Nestlé setzt auf klimaneutrales Geschäft

Ende August verkündeten mehr als 100 deutsche Digitalunternehmen ihre Absicht, klimaneutral zu werden. Die imageträchtige Idee übernimmt jetzt auch der Nahrungsmittel-Multi Nestlé.


Hunderte gebrauchter Kaffeekapseln auf einem Recyclinghof.
Nestlés Kaffeekapseln sind aus Alu oder Plastik und können heute schon wiederverwertet werden, doch oft landen sie im Müllofen oder vergammeln irgendwo. (Foto: Adrian Michael/​Wikimedia Commons)

Eine deutliche Verschärfung seiner Klimaschutz-Anstrengungen hat jetzt der Nahrungsmittel-Multi Nestlé angekündigt. Das Unternehmen mit Hauptsitz in der Schweiz will danach ab 2050 komplett "klimaneutral" produzieren und sich am 1,5-Grad-Limit des Pariser Klimavertrags orientieren. Es folgt damit anderen Unternehmen weltweit und auch in Deutschland.

Bisher hat sich der Konzern nach eigenen Angaben am Zwei-Grad-Ziel ausgerichtet. Das ist zwar ebenfalls vom Paris-Abkommen gedeckt, reicht aber nach neuen Erkenntnissen des Weltklimarates IPCC nicht mehr aus, um das Auslösen von Kippelementen des Klimas einigermaßen sicher zu verhindern.

Einen detaillierten Plan, um den 1,5-Grad-Pfad in der eigenen Produktion umzusetzen, will Nestlé aber erst in zwei Jahren vorlegen.

Der Konzern kündigte an, sich der Initiative "Business Ambition for 1.5 °C" anzuschließen, die bereits von mehr als zwei Dutzend großen Unternehmen, darunter Unilever, SAP und Zurich Insurance, unterstützt wird. Die Initiative zielt auf den kommenden Klima-Sondergipfel bei UN-Generalsekretär António Guterres am 23. September, zu dem die Staats- und Regierungschefs weltweit eingeladen sind.

Nestlé-Chef Mark Schneider bezeichnete den Klimawandel als "eine der größten Gefahren", die die Gesellschaften bedrohten, aber auch "die Zukunft unseres Geschäfts".

Nestlé ist der weltgrößte Produzent von Nahrungsmitteln mit einem weltweiten Umsatz von umgerechnet 83 Milliarden Euro (2018) und rund 310.000 Mitarbeitern. Das Unternehmen ist in fast allen Ländern der Welt aktiv und betreibt 447 Produktionsstätten.

Für umstrittene Geschäftspraktiken in der Kritik

Nestlés Geschäftspolitik stand in der Vergangenheit immer wieder in der Kritik, unter anderem wegen Vorwürfen der Ausbeutung von Wasserquellen, Regenwaldzerstörung und Vermüllung durch Verpackungen.

Kürzlich bekam Nestlé von der Öko-Organisation Deutsche Umwelthilfe (DUH) den Negativpreis "Goldener Geier" für die laut DUH "unsinnigste Einweg-Plastik-Verpackung 2019" verliehen, in der Nestlé Deutschland das Mineralwasser Vittel über mehrere hundert Kilometer aus Frankreich importiert, während am Quellort das Trinkwasser knapp wird.

Covering Climate Now

Klimareporter° beteiligt sich wie rund 250 andere Zeitungen und (Online-) Magazine weltweit an der Initiative "Covering Climate Now". Die teilnehmenden Medien verpflichten sich, vor allem in der Woche vor dem New Yorker UN-Klimagipfel am 23. September über die Klimakrise zu berichten. Wir freuen uns über die Bewegung in der Medienlandschaft. Klimaschutz braucht guten und kritischen Journalismus.

Der Konzern kündigte in seiner Klimastrategie an, alle Produktionsstätten, Büros und Geschäfte auf 100 Prozent Ökostrom umzustellen, bisher sei das bei einem Drittel der Fall. Die von Nestlé erworbenen Herkunftsnachweise für den Grünstrom sind allerdings bei Klimaschützern umstritten.

Landwirten will der Konzern mit zusätzlichen Programmen bei der Umstellung auf bodenschonenden Ackerbau helfen, der mehr CO2 in den Böden speichern soll. Zudem will Nestlé Waldschutz-Maßnahmen und Wiederaufforstungen fördern.

Verpackungen von Nestlé-Produkten sollen ab 2025 vollständig wiederverwertet oder wiederverwendet werden können. Um das voranzubringen, hat der Konzern ein eigenes Verpackungs-Institut gegründet. Unter anderem arbeitet es daran, Plastik durch Papier zu ersetzen.

Ziel der Maßnahmen ist aber auch die Produktpalette. Künftig wolle Nestlé mehr Produkte anbieten, die einen "besseren ökologischen Fußabdruck" haben und zu einer ausgewogenen Ernährung beitragen, hieß es.

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