Flugtaxi im Kopf

Überraschend viele Deutsche würden gern mit einem Flugtaxi durch die Gegend fliegen können und so den vielen, vielen Verkehrsproblemen in Stadt und Land entkommen. Logisch ist das nicht.


Hier ist eine große Menge Fußgänger zu sehen, die über einen Zebrastreifen eilen
Gedränge, Stau, Hektik: Viele würden gern drüberwegfliegen. (Foto: Brian Merrill/​Pixabay)

Das Flugtaxi hebt ab. Zumindest in den Köpfen. Vor ein paar Monaten fabulierte Dorothee Bär von der CSU, die Staatsministerin für Digitales im Merkel-Kabinett, in einem Interview darüber: Man müsse die Infrastruktur dafür schaffen, um auch einmal mit einem Flugtaxi durch die Gegend fliegen zu können.

Damals hörten viele Zeitgenossen den Begriff zum ersten Mal, und Bär, die eigentlich endlich einmal das schnelle Internet landesweit ins Laufen bringen soll, handelte sich damit viel Spott ein.

Inzwischen zeigt aber eine Forsa-Umfrage: Fast jede(r) zweite Deutsche würde sich gerne schon bald in ein solches Fluggerät setzen. Bei den Jüngeren im Alter von 18 bis 29 Jahren sind es sogar 65 Prozent, die ein Flugtaxi oder für kurze Strecken auch eine unbemannte Drohne nutzen würden.

Es scheint eine verlockende Idee zu sein: In einem Miniflieger, der senkrecht starten und landen kann, einfach über die wachsenden Staus in den Städten hinwegzudüsen. Die Flugtaxis sollen die Mobilität um eine neue Dimension erweitern, versprechen die weltweit über 50 Firmen, die solche Maschinen entwickeln und bald schon in die Erprobung gehen wollen.

Hochfliegende Vison

Die Logik sagt zwar: Es wird neue Staus erzeugen, wenn alle, die jetzt am Boden im Stau stehen, künftig mit dem Flugtaxi fliegen wollen, nur eben am Himmel. Doch das scheint weder die Hersteller noch die Fans der fliegenden Vision zu stören. Von der zusätzlichen Lärmbelastung und dem steigenden Energie- und Ressourcenverbrauch ganz zu schweigen.

Überhaupt glauben wir Deutschen offenbar immer noch, dass ein Ausbau von Verkehrsinfrastruktur die Probleme lösen wird. Drei Viertel der Befragten fordern, der Staat müsse hier mehr investieren.

Joachim Wille ist Chefredakteur des Online-Magazins Klimareporter°.

Zwar erhielt der Ausbau von Fahrrad- und Fußwegen mit 84 und 81 Prozent hier besonders hohe Zustimmungswerte. Doch solange auch die viel teureren Straßen weiter in die Landschaft betoniert werden, ist an eine Verkehrswende nicht zu denken.

Wer Straßen sät, wird Autoverkehr ernten, heißt ein alter Spruch, der leider nur zu wahr ist. Und wer Flugtaxi-Haltestellen baut, einen vollen Himmel.

Flugtaxis, das ist die ganz nüchterne Wahrheit, werden unsere Verkehrsprobleme nicht lösen. Einfach mal zuhause bleiben schon eher. Aber wer kann das schon.

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