Photovoltaik auf dem Dach und E‑Auto an der Wallbox: Sieht so der moderne Traum vom autarken Eigenheim aus? (Bild: H. Loeffler/​Shutterstock)

Am liebsten frei stehend, 180 Quadratmeter Wohnfläche, hinten einen Garten, wo die Kids sich austoben können, und auf dem Dach eine schicke Photovoltaik-Anlage, die das E-Auto vor dem Haus lädt – so sieht wohl der moderne Traum vom Eigenheim in Deutschland aus.

Nun könnten die Glücklichen unter uns in Zukunft nicht nur Geld sparen, sondern auch ihren Beitrag zur Energiewende leisten, wenn sie sich von der fossilen Energieversorgung trennen und ihr Haus zum Prosumer-Haus umbauen.

Wie weit dieser Umbau vorangekommen ist, zeigt der zweite Prosumer-Report, den das Ökostromunternehmen Lichtblick beim Marktforschungsinstitut EUPD Research in Auftrag gegeben hatte und am Dienstag vorstellte.

Prosumer sind gleichzeitig producer und consumer, also Produzent:innen und Konsument:innen, in diesem Fall von Solarstrom. Die Solaranlage auf ihrem Hausdach ist die Eintrittskarte für die Welt der Prosumer-Häuser.

Der Strom vom Dach kann dann zum Beispiel eine Wärmepumpe im Keller antreiben und das eigene E-Auto über eine Wallbox aufladen. Ein zusätzlicher Heimspeicher sorgt dafür, dass auch nachts der Kühlschrank läuft.

Ein Energiemanagementsystem könnte den gesamten Energiefluss optimieren und aus dem gewöhnlichen Eigenheim ein kleines virtuelles Kraftwerk machen. Zu guter Letzt hat ein sogenanntes Smart Meter die Aufgabe, die Energiedaten an die stolzen Hausbesitzer:innen zu übermitteln, aber auch an ihre Dienstleister, also an Netzbetreiber und Energieversorger.

Im besten Fall kann das moderne Eigenheim so bis zu 88 Prozent seines eigenen Bedarfs decken, rechnet der Prosumer-Report vor. Von den heute 16 Millionen Ein- und Zweifamilienhäusern in Deutschland würden sich elf Millionen für die Transformation eignen. Alle zusammen könnten 92 Milliarden Kilowattstunden Sonnenstrom im Jahr erzeugen. Das ist etwa doppelt so viel, wie Deutschland im letzten Jahr an Photovoltaik-Strom produzierte.

"Es gibt hier noch viel zu tun"

Aber das Potenzial wird bislang nicht ausgeschöpft. Von den elf Millionen geeigneten Eigenheimen verfügen nur zwei Millionen über eine Solarstromanlage. Statt der möglichen 88 Prozent decken diese Haushalte erst fünf Prozent ihres Energiebedarfs.

Gegenüber 2021 konnte der Report zwar einen Zuwachs bei allen Technologien feststellen, etwa bei Wärmepumpen, Solaranlagen und Heimspeichern. Allerdings sei das vor allem der Energiekrise und den steigenden Energiepreisen geschuldet, erläutert René Zerwes, Prosumer-Experte bei Lichtblick.

Treiber sollten aber nicht Krisen sein, sagt Zerwes. "Politisch-regulatorisch sehen wir hier auch noch viele Potenziale, um den Ausbau weiter voranzutreiben. Es gibt hier noch viel zu tun", schaut er nach vorn.

Besonders bei der Digitalisierung gebe es noch Luft nach oben, vor allem beim Ausbau der Smart Meter, die das Haus intelligent mit dem Stromnetz verbinden. Lediglich ein Prozent der mit Photovoltaik ausgestatteten Häuser habe bisher ein solches intelligentes Messsystem, gibt der Report an.

Bisher seien fast ausschließlich mechanisch betriebene Ferraris-Zähler oder digitale Strommesser eingebaut. Die Energiewende brauche aber Messgeräte, die Stromdaten in Echtzeit übertragen, betont Zerwes. Er appelliert an die Bundesregierung, dafür Anreize zu schaffen.

Geld und CO2 einparen

Als großen Anreiz für eine energetische Modernisierung sieht der Report aber auch die möglichen Einsparungen für die Familie mit Prosumer-Haus. Anhand von Modellrechnungen für Einfamilienhäuser werden Investitions- und Energiekosten erneuerbarer Voll-Lösungen mit fossilen Alternativen über eine Zeit von 20 Jahren verglichen.

Eingerechnet werden dabei sowohl Hausstrom und Wärmeversorgung als auch der Pkw. Heraus kommt eine Einsparung von rund 50.000 Euro für bestehende Häuser und 44.000 Euro für Neubauten.

Für die nötige Technologie müssen die Eigenheim-Besitzer:innen erstmal viel Geld in die Hand nehmen. Insgesamt würden 462 Milliarden Euro an Investitionen benötigt, um alle elf Millionen potenziellen Häuser auszustatten, heißt es im Report.

Die zugleich erreichbaren Einsparungen für Deutschlands Eigenheimbesitzer:innen innerhalb von 20 Jahren veranschlagt die Untersuchung auf 322 bis 566 Milliarden Euro. Die Öko-Investition ins Haus kann sich also auch finanziell lohnen.

Aber viel wichtiger: Ein neu gebautes Einfamilienhaus mit 180 Quadratmetern könnte laut Modellrechnung über die 20 Jahre rund 74 Tonnen CO2 einsparen. So könnten die Eigenheimer:innen sich nicht nur den Traum vom modernen und weitgehend autarken Heim verwirklichen, sondern auch einen Beitrag zum Klimaschutz leisten.

Redaktioneller Hinweis: Michael Liesner-Düning von Lichtblick gehört dem Herausgeberrat von Klimareporter° an.

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