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"Es wird immer öfter in den Städten brennen"

Wie viel Klimawandel hinter den Bränden in Kalifornien steckt und wie wir uns in Zukunft besser davor schützen können, erklärt Johann Georg Goldammer, Deutschlands einziger Professor für Feuerökologie, im Interview mit Klimareporter°.


Symbolbild: Von Landschaftsbränden gefährdet sind besonders Stadtrandlagen und Streusiedlungen. In Zukunft könnten die Feuer häufiger bis in die Städte hineinreichen. (Foto: Skeeze/​Pixabay)

Klimareporter°: Herr Goldammer, wie viel Klimawandel steckt hinter den Bränden in Kalifornien?

Johann Georg Goldammer: Die Bewohner Kaliforniens setzen sich immer größeren Gefahren aus, weil sie in die Wald- und Buschgebiete, die sogenannten Chaparrals, ziehen. Das sind Gebiete die seit Jahrhunderten regelmäßig von Feuer betroffen sind, wo das Feuer sozusagen "wohnt".

In den vergangenen Jahren haben wir außerdem häufiger Feuer beobachtet, die sich über größere Distanzen über Funkenflug von Haus zu Haus ausbreiteten, ohne dass die umgebende Vegetation zur Feuerausbreitung beitrug. Insofern ist der Mensch durchaus an der Verschärfung der Lage mitverantwortlich.

Die Zeichen verdichten sich, dass die Auswirkungen des Klimawandels auf das Vorkommen extrem großer, schneller und "heißer" Landschaftsbrände in Kalifornien wichtiger werden als diese anderen menschlichen Einflüsse.

Wird die Wahrscheinlichkeit von katastrophalen Landschaftsbränden steigen?

Der Trend, den wir jetzt sehen, wird sich in den amerikanischen Westen mit unverminderter Wucht weiterentwickeln. Schon vor mehr als zwei Jahrzehnten haben Feuer- und Klimaforscher darauf hingewiesen, dass der Klimawandel dazu führen wird, dass die früher so genannte "Feuersaison" von etwa sechs Monaten – zwischen dem späten Frühjahr und Spätsommer – sich auf das ganze Jahr erweitern wird.

Diese Vorhersagen sind eingetreten. Nachdem nun die Landschaftsbrände schon seit einigen Jahren ständig andauern, wird nach und nach die nächste Stufe der Eskalation erreicht – die Feuer werden weiter angetrieben durch die zunehmende Trockenheit, den Wassermangel im Boden und die nicht selten extrem starken Winde.

Wie beurteilen Sie die Aussage von US-Präsident Donald Trump, der twitterte, man könne die Feuer mit Waldmanagement in den Griff bekommen?

Der Tweet liegt auf der Linie seiner unbesonnenen, unreflektierten und polemischen Nachrichten. Zunächst brennt es derzeit vorwiegend außerhalb des Waldes. Und auch wenn einige Baum- oder Waldbestände betroffen sind, dann sollte Donald Trump sich vorher von den Fachleuten beraten lassen, bevor er derartige Anschuldigungen in die Welt setzt.

Es ist unbestritten, dass die Forstwirtschaft der Vereinigten Staaten eine besonders ausgeprägte, professionell umgesetzte und weltweit beispielhafte Komponente des Feuer-Managements einschließt. Trump setzt das unkontrolliert besiedelte Feuerökosystem Chaparral gleich mit einem nachhaltig bewirtschafteten oder einem unter Natur- oder Landschaftsschutz stehenden Wald oder Nationalpark.

Er hat sich nicht von seiner Forstverwaltung – dem US Forest Service – beraten lassen, einer Behörde, die vor ihrer Einrichtung im Jahr 1905 durch deutsche Forstleute unterstützt wurde. Die Mitarbeiter des Forest Service arbeiten professionell und sind aus meiner Sicht häufig konservativ und patriotisch. Mit seinem Tweet wird er viele politische Unterstützer verlieren.

Im Klartext steht hinter Trumps Aussage seine fixe Idee, den in öffentlicher Hand befindlichen Wald und die Nationalparks zu privatisieren und der wirtschaftlichen Verwendung freizugeben. Seinen Tweet kann man getrost in den täglich größer werden Mülleimer seiner Amtsgeschichte werfen.

Foto: Klaus Sander/​GFMC

Zur Person

Johann Georg Goldammer erforscht seit den 1970er Jahren Waldbrände und deren Auswirkungen. Heute leitet er das Zentrum für Globale Feuerüberwachung (GFMC) am Max-Planck-Institut für Chemie in Freiburg, das weltweit Wald- und Buschbrände aufspürt. Goldammer lehrt außerdem als Professor für Feuerökologie an der Universität Freiburg.

Wie können die Menschen in den Städten besser vor Feuer geschützt werden?

Gefährdet sind heute die Stadtränder und die Streusiedlungen in der freien Landschaft. Aber ich wage vorauszusagen, dass sich die Landschaftsbrände zunehmend in den Innenraum der Städte bewegen werden. Die Beobachtung, dass sich große Flächenbrände von Haus zu Haus weiter ausbreiten, ist ein Signal dafür, dass die vorwiegend aus Holz gebauten Häuser in den Ballungsräumen auch Opfer der Flammen werden können.

Die Kalifornier sind gut beraten, wenn sie restriktivere und an Feuersicherheit angepasste Bauvorschriften auf den Weg bringen. All das würde natürlich bedeuten, dass man sich von Freiräumen und dem Traum vom einzeln stehenden Eigenheim verabschieden muss, die ja bislang das Wesen des Landes ausgemacht haben.

Allerdings sind die Kalifornier da nicht allein. Denken wir an die extremen Landschaftsbrände in Portugal und Griechenland im vergangenen und in diesem Jahr. Und an ein völlig unvorbereitetes Deutschland im Trockenjahr 2018. Wir müssen uns überall auf veränderte Rahmenbedingungen einstellen.

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