Corona ist die Axt im Wald

Es wird mehr gerodet während der Coronakrise. Eine Studie der Umweltstiftung WWF zeigt, wer die Weltmeister im Abholzen sind. Eine Pandemie ist eben kein Klimaschutz-Instrument. 


Wald im Nebel
Wald auf der Insel Bali: Indonesien liegt beim Corona-Kahlschlag der Wälder auf Platz eins. (Foto: justps2/Pxhere)

Corona hilft dem Klima? Stimmt schon, einerseits. Weniger Flüge, mehr Homeoffice und so weiter. Das ist aber nur eine Atempause für die Erdatmosphäre und bald sowieso wieder Geschichte, wenn es so läuft wie nach der Finanzkrise 2008.

Damals sollte die Schornsteine schnell wieder so rauchen wie vorher und das taten sie auch. Sogar noch mehr.

Eine Pandemie ist kein Klimaschutz-Instrument, das weiß inzwischen jeder. Das stimmt umso mehr, wenn man die Folgen von Corona für den Waldverlust in den Tropen betrachtet.

Dieser ist wegen der Covid-19-Ausbreitung nämlich sogar massiv angestiegen, wie eine aktuelle Untersuchung der Umweltstiftung WWF ergab. Danach nahm die Waldzerstörung in 18 untersuchten Ländern im Monat März im Schnitt um 150 Prozent zu, wenn man mit dem Vorjahresmonat vergleicht. Allein in diesem einen Monat verschwanden rund 645.000 Hektar Tropenwald. Das entspricht etwa der siebenfachen Fläche Berlins.

Übrigens steht nicht Brasilien an der Spitze dieser unrühmlichen Hitliste. Das könnte man vermuten, weil Präsident Jair Bolsonaro den Amazonas-Regenwald dort zunehmend für die ökonomische Entwicklung, sprich Vernichtung, öffnet.

Nein, den größten Verlust verzeichnen die Umweltschützer in Indonesien mit über 130.000 Hektar, gefolgt von der Demokratischen Republik Kongo (100.000 Hektar). Brasilien kommt mit 95.000 Hektar "erst" auf Platz drei.

Waldschützer im Homeoffice

Aber wie hängen Entwaldung und Corona miteinander zusammen? Der WWF erklärt das so: In vielen Ländern habe sich der Staat während des Lockdowns aus dem Waldschutz zurückgezogen. Die Folge: Illegale Holzeinschläge und die Plünderung anderer Ressourcen nahmen zu.

Joachim Wille ist Chefredakteur des Online-Magazins Klimareporter°.

Polizei, Ranger und andere staatliche Kontrolleure sind danach deutlich weniger präsent, und auch viele Mitarbeiter von Nichtregierungsorganisationen sitzen im Homeoffice fest. Freie Bahn für den illegalen Raubbau.

Doch das ist offenbar nicht das einzige Problem. Der WWF berichtet: Vielerorts hätten durch Corona wegbrechende Einkommen etwa im Tourismus die Menschen in eine schwierige Lage gebracht. Sie seien ihre Heimatdörfer zurückgekehrt und nutzten den Wald dort nun verstärkt, etwa um Brennholz zu gewinnen oder Holz zu verkaufen.

Wer also noch ein weiteres Argument sucht, um den Covid-19-Klimaschutz abzulehnen: Das war eines.

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