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Waldbrände: Teufelskreis aus Klima- und Umweltkrise

Die Waldbrände in Südwest-Europa haben dieses Jahr die doppelte Fläche des Saarlands verschlungen. Eine neue Studie untersucht, was zu dem ungewöhnlichen Ausmaß der Brände geführt hat, und wagt einen Blick in die Zukunft. Einige Ergebnisse erscheinen zunächst paradox.


Stark qualmender Waldbrand in Sibirien.
Waldbrände setzen große Mengen CO2 frei. (Foto: A. T. Doron/​Wikimedia Commons)

Extrem – für kaum ein Jahr verwendeten Klimawissenschaftler:innen dieses Wort so häufig wie für dieses. Neben diversen meteorologischen Rekorden ist es die weltweite Häufung von Extremwetterereignissen, die das Jahr 2022 hervorstechen lässt.

Trockenperioden und Waldbrände sind die Extremereignisse, unter denen Südeuropa am stärksten leidet. Dabei sind die sogenannten feuerabhängigen Ökosysteme am Mittelmeer durchaus an Feuer angepasst.

Waldbrände sind nicht nur Unheil, sondern erfüllen eine wichtige Funktion in diesen Ökosystemen. So setzen sie Nährstoffe frei und schaffen Raum für eine ökologische Verjüngung.

Einige Pflanzenarten sind sogar auf die Brände angewiesen. Verschiedene Kiefernarten und auch die Zistrosen benötigen Feuer, damit sich die Zapfen öffnen beziehungsweise die Samen auskeimen können.

Brennt es allerdings zu häufig oder auf zu großen Flächen, wirkt sich das negativ auf die Ökologie aus – und auf die Ökonomie. Das war in der Feuersaison 2022 der Fall.

In Portugal, Spanien und Frankreich verbrannten fast 470.000 Hektar. Das entspricht knapp zweimal der Fläche des Saarlands.

Damit überstieg die Brandfläche den Durchschnitt der Jahre 2000 und 2021 um das Dreifache. Im Südwesten Frankreichs war das Ausmaß der Feuer besonders ungewöhnlich. Die verbrannte Fläche entsprach dem 52-Fachen des 20-jährigen Mittels.  

Natürliche Waldbrände wurden unterdrückt

Was zu den Rekordbränden geführt hat und welche Schlussfolgerungen daraus gezogen werden können, hat jetzt ein internationales Forschungsteam untersucht und die Ergebnisse im Fachjournal Science of The Total Environment veröffentlicht.

Für ihre Studie nutzten die Autor:innen Daten des European Fire Information System (Effis) und meteorologische Fernerkundungsdaten. Anhand von Regressionsanalysen suchten sie nach Zusammenhängen zwischen den Waldbranddaten und meteorologischen Indikatoren.

Auffällig war der frühe Start der Waldbrandsaison. Für gewöhnlich beginnt die Saison im Juli. Dieses Jahr begann sie in Spanien bereits Anfang Juni und in Südfrankreich sogar schon im April.

Ursache war ein ungewöhnlich frühes Einsetzen von Hitzewellen. Der lange Zeitraum mit hohen Verdunstungsraten führte zu einer entsprechend ausgetrockneten Vegetation.

Das belegen auch die Zahlen. Laut den Wissenschaftler:innen um Marcos Rodrigues von der Universität Saragossa gab es ein extrem hohes Sättigungsdefizit. Der Begriff bezeichnet die Differenz zwischen dem tatsächlichen Wassergehalt der Luft und dem Wassergehalt, das die Luft bei der Temperatur potenziell halten könnte.

Wenn das Defizit hoch ist, entzieht die Atmosphäre der Umgebung alles verfügbare Wasser. Die meteorologischen Bedingungen führen damit zu einem Ausdörren der Vegetation.

Zu der allgemeinen Trockenheit kam ein Überangebot an Brennstoff, also abgestorbener Bäume und Laub. Geschuldet ist das einer unglücklichen Brandschutz-Politik. Diese führte zu einer Unterdrückung der natürlichen Waldbrände in den letzten Jahren, wodurch sich brennbares Material anhäufte.

Diese ungewöhnlich großen Mengen an Brennstoff, zusammen mit den extrem trockenen Bedingungen, ermöglichten extensive und nicht mehr zu kontrollierende Waldbrände. Zudem begünstigten brachliegende Agrarflächen und große Forstplantagen die Ausbreitung der Brände.

Anstelle des "traditionell schützenden Landschaftsmosaiks, das die Ausbreitung von Feuern verhinderte", wie es in der Studie heißt, werden die Plantagen und Brachflächen zu Verbindungskorridoren für das Feuer.

Rekordhitzewellen bald Normalität

Die Waldbrände schaden in erster Linie der regionalen Wirtschaft und der Bevölkerung vor Ort. Die Ökosysteme können sich meist wieder erholen. Aber auch das könnte sich in Zukunft ändern.

Denn so ungewöhnlich das gegenwärtige Jahr auch war, gemäß den Prognosen werden derartige Bedingungen immer wahrscheinlicher. Neue Untersuchungen halten es sogar für möglich, dass das, was heute als Rekordhitzewelle gilt, ab 2035 ein durchschnittlicher Sommer ist.

Irreversible Schäden an den Ökosystemen und ein Übergang der Wälder zu Busch- und Graslandvegetation wären die Folge. Um dem entgegenzuwirken, so die Autor:innen, ist Brennstoff-Management wichtig.

Das bloße Unterdrücken von Waldbränden führt am Ende zu derart extremen Feuern, wie sie dieses Jahr auftraten. Dadurch wird der Wald selbst zum Verstärker des Klimawandels. Dieser wiederum trocknet die Vegetation aus und macht größere Waldbrände wahrscheinlicher.

Ein Teufelskreis, von dem die Forscher:innen jedoch überzeugt sind, dass er durch kluges Landschaftsmanagement durchbrochen werden kann.

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