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Wo ist nur das Wasser hin?

Im Bodensee kommen die Sandbänke ans Licht, stellenweise könnte man bald mitten im See stehen. Eine Ursache: mehr Verdunstung. Da geht es dem See nicht anders als den 1,4 Millionen anderen Binnenseen weltweit.


Blick vom Ufer über den Bodensee, in Ufernähe ist der aus runden Steinen bestehende Grund im sehr flachen Wasser gut zu erkennen.
Der Bodensee ist an einer Stelle 250 Meter tief, aber in weiten Bereichen flach. (Foto: Lars Nissen/​Pixabay)

Abkühlung im Wasser? Endlich mal wieder Boot fahren? Etwa im "schwäbischen Meer", dem Bodensee? In diesen Tagen nicht so einfach. Wieder mal.

Es herrscht Ebbe in Deutschlands größtem Gewässer. Der niedrige Wasserstand lässt nach und nach Sandbänke ans Licht kommen, stellenweise könnte man bald mitten im See stehen. Bootsbesitzer mussten ihre Boote an Land holen.

Der Pegelstand beträgt in Konstanz nur noch knapp 3,30 Meter. Vom Niedrigwasser-Rekord ist der See nur noch gut zehn Zentimeter entfernt. Die Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg schätzt, der bisher niedrigste Wert von 3,17 Metern, gemessen 1876 und 1949, könnte über kurz oder lang sogar unterschritten wird, falls es weiter so wenig regnet.

Doch noch ein anderes Phänomen spielt hier mit – und genauso in praktisch allen Seen weltweit. Ein Forschungsteam der Texas A&M University hat jetzt herausgefunden, dass sich die Wasserverdunstung aus den mehr als 1,4 Millionen Binnenseen, die es weltweit gibt, in den letzten Jahrzehnten deutlich erhöht hat.

Das verdampfte Volumen macht laut der Studie zwar weniger als ein Prozent des in allen Seen gespeicherten Wassers aus, entspricht aber doch dem Dreißigfachen der Bodensee-Wassermenge. Und seit 1985 nahm das Volumen, das verdunstet, pro Jahr im Schnitt um etwa drei Kubikkilometer zu – das entspricht der Menge im Starnberger See.

Die wahrscheinlichsten Gründe für diese Zunahme: der Anstieg der Lufttemperatur sowie der Rückgang der winterlichen Eisbedeckung, die beide die Verdampfung anheizen, so das Team um die Hydrologin Huilin Gao.

Die Phänomene sind, man ahnt es, vor allem auf den Klimawandel zurückzuführen, der den hydrologischen Zyklus verstärkt: Es gibt mehr Verdunstung und in der Folge auch mehr Niederschläge.

Dass das zusätzlich verdunstete Wasser irgendwann auch wieder auf die Erde herunterkommen muss, ist dabei nur ein kleiner Trost. Denn dass das am richtigen Ort, zur richtigen Zeit und in der richtigen Dosierung passiert, um die Defizite auszugleichen, ist höchst unwahrscheinlich. Eher ist es so, dass sich die Extreme von Trockenheit und Hochwasser verstärken.

 Joachim Wille ist Chefredakteur des Online-Magazins Klimareporter°.

Abkühlung, Boot fahren? Wer das bisher vom Bodensee garantiert sah, muss sich wohl umstellen. Zum Glück kann man umsteigen, es gibt da auch Schwimmbäder und Radwege. Aber ob es dasselbe ist?

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