Klimamanipulation hilft Landwirtschaft nicht

In einer sich erwärmenden Welt hat die Landwirtschaft zunehmend mit Hitzestress zu kämpfen. Doch mit Geoengineering für Abkühlung zu sorgen hätte trotzdem keine Vorteile, zeigt nun eine Studie.


Vulkanausbruch in Hawaii
Bei Vulkanausbrüchen – wie hier auf Hawaii – werden mit den Aschewolken Schwefelpartikel in die Stratosphäre geschleudert. (Foto: Adrian Malec/​Pixabay)

Als der Pinatubo auf den Philippinen 1991 nach mehr als einem halben Jahrhundert Ruhezeit ausbrach, war die Eruption eine der gewaltigsten des 20. Jahrhunderts. Bis zu 34 Kilometer hoch schleuderte der Vulkan seine Asche in die Stratosphäre. Dabei gelangten 17 Millionen Tonnen Schwefeldioxid in die zweite Schicht der Erdatmosphäre, mehr als bei jedem anderen Vulkanausbruch in den 100 Jahren zuvor.

Die Auswirkungen waren weltweit zu spüren. Fünf Prozent weniger Sonnenlicht kamen auf der Erde an, als Folge kühlte die Nordhalbkugel für einige Jahre um 0,5 bis 0,6 Grad ab. Im globalen Durchschnitt betrug der Temperaturabfall 0,4 Grad.

Solche Abkühleffekte mit technischen Maßnahmen hervorzurufen, ist der Grundgedanke beim Geoengineering. Die Klimamanipulation von Menschenhand könnte, hoffen manche, als letzter Joker taugen, falls es der Menschheit nicht gelingen sollte, ihren Ausstoß von Treibhausgasen auf ein erträgliches Maß zu reduzieren.

Die Ideen reichen von Spiegeln, die im All Sonnenstrahlen reflektieren und so zur Abkühlung beitragen, bis zu Schiffen, die zu Tausenden auf den Ozeanen schippern, Meerwasser aufwirbeln und Salzpartikel hochschleudern und so zur Wolkenbildung beitragen.

Eine weitere Option wäre das sogenannte Solar Radiation Management. Bei einer seiner Methoden würde Schwefel in die Stratosphäre gestreut werden. Die Schwefelaerosole würden dort die Sonnenstrahlen reflektieren – wie nach einem Vulkanausbruch – und so für Abkühlung sorgen.

Was dies für die globale Landwirtschaft bedeuten würde, haben nun Wissenschaftler der University of California untersucht. Die Studie ist gerade im Fachmagazin Nature erschienen.

Die Ergebnisse sind ernüchternd. Große Vorteile hat der Agrarsektor demnach nicht zu erwarten, wenn Methoden wie das Solar Radiation Management eingesetzt würden. Als Joker, um Nachlässigkeit beim Klimaschutz zu kompensieren, taugt das Freisetzen von Schwefelpartikeln nicht.

Die in die Stratosphäre eingebrachten Aerosolteilchen würden Sonnenlicht in das Weltall zurückwerfen und so die direkte Sonnenstrahlung reduzieren. Es gäbe weniger Hitzestress für die Pflanzen. Dennoch wären die Ernteerträge laut Studie kaum besser.

"Solar Radiation Management bekämpft nur Symptome"

Für ihre Studie untersuchten die Autoren, wie sich große Vulkanausbrüche Ende des 20. Jahrhunderts auf die landwirtschaftlichen Ernteerträge ausgewirkt haben. Sie betrachteten die Veränderungen der Sonneneinstrahlung, die nach den Ausbrüchen gemessen wurden, sowie die Ernteerträge, die an die FAO, die Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen, gemeldet wurden. Ergebnis: Vorteile und Nachteile hoben sich in etwa auf.

"Solar Radiation Management bekämpft nicht die Ursachen des Klimawandels, sondern nur die Symptome – das zeigt die Studie", sagt Jessica Strefler, die sich beim Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung auch mit ähnlichen Themen beschäftigt. "Wenn überhaupt, würde das bestenfalls unvollständig funktionieren."

Darüber hinaus birgt die Methode laut Strefler zahlreiche Risiken, die kaum zu kalkulieren sind: "die Veränderungen des regionalen Klimas, Fragen internationaler Verträge und Haftbarkeiten sowie nicht zuletzt ein gewaltiges internationales Konfliktpotenzial".

"Die wirksamste Waffe gegen den Klimawandel", sagt Strefler, "bleibt die schnelle und entschlossene Reduktion der globalen Treibhausgas-Emissionen."

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