Unter drei Anteilseigner:innen nur eine Frau

Ähnlich wie in der gesamten Energiewirtschaft sind Frauen auch in der Bürgerenergie-Bewegung deutlich unterrepräsentiert. Vorläufige Ergebnisse einer Befragung von Bürgerenergiegesellschaften in Japan und Deutschland zeigen: Nur ein Drittel der Anteilseigner:innen sind Frauen.


Energiebürger
Energiebürgerinnen kommen, aber noch zu langsam. (Foto: Daniel Förderer)

In der Energiewirtschaft sind Frauen in Führungsposition geradezu eine Seltenheit. Laut einer im April 2018 vom Beratungsunternehmen PwC durchgeführten Untersuchung lag der Frauenanteil zu der Zeit bei rund zwölf Prozent – also sieben von acht Posten waren von Männern besetzt.

Auch bei den erneuerbaren Energien sind Frauen noch weit in der Minderheit. So haben sie laut einer Statistik der internationalen Erneuerbaren-Agentur Irena in der Windkraftbranche nur ein Fünftel der weltweit 1,2 Millionen Arbeitsplätze inne.

Etwas anders sieht es bei Bürgerenergiegesellschaften aus. Laut einer Studie in Nordrhein-Westfalen und in der japanischen Präfektur Fukushima ist dort jede dritte Anteilseigner:in eine Frau. Dennoch sind Frauen auch hier noch klar unterrepräsentiert.

Ergebnisse der Studie wurden letzte Woche auf dem fünften Internationalen Bürgerwind- und Bürgerenergie Symposium vorgestellt. Titel der Veranstaltung: "Männer und Frauen in der Bürgerenergie – Vielfalt oder Einfalt". Die vollständige Studie soll im Frühsommer veröffentlicht werden.

Befragt wurden mehr als 50 Bürgerenergiegesellschaften in Deutschland und Japan, dort insbesondere aus der japanischen Präfektur Fukushima. Sie ist die Partnerpräfektur von NRW in Japan. Als Folge des Atomunfalls vor zehn Jahren waren in der Region besonders viele Bürgerenergie-Initiativen entstanden.

Japanische Bürgerenergie-Organisationen sind zudem seit vielen Jahren enge Partner der World Wind Energy Association (WWEA), die die Studie in Kooperation mit dem nordrhein-westfälischen Landesverband Erneuerbare Energien (LEE NRW) ausführt.

Die bisherigen Ergebnisse zeigen laut LEE NRW, dass auch Menschen mit Zuwanderungsgeschichte sowie Personen mit geringem Einkommen in Bürgerenergiegesellschaften unterrepräsentiert sind. Besonders häufig vertreten seien hingegen ältere Männer mit höherem Bildungsgrad, die sich im Ruhestand befinden.

Zwischen Japan und Deutschland macht die Studie aber auch sichtliche Unterschiede aus. So liegt hierzulande der Frauenanteil in Bürgerenergiegesellschaften insgesamt bei 29 Prozent, in der Hälfte der japanischen Gesellschaften aber bei unter zehn Prozent. Während die Vorstände deutscher Bürgerenergiegesellschaften zu 35 Prozent aus Frauen bestehen, findet sich im Management von fast der Hälfte der japanischen Bürgerenergiegesellschaften keine einzige Frau.

"Mehr Frauen heißt mehr Expertise"

In größeren Bürgerenergiegesellschaften sind dabei laut Studie tendenziell mehr Frauen vertreten. Für Deutschland gilt zudem, dass der Frauenanteil bei Solarenergie-Gesellschaften im Schnitt höher ist als bei reinen Windenergie-Projekten. Auch habe bisher nur ein kleiner Teil der Bürgerenergiegesellschaften in Deutschland und Japan damit begonnen, die Beteiligung von Frauen aktiv zu fördern.

Für Madeline Bode vom LEE NRW müssen Bürgerenergie-Projekte, um erfolgreich zu sein, aus der Mitte der Gesellschaft kommen und alle Bürger:innen mitnehmen. "Das müssen sowohl die Bürgerenergiegesellschaften als auch die Politik anerkennen und stärker berücksichtigen", sagte sie. WWEA-Generalsekretär Stefan Gsänger forderte, Frauen, die in der Klimabewegung ja besonders involviert seien, stärker in die Bürgerenergie einzubeziehen.

Für eine erfolgreiche dezentrale Energiewende werde die gesamte Gesellschaft gebraucht, also auch viel mehr Expertinnen, Energiemanagerinnen, Aktivistinnen, Investorinnen, Verbraucherinnen und Produzentinnen, sagte Katharina Habersbrunner, Vorstandssprecherin beim Bundesverband Bürgerenergie (BBEn).

"Mehr Frauen heißt mehr Expertise, mehr Power, mehr Engagement, mehr Teilhabe, mehr Gerechtigkeit", betonte Habersbrunner. "All das brauchen wir für eine transformative Energiewende."

Der BBEn hatte erst kürzlich gemeinsam mit der Organisation Women Engage for a Common Future (WECF) die Publikation "Frauen. Energie. Wende!" vorgelegt. Diese zeige, so das Bündnis, warum es eine geschlechtergerechte Energiewende brauche. In der Publikation geht es um die strukturellen Widerstände, die vor allem Frauen in Deutschland bewältigen müssen, um ein erneuerbares und gerechtes Energiesystem mitzugestalten.

Das Bündnis Bürgerenergie nennt hier auch Zahlen, die allerdings die Situation im Jahr 2015 wiedergeben. Damals habe der Mitgliederanteil der Frauen in den Bürgerenergiegemeinschaften in Deutschland im Schnitt bei 31 Prozent gelegen.

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