Batterien vor und hinter dem Zähler

Batterien können innerhalb von Sekundenbruchteilen Strom liefern und gelten als ideal für die Stabilisierung des Stromnetzes. Trotz der noch hohen Anschaffungskosten können sie inzwischen rentabel betrieben werden. Beispiele aus Kalifornien, Südaustralien und Bayern. Teil 4 unseres Kurzdossiers.


Stromspeicher eines Energieanbieters
Die Wirtschaftlichkeit von Stromspeichern verbessert sich rapide – sie sind zu einem Schlüsselelement der Energiewende geworden. (Foto: Portland General Electric/​Flickr)

Das Stromnetz kann mit einem See verglichen werden, dessen Zu- und Abflüsse immer genau gleich groß sein müssen. Ändert sich der "Wasserspiegel", bricht das Netz zusammen und der Strom fällt aus. Bislang haben die Stromkonzerne die Netzstabilität beinahe ohne Stromspeicher gewährleistet. Einzig Pumpspeicherkraftwerke konnten als "Batterien" genutzt werden. Doch richtige Batterien werden sehr schnell sehr viel billiger. Seit dem Jahr 2010 ist der Preis pro Kilowattstunde Speicherkapazität von 1.000 US-Dollar auf noch 130 bis 200 Dollar letztes Jahr gefallen.

Der Preisverfall ist nicht nur dabei, den E-Automarkt zu revolutionieren, sondern auch den Strommarkt. Aus Sicht der Unternehmensberatung McKinsey wird der Strommarkt in wenigen Jahren die "nächste disruptive Technologie" erleben: "Bei der Kostenentwicklung haben wir bei Solarstrom den Kipppunkt bereits erreicht und früher oder später werden wir auch den Kipppunkt bei Stromspeichern erreichen", sagt David Frankel von McKinsey in Los Angeles.

Umgekehrt bedeutet das aber auch, dass Batterien momentan noch zu teuer sind. Trotzdem werden bereits heute Batteriespeicher von Stromkonzernen geordert. Bei Los Angeles wurde der erste Großspeicher gebaut – mit einer Kapazität von 120 Megawattstunden. Der dortige Stromversorger will sich gegen Stromausfälle in der Millionenmetropole schützen. Die Batterielösung war zwar teurer als ein neues Gaskraftwerk, dafür war die Batterie nach nur acht Monaten Bauzeit am Netz. Bei einem Gaskraftwerk dauert allein das Genehmigungsverfahren Jahre.

Elon Musks Batterie krempelt Südaustralien um

Noch schneller ging es bei Teslas Großbatterie in Südaustralien: Nach einem Stromausfall im März 2017 bot Tesla-Chef Elon Musk der dortigen Provinzregierung eine Wette an: Entweder Tesla schafft es, innerhalb von 100 Tagen eine 129-Megawattstunden-Batterie zu installieren, oder die Provinz bekommt die Batterie geschenkt. Musk hielt Wort und seine Batterie revolutioniert jetzt den südaustralischen Strommarkt. Von "beispielloser Geschwindigkeit und Präzision" der Batterie schwärmt Australiens Netzbehörde Aemo. Was sie kann, zeigte die Anlage schon im ersten Monat: Nach dem Ausfall eines 690-Megawatt-Kohlekraftwerks glich die Batterie den Spannungsabfall im Netz innerhalb von Sekundenbruchteilen aus.

Wahrscheinlich ist die Batterie sogar schon profitabel, da sie auf zweierlei Arten Geld verdient. Zum einen dient sie als Stromspeicher für einen nahegelegenen Windpark und verhilft diesem zu mehr Einnahmen über die Strombörse. Dabei profitiert sie sowohl bei einem Überangebot an Strom als auch bei Strommangel. Südaustraliens Strommarkt ist relativ isoliert vom Rest des Landes und der Strompreis schwankt entsprechend. Wenn zu viel Strom im Netz ist, fällt er auf minus 1.000 australische Dollar (minus 645 Euro) und steigt bei Knappheit auf bis zu 14.000 Dollar (9.000 Euro) pro Megawattstunde. Je größer die Schwankungen, desto mehr Gewinn.

Regelenergie zur Netzstabilisierung

Die australische Beratungsfirma Energy Synapse schätzt das Betriebsergebnis der Batterie in den ersten vier Monaten auf 1,4 Millionen australische Dollar (900.000 Euro). Der größte Teil davon wurde an nur fünf Tagen erwirtschaftet, als die Preisschwankungen besonders groß waren. Nimmt man diese fünf Tage heraus, war der Gewinn aus dem Stromhandel hingegen eher bescheiden: 530 Dollar (342 Euro) pro Tag. Hinzu kommt allerdings noch das Entgelt für die Vorhaltung von Regelenergie zur Netzstabilisierung.

Batterien können aber nicht nur von Energiekonzernen "vor dem Zähler" eingesetzt werden, sondern auch von Konsumenten "hinter dem Zähler". Besitzer einer Solaranlage können mit einer Batterie Stromproduktion und -verbrauch miteinander in Einklang bringen. Der bayerische Batteriehersteller Sonnen bietet zudem die Möglichkeit, als Konsument zur Netzstabilisierung beizutragen. Wer eine Solaranlage auf dem Dach und eine Sonnen-Batterie im Keller oder ein Elektroauto in der Garage hat, kann Teil eines "virtuellen Kraftwerks" werden.

In Deutschland gibt es mittlerweile nach Branchenangaben mehr als 80.000 Solarstromspeicher. Dieses "virtuelle Kraftwerk" stellt Regelenergie zur Netzstabilisierung bereit. Das ist so lukrativ, dass die Speicherbaufirma Sonnen den Teilnehmern eine Strom-Flatrate zum Preis von null anbietet. Geschenkt bekommt man die erforderliche Batterie allerdings nicht.

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