2018 war viertwärmstes Jahr

Besonders stark erwärmt haben sich Europa und der Nahe Osten, zeigt eine Studie. 2019 könnte indes noch wärmer werden.


Die grafische Darstellung der Rekordhitzejahre zeigt, dass sich diese ab 2005 häufen.
Rekordhitzejahre ballen sich im neuen Jahrtausend. (Grafik: Berkeley Earth)

Deutschland zählt zu den Ländern, die sich im Jahr 2018 am stärksten erwärmt haben. Um 2,4 Grad Celsius lag die Bundesrepublik über dem historischen Durchschnitt. Nur Armenien und Tschechien erwärmten sich stärker. Das geht aus einer Studie von Berkeley Earth hervor, einem 2010 gestarteten Projekt zur Quantifizierung der globalen Erwärmung aus Kalifornien.

Danach war 2018 das viertwärmste Jahr seit Beginn der Industrialisierung – mit 1,16 Grad über dem Durchschnittswert der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts (1850 bis 1900).

Nur 2015, 2016 und 2017 waren demnach wärmer. Damit wären die vergangenen vier Jahre die wärmsten je gemessenen Jahre auf der Erde. "Das spiegelt den Langzeittrend der globalen Erwärmung wider", schreiben die Autoren.

Dass 2018 hinter die drei Jahre davor zurückfällt, erklären die Autoren mit der natürlichen Variabilität. Während 2015 und 2016 von einem starken El Niño (siehe Kasten) geprägt waren, der im November und Dezember 2015 seinen Höhepunkt erreicht und den globalen Temperaturen einen Schub gegeben habe, begann 2018 mit einem schwachen La-Niña-Ereignis, das wiederum die globale Durchschnittstemperatur drückte.

El Niño und La Niña

El Niño ist ein alle drei bis sieben Jahre wiederkehrendes Wetterphänomen, das großräumige Meeres- und Luftströmungen in Äquatornähe betrifft. Zu einem El Niño kommt es, wenn die Passatwinde über dem Pazifik nachlassen. Die sorgen normalerweise für den Auftrieb von kühlem Wasser vor Südamerika. Bricht die Kaltwasserzufuhr – ein Teil des Humboldtstroms – aber ab, erwärmt sich das Wasser vor der Küste Perus, während sich das Wasser vor Australien und Indonesien abkühlt. La Niña ist so etwas wie das Gegenstück zu El Niño.

Auch wenn es 2018 örtliche Ausschläge bei der Erwärmung gab, so war es doch auf 85 Prozent der Erd- und Wasseroberfläche laut Studie "signifikant" wärmer als im Vergleichszeitraum 1951 bis 1980; auf 13 Prozent der Fläche war es gleich warm und nur auf 2,4 Prozent kälter.

Extra heiß: Europa und Nahost

Zu den Ausreißern nach oben zählen Europa und der Nahe Osten. Europa erlebte zwischen Mai und Oktober die stärkste je gemessene Hitzewelle.

Eine besonders starke Erwärmung gibt es auch in der Arktis. Der Arktische Ozean kam sogar auf 2,6 Grad Celsius über dem historischen Durchschnittswert.

Klimaforscher erklären das mit dem Phänomen der Polaren Verstärkung: Je mehr Eis auf dem Meer schmilzt, desto besser können die Sonnenstrahlen angreifen. Denn das dunklere Meerwasser absorbiert mehr Sonnenstrahlen, während das weiße Eis die Sonnenstrahlen zu einem höheren Anteil wieder abstrahlt.

Kühlere Bedingungen als im historischen Vergleichszeitraum gab es hingegen im östlichen Pazifik auf Höhe des Äquators. Das begründen die Studienautoren mit dem La-Niña-Ereignis.

Aussichten für 2019: Es wird wärmer

Stößt die Menschheit weiter so viele Treibhausgase aus wie bisher, wird sich die Erde schon im Jahr 2035 um 1,5 Grad gegenüber der vorindustriellen Zeit erwärmt haben und im Jahr 2060 um zwei Grad. Das Pariser Klimaabkommen sieht vor, dass die Staaten die Erderwärmung bei deutlich unter zwei Grad stoppen, wenn möglich bei 1,5 Grad.

Die Studienautoren geben auch eine Prognose für dieses Jahr ab. Zieht man die historische natürliche Variabilität in Betracht und auch die derzeitigen Entwicklungen, dürfte 2019 demnach wärmer werden als 2018, wenn auch nicht wärmer als das Rekordjahr 2016.

Auf die übliche Jahresrückschau der US-Behörden Nasa und NOAA muss die Öffentlichkeit hingegen noch warten – aufgrund der Schließung der Regierungsbehörden durch US-Präsident Donald Trump haben sich die Berichte verzögert.

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