Hohenheimer Forschern große Teile der Bevölkerung der Wiedereroberung der Flächen durch die Natur skeptisch gegenüber. Der Wildwuchs ist für sie ein Symbol des wirtschaftlichen Niedergangs.

Joachim Wille ist Chefredakteur des Online-Magazins Klimareporter°.

In Frankreich hingegen gibt es Gebiete, in denen bereits die ersten Bäume auf diesen Flächen gefällt und verkauft wurden. Hier sei die Akzeptanz wesentlich höher.

Schade, dass die Lage in Deutschland nicht untersucht wird. Man hätte doch zu gerne gewusst, was die Leute hier vom Wildwuchs halten.

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