Wald in Not

Die Schäden im Wald durch den trockenen Sommer gehen in die Milliarden. Der Bund der Forstleute fordert mehr Personal, um einen klimastabilen Umbau der Wälder voranbringen zu können.


Nadelwald
Nadelwälder sind besonders anfällig und sollten in klimastabilere Mischwälder umgebaut werden. (Foto: Free-Photos/​Pixabay)

Der deutsche Wald ist ein bedeutender Wirtschaftsfaktor, aber auch wichtig für den Umwelt- und Klimaschutz. Er produziert Sauerstoff, speichert Wasser und ist Klimaschützer – denn er bindet beim Wachstum durch die Photosynthese rund 14 Prozent des CO2-Ausstoßes, der in der Bundesrepublik entsteht.

Werden aus dem Holz später Häuser oder langlebige Güter gefertigt, bleibt die darin gespeicherte Menge des Treibhausgases für lange Zeit aus der Atmosphäre entfernt.

Doch diese positiven Funktion seien zunehmend bedroht, so warnen die Forstleute Deutschlands. Der Zustand des Waldes sei besonders nach dem Dürresommer 2018 besorgniserregend.

Der Bund Deutscher Forstleute (BDF) hat jetzt seine Bilanz dazu veröffentlicht. Danach waren die durch Stürme, Dürre und Waldbrände sowie den Borkenkäfer verursachten Schäden noch nie so groß wie in diesem Jahr. Rund 300.000 Hektar Wald seien durch die Dürre und weitere 300.000 Hektar durch den Borkenkäfer in Mitleidenschaft gezogen, zudem 300 Millionen Setzlinge vertrocknet.

Insgesamt sind laut dem Verband bisher rund 30 Millionen Festmeter Schadholz angefallen – das entspreche der Ladung von mehr als 1,5 Millionen Holz-Lastwagen.

Vor allem die Fichtenbestände sind betroffen

Die finanziellen Schäden für die Waldbesitzer sind hoch. Der Forstwirtschaftsrat hat die Ausfälle jüngst auf bis zu zwei Milliarden Euro taxiert. Er kalkuliert die Schäden durch die drei großen Stürme im vorigen und diesem Jahr – Xavier, Herwart und Friederike – auf über eine Milliarde.

Die nötigen Nachpflanzungen für die abgestorbenen Setzlinge aus den vergangenen drei Jahrgängen schlagen danach mit weiteren 500 Millionen zu Buche, und die Schäden durch den Borkenkäfer, der vor allem die Fichtenbestände dahinrafft, betragen noch einmal 270 Millionen. Die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Waldbesitzerverbände geht sogar von insgesamt 5,4 Milliarden Euro an Schäden aus.

Die Borkenkäfer-Kalamität hat dazu geführt, dass viel mehr Bäume als üblich vorzeitig gefällt werden müssen. Folge ist: Der Holzmarkt wird mit Fichtenholz überschwemmt, und die Preise gehen in den Keller.

Greenpeace fordert Waldwende

Auch die Umweltorganisation Greenpeace spricht sich dafür aus, stark betroffenen Waldeigentümern staatliche Hilfen zu zahlen. Allerdings müsse dies an Bedingungen gebunden werden, hatte Greenpeace-Waldexperte Christoph Thies schon im Spätsommer gegenüber Klimareporter° betont.

 

Der Wald solle naturnah bewirtschaftet werden und es sollten mehr Laubbäume gepflanzt werden, die trockenheitsresistenter sind als die Nadelbäume, die viele Waldbesitzer wegen ihres schnellen Wuchses bevorzugen.

 

Die Waldeigentümer sollten die Bäume auch erst später als heute üblich "ernten", damit sie mehr Holzmasse bilden und dadurch zusätzlich Kohlenstoff einlagern können. "Heute werden viele Bäume gefällt, noch bevor sie die Hälfte ihres normalen Lebensalters erreichen", sagte Thies.

Anfang des Jahres wurden für einen Festmeter Fichtenholz noch bis zu 95 Euro bezahlt, inzwischen ist es nur noch die Hälfte. Teils würden 60 bis 100 Jahre alte Fichten nur noch für den Brennholzpreis abgenommen, klagen Waldbauernverbände.

Entspannung ist hier nicht in Sicht, denn ein Teil der Borkenkäfer wird überwintern. So besteht die Gefahr, dass sie weitere Bäume, die durch die Dürre geschwächt sind, im nächsten Frühjahr zum Absterben bringen.

"An der Grenze der Belastbarkeit"

Die Forstleute wollen zwar "keine neue Waldsterbensdebatte" lostreten, wie sie sagen, doch sie warnen vor einer Zuspitzung der Lage. Ihr Bundesvorsitzender Ulrich Dohle wählte jüngst drastische Worte. Waldbesitzer und Forstleute arbeiteten "schon seit Wochen an der Grenze der Belastbarkeit".

"Beinahe tatenlos mussten wir dieses Jahr mitansehen, wie die neue Waldgeneration verdorrt oder ganze Wälder verbrannten", sagte Dohle. "Jetzt erwarten wir von der Politik deutliche Zeichen und starke Hilfen für den Wald."

Konkret hält der Verband 10.000 neue Stellen in den Forsten für nötig, um die Schäden zu beseitigen, den Wald in klimastabilere Mischwälder "umzubauen" und die Waldeigentümer entsprechend zu beraten. Aber er fordert auch, Klimaschutz und Energiewende müssten dringend vorangebracht werden.

Unterstützen Sie
unabhängigen Journalismus!

Klimareporter wird herausgegeben vom Klimawissen e.V. Ihre Spende macht unabhängigen Journalismus zu Energiewende und Klimawandel möglich. 

Spenden Sie hier