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Das Schnitzel verbrennt

Mehr als drei Viertel der Bundesbürger sehen das Jahrhundertprojekt Energiewende als Gemeinschaftsaufgabe, zu der jeder einen Beitrag leisten sollte. Das sollte der Bundesregierung zu denken geben.


Teller mit einem Schnitzel
Sprachlich bleibt auch ein schlecht gemachtes Schnitzel noch ein Schnitzel, auch im Englischen. Bei der Energiewende ist es ebenso. (Foto: Gerhard Gellinger/​Pixabay)

Deutschland hat die Energiewende erfunden. Lange galt sie weltweit als Vorbild. Der Begriff "Energiewende" schaffte es als Lehnwort sogar ins Englische, so wie Autobahn, Kindergarden und Schnitzel. Heute allerdings sind die Zeitungen voll von Kritik an dem Projekt, von den sozialen Medien ganz zu schweigen.

Man könnte meinen, das offenkundige Missmanagement des Jahrhundertprojekts durch die Bundesregierung würde die Bürger an der Sache schon ganz verzweifeln lassen. Schließlich liegt der deutsche CO2-Ausstoß heute immer noch so hoch wie vor zehn Jahren. Doch siehe da: Weit gefehlt!

Sogar das Gegenteil ist der Fall. Eine Untersuchung des Nachhaltigkeitsinstituts IASS zeigt, dass satte 90 Prozent der Bundesbürger die Energiewende grundsätzlich befürworten. Das sind sogar zwei Prozentpunkte mehr als 2017, als das "Soziale Nachhaltigkeitsbarometer der Energiewende" des Potsdamer Instituts erstmals erhoben wurde.

Und die dahinter stehende Befragung ist wirklich valide. Denn es wurden nicht nur rund 1.000 Bürger dafür interviewt, wie sonst in Umfragen üblich, sondern mehr als 6.500. Daraus darf man schließen: Das Thema Klimawandel und Energiewende brennt den Menschen auf den Nägeln.

Leidtragende und Gewinner

Ansonsten aber gehen die Deutschen ziemlich hart ins Gericht mit dem Großprojekt zum Umbau des Energiesektors, wie es derzeit läuft.

Drei Viertel der Befragten bewerten die Energiewende als zu teuer, über die Hälfte hält sie außerdem für "chaotisch" und "ungerecht". Eine Mehrheit wünscht sich, es müsse mit dem Klimaschutz schneller vorangehen, aber auch, dass die soziale Gerechtigkeit bei den Kosten stärker als bisher berücksichtigt wird.

Die IASS-Untersuchung ist quasi ein dickes Pflichtenheft zur Neugestaltung der Energiewende für die Bundesregierung, bei der man zuletzt freilich den Eindruck gewinnen musste, dass sie sich mit dem Kohleausstieg schon völlig verausgabt.

Joachim Wille ist Chefredakteur des Onlinemagazins Klimareporter°.

Auf Zustimmung könnte die Regierung rechnen. Immerhin 80 Prozent der Bürger sehen das Projekt laut der Umfrage als Gemeinschaftsaufgabe, zu der jeder einen Beitrag leisten sollte.

Jetzt müssten Merkel und Co durch bessere Politik nur noch schaffen, was René Mono, Vorstand der Stiftung "100 Prozent Erneuerbar", zu den Ergebnissen der Umfrage sagte: "Diejenigen, die von der Energiewende betroffen sind, müssen sich als Gewinner fühlen können, nicht als Leidtragende."

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