Nicht alles ist Gold, was grün glänzt

Die Pleite des Windanlagen-Finanziers Prokon gilt bis heute als Lehrstück für Sparer. Auch bei gut gemeinten Geldanlagen gilt die alte Regel: Wo Chancen sind, sind auch Risiken. Um sie zu erkennen, gibt es einige Anhaltspunkte.


Grafik: Eine Pflanze wächst aus einem Haufen Geldscheine
Grafik: Kristin Rabaschus

Die Pleite des Windunternehmens Prokon schreckte die selbstgefällige Grün-Geld-Branche vor Jahren heftig auf.

Gewagte Kapitalmarktgeschäfte, Verschwendung von Ressourcen und eine wüste Geschäftsführung führten dazu, dass der milliardenschwere Öko-Konzern überraschend Insolvenz anmelden musste. Gemessen an der Zahl der Gläubiger war es die wohl größte Pleite in der deutschen Wirtschaftsgeschichte.

Der "Öko-Pionier" Carsten Rodbertus hatte Prokon 1995 in der norddeutschen Kleinstadt Itzehoe gegründet. In grünen und linken Milieus galt der Zopfträger lange als charmanter Charismatiker mit Sachverstand. Damals, vor einem Vierteljahrhundert, war Windenergie noch kein von Staat und Verbrauchern hoch subventionierter Selbstgänger bei Banken und Anlegern.

Dank eines kostspieligen Werbefeldzuges vor allem in großen Städten – so klebte gefühlt jahrelang in allen Hamburger U-Bahn-Waggons eine Prokon-Reklame – konnte der gelernte Industriekaufmann bei hunderttausend Kleinanlegern und anderen Gläubigern einen Milliardenbetrag einsammeln.

Mit dem Versprechen hoher Renditen brachte er seine Geldgeber dazu, insgesamt rund 1,4 Milliarden Euro bei ihm für "sauberen Strom" anzulegen.

Im Mai 2014 platzte dann die Blase: Das Insolvenzverfahren über die zahlungsunfähige Prokon Regenerative Energien GmbH wurde eröffnet. Neben Dutzenden Windparks gehörten mittlerweile auch rumänische Wälder und Beteiligungen in Finnland zum Imperium.

Ob sich Rodbertus wirtschaftlich übernommen hatte – die Buchhaltung galt Beobachtern als desolat – oder ob der vermeintliche Öko-Pionier kriminelle Energien auslebte, ist umstritten.

Als Geschäftsführer und Gesellschafter war Rodbertus dann raus aus der Firma. Staatsanwälte ermittelten. Zu einer Anklage kam es aber offenbar bis heute nicht.

Zehntausende Anleger kämpften damals ums Überleben des gesunden Prokon-Kerns. Sie trafen sich zu mehreren Versammlungen in den Hamburger Messehallen.

Zur Auswahl standen drei Modelle: Prokon wird abgewickelt, wird vom baden-württembergischen Energiekonzern EnBW übernommen oder die GmbH wandelt sich zu einer Genossenschaft.

Ergebnis: Die notwendige Mehrheit der Gläubiger verzichtete auf Teile ihres Geldes und gründete eine Genossenschaft.

Die Prokon Regenerative Energien e.G., weiterhin mit Sitz in Itzehoe, ist nach eigenen Angaben heute die größte Energiegenossenschaft in Deutschland mit über 39.000 Mitgliedern. Das Unternehmen verfügt über 365 eigene Windenergieanlagen in Deutschland und Polen und vermarktet seinen Windstrom teils selber.

Vorsicht auch bei Grün-Geld-Anlagen

Rodbertus hatte seine Anleger mit hochverzinslichen Genussscheinen angelockt. Was bis zur Insolvenz nur wenigen Sparern bewusst gewesen sein dürfte: Genussscheine sind, rechtlich betrachtet, unternehmerische Beteiligungen. Sie gelten unter Experten daher als grundsätzlich riskant.

Gläubiger haben in ähnlichen Fällen auf hohe Millionenbeträge verzichtet, um eine Insolvenz abzuwenden. So sahen bei dem Solarmodul-Hersteller Solarworld über 90 Prozent der Anleger von einer Kündigung ab.

Doch immer wieder kam es in der Grüngeld-Szene zu selbst verursachten wirtschaftlichen Dramen – von dem lange glorreichen Vorreiter der Szene, der "linken" Ökobank – sie wurde 2003 von der GLS Gemeinschaftsbank übernommen – über die dubiose Göttinger Gruppe bis zum euphorischen Projektentwickler von Meereswindparks namens Windreich.

Auch bei gut gemeinten Geldanlagen gilt die alte kapitalistische Regel: Wo Chancen sind, sind auch Risiken. Das gilt besonders für Genussscheine, aber auch für Genossenschaftsanteile und für andere direkte Beteiligungen an Unternehmen, Aktien beispielsweise.

Verbreitet sind weiterhin Beteiligungen an "geschlossenen" Fonds und Kommanditgesellschaften (KG). Bei diesen beteiligen sich Sparer meist über viele Jahre als Kommanditisten an Solar- oder Windparks.

Ein Kommanditist ist ein Gesellschafter, der nichts zu sagen hat, aber zumindest mit seiner Geldeinlage haftet. Den Kommanditisten werden von den Fondsbetreibern hohe Renditen in Aussicht gestellt.

"Was gut klingt, ist ziemlich riskant", warnt die Stiftung Warentest. Aus zwei Gründen: Während der langen Laufzeiten sind Anteile am Fonds nahezu unverkäuflich. Und ob sich die Investition unterm Strich wirklich lohnt, entscheidet sich erst am Ende der Laufzeit und hängt bis dahin von vielen Unbekannten ab.

Nun sind geschlossene Fonds ein wenig aus der Mode gekommen. Entwarnung für grüne Anlage-Amateure bedeutet das aber nicht.

Geld in Sachwerte wie Niedrigenergiehäuser, Solarmodule oder die Aufforstung des Tropenwaldes anzulegen, mag eine gute Sache sein. Sehr genau prüfen sollte man allerdings solche Angebote, wenn dabei eine "attraktive Verzinsung" von drei Prozent und mehr angeboten wird.

Das sind Profi-Renditen, bei denen Investoren, Fondsgesellschaften oder Versicherer sofort einsteigen würden – wenn das Projekt sicher kalkuliert wäre. Womit die Finanzierung dann ja in Nullkommanichts stehen würde. Wozu sollte also ein Initiator mühsam Aberhunderte Kleinanleger einwerben?

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