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Herr Ministerpräsident: Retten Sie Kettcar!

Die Pleite von Kettcar ist insofern von kaum zu unterschätzender Bedeutung, als die Firma möglicherweise als Ausrüster der deutschen Formel Eins infrage gekommen wäre. Jedenfalls dann, wenn das Rennwesen insgesamt auf Klimaneutralität und Veganismus umgestellt werden sollte.


Drei Kettcar auf grünem Rasen
Drei Kettcar-Exemplare auf grünem Rasen. (Foto/​Ausschnitt: Falco/​Pixabay)

In der deutschen Automobilwirtschaft häufen sich die Berichte von Entlassungen und sogar Pleiten. Jüngst erschütterte eine Meldung die Wirtschaftswelt, wonach der nordrhein-westfälische Kettcar-Hersteller Kettler vor dem endgültigen Aus stehe und voraussichtlich Anfang nächsten Jahres die Produktion einstellen muss.

Nach den Hiobsbotschaften aus dem Hause Bosch und anderen Autozulieferern wieder ein Tiefschlag für die deutsche Schlüsselindustrie!

Ich hielt Kettcar immer für ein angelsächsisches Unternehmen, musste mich aber von Wikipedia darüber belehren lassen, dass sich der Markenname aus dem Familiennamen des Gründers Heinz Kettler ableitet, der 1962 ein "antriebsloses Tretauto" für Kinder nach dem Vorbild der beliebten Seifenkisten auf den Markt gebracht hatte. Kettcar wurde, wie Tempo oder Uhu, zum Duden-fähigen Gattungsnamen für solcherlei Gefährte.

Die Pleite von Kettcar ist insofern von kaum zu unterschätzender Bedeutung, als die Firma möglicherweise als Ausrüster der deutschen Formel Eins infrage gekommen wäre. Jedenfalls dann, wenn das Rennwesen insgesamt auf Klimaneutralität und Veganismus umgestellt werden sollte.

Vorreiter dieser Bewegung ist der fünffache Formel-Eins-Weltmeister Lewis Hamilton, der gerade angekündigt hat, er wolle schon in Kürze CO2-neutral leben und sein Haus zur plastikfreien Zone machen. Auch sein Mercedes-Team solle bald ohne das Klimakillergas auskommen.

"In der Kantine versuchen wir, Plastik zu vermeiden. Das Wasser haben wir in biologisch abbaubare Flaschen gefüllt." Er sei zudem dabei, seinen privaten Fuhrpark stärker auf Elektroautos umzurüsten, und versuche seinen Arbeitgeber zum Verzicht auf Lederausstattung zu überzeugen.

Kritik an Hamiltons überraschendem Öko-Bekenntnis kam von seinem Teamkollegen und Rivalen Fernando Alonso. Als Formel-Eins-Fahrer müsse man zweihundertmal im Jahr fliegen. "Dann kann man anderen nicht erzählen: 'Esst kein Fleisch.'"

Vegane Burger und Schnee vom letzten Jahr

Ich glaube, dass man als Formel-Eins-Fahrer auch im normalen Rennbetrieb gelegentlich größere Mengen CO2 ausstößt, kann mich aber irren. Immerhin bringt es so ein Bolide laut Bild auf einen Durchschnittsverbrauch von 43 Litern pro 100 Kilometer. Getankt werden dürfen laut Regelwerk 135 Liter Sprit, das muss für die zu bewältigende Distanz reichen.

Foto: Monika Höfler

Georg Etscheit

lebt als Autor und Journalist in München – und regt sich leidenschaftlich gern über die kleinen und großen Stressmomente des Alltags auf.

Aber vielleicht war das alles ja auch nur eine geschickte PR-Aktion für die vegane Burger-Kette, die Hamilton in London etablieren will – ein erstes Restaurant ist bereits eröffnet worden.

Ich enthalte mich deshalb eines weitergehenden Kommentars, wie ich auch nichts sagen will zu der etwas spacig wirkend Schneepiste, die die Kitzbühler Bergbahnen zum "Saisonstart" auf der noch braungrünen Resterhöhe angelegt haben.

Das weiße Band der Antipathie hat viel erwartbaren und wohl auch erhofften Medienwirbel produziert. Die Tiroler Grünen kritisierten den "Skitourismus mit der Brechstange" und nannten die Aktion der Kitzbühler Bergbahnen "grotesk" in Zeiten der Klimakrise.

Die Bergbahnen argumentierten, der Schnee für die Piste stamme aus der letzten Saison und sei klimafreundlich unter einer weißen Plane übersommert worden, außerdem müssten die Skifans jetzt nicht mehr so weit fahren, um in die Gletscherskigebiete der Hochalpen zu kommen.

Armin Laschet muss handeln

Apropos fahren: Lewis Hamilton bekam auch Unterstützung aus dem Lager der harten Formel-Eins-Jungs. Sebastian Vettel sagte beispielsweise, man wäre ignorant, wenn man sich das Thema nicht anschauen würde. Im September war der Formel-Eins-Pilot zum Großen Preis von Monza mit dem Zug angereist, um CO2 zu sparen.

Dann gab es noch den unbelehrbaren Red-Bull-Fahrer Max Verstappen, der meinte, die Benzin-Aficionados sollten sich nicht wie "Drama-Queens" verhalten. Wem die Formel Eins nicht gefalle, der solle eben nicht einschalten. Was immerhin den Strom fürs Fernsehen sparen würde.

Ich halte es für absolutes Politikversagen, wenn in diesen Zeiten ein Traditionsunternehmen wie Kettler einfach abgewickelt wird. Tretautos sind die Zukunftstechnologie, nicht nur für die Formel Eins, sondern für die individuelle Mobilität insgesamt, weil Elektroautos in Sachen Umweltschutz bekanntermaßen nicht das Ei des Kolumbus sind. Wer mit dem Kettcar von München zum Skivergnügen nach Kitzbühel fahren muss, überlegt sich das zweimal!

Ich fordere die nordrhein-westfälische Landesregierung auf, alles zu tun, um das Unternehmen vor dem Untergang zu bewahren. NRW-Ministerpräsident Armin Laschet könnte jetzt zeigen, dass er es mit dem Klimaschutz ernst meint.

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