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Erneuerbare mit Rohstoffproblem

Bei der Gewinnung von Rohstoffen für Windräder und Solaranlagen leiden oft Mensch und Umwelt, warnt eine Studie des katholischen Hilfswerks Misereor. Dennoch seien die Erneuerbaren der bessere Weg.


Eine Frau lehnt sich auf eine Photovoltaik-Anlage
Kleine Photovoltaik-Anlage in Acauã in Brasilien: Bei der Herstellung werden viele Rohstoffe benötigt, aber kaum noch welche im Betrieb. (Foto: Eduardo Soteras/Misereor)

Der weltweite Boom der erneuerbaren Energien geht weiter. Zum Beispiel wurden im Jahr 2016 rund 50 Prozent mehr Solaranlagen gebaut als im Vorjahr – vor allem in China und den USA. Darauf, dass der Ausbau der Erneuerbaren mancherorts auch negative Folgen für Mensch und Umwelt hat, weist nun die katholische Hilfsorganisation Misereor hin.

In einer Studie macht sie darauf aufmerksam, dass bei der Gewinnung der Rohstoffe, die für den Bau von Photovoltaik- und Windenergieanlagen notwendig sind, häufig Menschenrechte verletzt und Umweltstandards nicht eingehalten werden. Denn für die Herstellung der Windräder und Solarmodule werden große Mengen an Eisenerz, Kupfer, Silber oder seltenen Erden benötigt, die in Ländern wie Brasilien, Peru, Chile und Argentinien abgebaut werden.

"Durch die Verschmutzung von Luft, Wasser und Böden werden Anwohnern und Anwohnerinnen die Lebensgrundlagen entzogen", sagt Pirmin Spiegel, Geschäftsführer von Misereor. "Bei Entscheidungen über Bergbauprojekte werden Mitbestimmungsrechte indigener und bäuerlicher Gemeinschaften verletzt."

Ein Beispiel ist das Silber, das häufig in Photovoltaik-Anlagen eingesetzt wird. Der Misereor-Studie zufolge entfiel im Jahr 2016 mehr als ein Zehntel des weltweit verbrauchten Silbers auf Solarstrom-Anlagen. Und der Bedarf wächst schnell. Im Jahr 2000 hat die Branche laut Studie weltweit rund 28.000 Kilogramm des Edelmetalls verbraucht, im Jahr 2016 war es schon das 77-Fache.

Deutschland importiert das Metall hauptsächlich aus Mexiko, Argentinien und Peru. Rund um die mexikanische Frisco-Silbermine hätten durch den Bergbau viele Menschen ihr Ackerland verloren und empfänden die Entschädigungszahlungen als unzureichend, nennt die Studie ein Beispiel. Die Minenbetreiber verbrauchten große Mengen Wasser und belasteten die Umwelt mit Chemikalien. 

Probleme wie diese dürften sich in Zukunft noch verschärfen. Denn wenn die Zwei-Grad-Grenze eingehalten werden soll, werden für die Windkraft zweieinhalbmal so viele metallische Rohstoffe benötigt wie heute, so die Studie. Für die Photovoltaik werden dann sogar dreimal so viele Rohstoffe gebraucht.

Die Branche verweist auf die Politik 

Misereor fordert daher Unternehmen und Politik auf, bei der Gewinnung von Rohstoffen stärker auf die Menschenrechte zu achten. Auch bei den Herstellern von Photovoltaik und Windenergie bedürfe es hier noch "größerer Anstrengung".

Der Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) verteidigt hingegen seine Unternehmen und fordert vor allem mehr Engagement der Politik: "Besonders für kleine und mittelständische Unternehmen, wie sie die Erneuerbare-Energien-Branche prägen, ist es sehr schwierig, die Standards entlang der gesamten globalen Wertschöpfungskette zu kontrollieren", sagt BEE-Geschäftsführer Peter Röttgen auf Nachfrage von Klimareporter.

Umso wichtiger sei es, dass die Politik international geltende, einheitliche Nachhaltigkeitskriterien und Regeln zur Einhaltung von Menschenrechten festlege und deren Einhaltung überprüfe. Zudem habe die Solarindustrie beispielsweise den Silbereinsatz schon von 400 Milligramm pro Zelle im Jahr 2009 auf 90 Milligramm im Jahr 2017 reduzieren können.

Darin, dass die Erneuerbaren ausgebaut werden müssen, sind sich BEE und Misereor einig: "Die Zunahme von Energie aus Wind, Sonne, Biomasse oder Wasser ist aus klimatischer, entwicklungspolitischer sowie wirtschaftlicher Sicht nur folgerichtig und enorm wichtig", heißt es in der Studie.

Gleichzeitig mahnt Misereor-Chef Spiegel, ein Austausch der Energiequellen reiche nicht. In allen Sektoren müsse der Energie- und Rohstoffverbrauch "drastisch sinken".

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