UN-Chef setzt Klimaneutralität 2050 als Klimaschutz-Minimum

UN-Generalsekretär António Guterres hat alle Regierungen aufgefordert, das Ende der Treibhausgasemissionen für spätestens 2050 zu planen.


Antonio Guterres
UN-Chef António Guterres will Mindestanforderungen dafür setzen, was als ambitionierter Klimaschutz gilt. (Foto: Chatham House/​Flickr)

Der erste Praxis-Test des Paris-Abkommens beginnt: Am 23. September sollen die Staaten auf einem Gipfel in New York zum ersten Mal konkrete Verbesserungen ihrer Klimaziele für 2030 vorstellen.

UN-Generalsekretär António Guterres hat den Regierungen jetzt in einem Brief klare Mindestanforderderungen dafür gesetzt. Auf einem Vorbereitungstreffen für den New Yorker Gipfel im Juni hatten sie sich darüber gestritten, ob es solche Richtlinien geben sollte, und waren zu keiner Einigung gekommen.

Laut dem britischen Online-Magazin Climate Home News hat Guterres die Regierungen dazu aufgefordert, ihre Klimaziele für 2030 mindestens so zu setzen, dass sie auf Klimaneutralität spätestens im Jahr 2050 hinauslaufen. Das Wort des UN-Chefs ist nicht bindend für die Staaten – steht nun aber als Messlatte im Raum.

Guterres hat sich das Jahr nicht einfach ausgedacht: Es ergibt sich aus einem Sonderbericht des Weltklimarats zu dem Ziel im Paris-Abkommen, die Erderwärmung bei 1,5 Grad gegenüber vorindustriellen Zeiten zu halten. Wenn die Welt eine 50-prozentige Chance haben will, das zu schaffen, muss sie laut Bericht bis 2050 klimaneutral sein.

Klimaneutralität

Klimaneutral bedeutet nicht unbedingt, dass gar keine Treibhausgase mehr freigesetzt werden. Stattdessen soll ihre Menge höchstens dem entsprechen, was Bäume oder Moore wieder aufnehmen. Die Rede ist deswegen auch von "netto null" Emissionen. Umstritten ist, inwiefern dafür Technologien eingesetzt werden dürfen, die der Atmosphäre Treibhausgase künstlich entziehen.

Bisher hat sich nur eine Handvoll Industriestaaten dazu verpflichtet. Deutschland ist offiziell noch nicht darunter, Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich aber schon einer Initiative Frankreichs angeschlossen, die für die Klimaneutralität ab 2050 steht.

Viele Entwicklungsländer – und mit ihnen zahlreiche Nichtregierungsorganisationen – argumentieren, dass sie länger Zeit bekommen sollten als die reichen Staaten. Sie finden die 2050er-Marke entsprechend zu spät für Industrieländer. Große Player wie China weigern sich deshalb bisher, sich selbst ein solches Ziel zu setzen.

Der Gipfel in New York gilt als wegweisend für den global organisierten Klimaschutz: Die freiwilligen Selbstverpflichtungen der Staaten zum Klimaschutz und ihre allmähliche Verschärfung ergeben zusammen das Herzstück des Paris-Abkommens. Ein Klimavertrag, der den Staaten feste Vorgaben gemacht hätte, war im Vorfeld gescheitert.

Prinzip Freiwilligkeit

Was die Staaten zum Paris-Abkommen als Klimaziele auf den Tisch gelegt haben, reicht aber vorne und hinten nicht aus. Selbst eine vollständige Erfüllung aller dieser Ziele würde auf eine um drei bis vier Grad wärmere Atmosphäre hinauslaufen.

Weil das abzusehen war, haben sich die Staaten in Paris darauf geeinigt, ihre Klimaziele alle fünf Jahre zu überprüfen und zu aktualisieren. Die Hoffnung: Wenn einige Staaten vorangehen, werden die anderen nach und nach mitmachen. Staaten, die sich nicht daran halten, würden irgendwann an Ansehen verlieren oder müssten gar mit wirtschaftlichen Sanktionen rechnen. Das Paris-Abkommen selbst sieht keine Konsequenzen für Staaten vor, die sich nicht oder zu wenig am Klimaschutz beteiligen.

Der erste Termin für neue und verbesserte Klimaziele ist das kommende Jahr. Soll das Kalkül aufgehen, müsste also zumindest das Vorangehen jetzt beginnen – das ist es, was Guterres mit dem New Yorker Gipfel erreichen will.

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