Den Deutschen geht die Energiewende zu langsam

61 Prozent der Bundesbürger sind mit der Energiewende unzufrieden, so eine aktuelle Umfrage. Der Hauptgrund: Die Transformation des Energiesystems geht den Befragten nicht schnell genug. Eine weitere Umfrage deutet einen Imagewandel beim Fliegen an.


Menschen demonstrieren mit Schildern
Vielen Deutschen geht die Energiewende nicht schnell genug – wie diesen Demonstranten am Hambacher Forst. (Foto: Susanne Götze)

Eine Mehrheit der Bundesbürger ist nicht zufrieden mit der Energiewende. 61 Prozent der Befragten erklärten sich "sehr unzufrieden" oder "unzufrieden", ergab eine Befragung des Potsdamer Nachhaltigkeits-Instituts IASS.

Der Grund ist allerdings nicht, dass die Deutschen die Energiewende ablehnen – im Gegenteil: Als Hauptgrund für ihre Unzufriedenheit nannten die Befragten das schleppende Tempo beim Umbau des Energiesystems. Das Klima müsse schneller geschützt werden, sagte die Mehrzahl in dieser Gruppe. Fast 6.600 Haushalte wurden für die Erhebung befragt, und zwar mit einer komplexen Fragestellung. Insofern dürfte sie einige Aussagekraft haben.

Noch allerdings ist sie nicht veröffentlicht, die Frankfurter Allgemeine Zeitung hatte vorab über die Ergebnisse berichtet. Das IASS zeigte sich darüber nicht glücklich, die Zahlen allerdings seien richtig wiedergegeben, sagte ein Sprecher gegenüber Klimareporter°.

80 Prozent der Befragten halten demnach die Energiewende "für eine gute Sache". Das Management des Umbaus allerdings bemängeln einige – die Energiewende gehe zu langsam (58 Prozent), die soziale Gerechtigkeit sei zu wenig berücksichtigt (50 Prozent) und die Kosten seien zu hoch (40 Prozent).

Besonders kritisch wird die Rolle der SPD beim Management der Energiewende gesehen. Nur fünf Prozent sehen bei den Sozialdemokraten das beste Konzept, selbst unter Anhängern der SPD begrüßt nur jeder fünfte die aktuelle Klima- und Energiepolitik, die zwischen ambitionierten Klimaprogrammen und der Bewahrung der Kohlereviere hin und her pendelt.

Deutsche sehen Flugreisen kritischer

Eine weitere aktuelle Umfrage des Instituts Yougov deutet darauf hin, dass die Deutschen ihr Klimaverhalten sensibler einschätzen. Fast die Hälfte der repräsentativ ausgewählten Befragten kann sich laut Medienberichten vorstellen, aus Gründen des Umweltschutzes aufs Fliegen zu verzichten. Eine Rolle spielen möglicherweise auch das Datum der Erhebung und die guten Vorsätze für das neue Jahr.

41 Prozent der Befragten lehnen hingegen einen Flugverzicht rundum ab. In diesem Jahr wollen 33 Prozent für ihre Reisen häufiger das Flugzeug nutzen, vier Prozent wollen das seltener tun.

Gefragt wurde auch, wie viel Klimaschutz bereits betrieben wird. 13 Prozent der Befragten erklärten, dass sie mindestens einmal im vergangenen Jahr ihren CO2-Ausstoß durch eine freiwillige Abgabe zur Finanzierung von Klimaprojekten ausgeglichen hätten; 19 Prozent hätten schon mal bewusst aufs Fliegen verzichtet.

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