Von wegen Flugscham

Jahrelang ging hierzulande die Zahl der Flüge immer nur nach oben, nun meldet die Deutsche Flugsicherung für 2019 erstmals einen leichten Rückgang. Ein Zeichen für einen Bewusstseinswandel ist das noch nicht.


Blauer Himmel mit Flugzeug und Kondensstreifen
Am Himmel nichts Neues. (Foto: Stocksnap/​Pixabay)

Plus 0,9 Prozent, plus 1,6 Prozent, plus 2,6 Prozent, plus 3,3 Prozent, plus 4,2 Prozent – seit 2014 stieg in Deutschland die Zahl der Flüge immer weiter und mit immer größeren Wachstumsraten an.

Auch im ersten Halbjahr 2019 verzeichnete der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) einen Anstieg um 1,3 Prozent und sprach von einem "abgeschwächten Wachstum".

Seit Juni 2019 zeigte sich jedoch eine rückläufige Tendenz, sodass die Deutsche Flugsicherung (DFS) am heutigen Montag erstmals seit fünf Wachstumsjahren für 2019 einen leichten Verkehrsrückgang vermeldet.

Mit 3,33 Millionen Flügen registrierte die DFS letztes Jahr 0,4 Prozent weniger Flugbewegungen im deutschen Luftraum als noch im Vorjahr (2018: 3,35 Millionen). Zuletzt hatte es 2013 einen Rückgang gegeben, damals um 1,4 Prozent.

Macht sich damit nun auch in Deutschland "Flugscham" bemerkbar? Hat die zunehmende Klimadebatte jetzt auch Auswirkungen aufs Fliegen?

In Schweden, dem Heimatland der Klimaaktivistin Greta Thunberg, ist das offensichtlich so. Die Zahl der Inlandsflüge sackte in den ersten acht Monaten des Jahres 2019 um neun Prozent ab, die der Auslandsflüge ging allein im Juli und August um ein bis zwei Prozent zurück. Die Zahl der Bahnreisen stieg dagegen an.

Doch die neuen Zahlen für Deutschland lassen weder auf Flugscham noch auf eine gesunkene Flug- und Reiselust schließen.

Zum einen ist die Zahl der Starts und Landungen lediglich um 0,1 Prozent auf 2,3 Millionen zurückgegangen. Das ist deutlich weniger als der gesamte Rückgang von 0,4 Prozent.

Kein Rückgang bei Fernreisen

Dass es bei den Starts und Landungen überhaupt einen Rückgang gab, lag nur an den Regionalflughäfen. Sie mussten ein Minus von 3,1 Prozent hinnehmen.

Laut Berichten gibt es bereits Planungen, den Regionalflughäfen finanziell zu helfen. Das Geld soll ausgerechnet die als Teil des Klimapakets beschlossene Erhöhung der Luftverkehrssteuer einbringen.

Bei den Starts und Landungen bei den internationalen Flughäfen gab es hingegen ein leichtes Plus von 0,1 Prozent.

Fernreisen, so darf man schlussfolgern, sind weiterhin beliebt. Innerdeutsche Flüge von und zu Regionalflughäfen nahmen hingegen leicht ab. Allerdings verzeichnen sie ohnehin lediglich rund 162.500 Starts und Landungen und damit nur einen Bruchteil des Flugaufkommens.

Der größte Rückgang war bei der Zahl der Überflüge zu verzeichnen, jener Flüge also, die in Deutschland weder starten noch landen. Sie machen knapp 40 Prozent der Flugbewegungen im deutschen Luftraum aus. Im Jahr 2019 sank ihre Zahl um 0,5 Prozent auf 1,29 Millionen. 

Der Rückgang der Flugbewegungen, den die Deutsche Flugsicherung meldet, ging 2019 also in erster Linie auf weniger überquerende Flüge zurück.

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