Weltklimagipfel auf Mitte 2021 verschoben

Der für November im schottischen Glasgow geplante Weltklimagipfel wird auf nächstes Jahr verschoben. Das beschlossen heute das UN-Klimabüro und die britische Regierung.


Leere Sitzreihen im großen Saal der Klimakonferenz COP 24 in Katowice.
Bei den Weltklimagipfeln – wie hier 2019 in Katowice – bietet der Plenarsaal oft einen imposanten Anblick. Den gibt es in Glasgow nun erst ein halbes Jahr später. (Foto: Benjamin von Brackel)

Die Coronakrise zieht auch zeitlich immer größere Kreise. Der für November dieses Jahres im schottischen Glasgow geplante Weltklimagipfel COP 26 wird auf 2021 verschoben. Die Konferenz wird wahrscheinlich Mitte kommenden Jahres stattfinden, ein genauer Termin steht noch nicht fest.

Die Verschiebung haben heute das UN-Klimabüro unter seiner Chefin Patricia Espinosa sowie die britische Regierung beschlossen. Am späten Abend bestätigte die Regierung in London die bis dahin kursierenden Berichte.

Angesichts der weltweiten Auswirkungen von Covid-19 sei ein anspruchsvoller Klimagipfel im kommenden November nicht mehr möglich, heißt es in der Regierungsmitteilung. Zugleich bleibe nun auch mehr Zeit zur Vorbereitung der COP 26.

Der designierte COP-Präsident Alok Sharma bekräftigte, man werde weiter mit Ehrgeiz daran arbeiten, die Klimakrise zu bewältigen.

Sharma ist seit Mitte Februar britischer Wirtschafts- und Energieminister sowie COP-Chef. Seine Vorgängerin Claire Perry O'Neill war von Premier Boris Johnson abgelöst worden – und hatte diesem anschließend eine chaotische Vorbereitung der COP 26 vorgeworfen.

Wegen der Pandemie war den Organisatoren des Weltklimagipfels in dieser Woche bereits der geplante Ort des Treffens abhandengekommen. Die Regierung Schottlands hatte angekündigt, das für den Gipfel vorgesehene Scottish Exhibition and Conference Centre in Glasgow in ein Krankenhaus für Covid-19-Erkrankte umzuwandeln.

Das erhöhte den Druck auf die britische Regierung angesichts der auch in Großbritannien grassierenden Pandemie, eine Entscheidung über die Megakonferenz zu treffen. Bei den Gipfeln kommen regelmäßig bis zu 20.000 Menschen aus allen Staaten der Erde für zwei Wochen zusammen.

Verschoben werden auch die für Juni geplanten Vorverhandlungen zur COP 26, die traditionell in Bonn, dem Sitz des UN-Klimasekretariats, abgehalten werden. Die Gespräche sollen nun im Oktober stattfinden.

"Klimaschutz darf nicht verschoben werden"

Langjährige Teilnehmer aus der Zivilgesellschaft äußerten Verständnis für den Schritt. "Es hat keinen Sinn, Menschen aus allen Ländern gerade während einer Pandemie zusammenzubringen", sagte Mohamed Adow vom Thintank Power Shift Africa. Wichtige Treffen zu verschieben heiße aber nicht, dass auch die Klimaschutzverpflichtungen verschoben werden könnten.

Ähnlich äußerte sich die ehemalige UN-Klimachefin Christiana Figueres. "Die Treibhausgasemissionen müssen in diesem Jahr ihren Höhepunkt erreichen, wenn wir die Erderwärmung auf 1,5 Grad begrenzen wollen", betonte Figueres. Im kommenden Jahr müsse dann der steile Rückgang der Emissionen beginnen.

Nach Expertenansicht gelten die Verpflichtungen der Staaten, die diese mit dem Pariser Klimaabkommen eingegangen sind, trotz der Verschiebung weiter, vor allem die Vorgabe, in diesem Jahr neue, anspruchsvolle Klimapläne vorzulegen.

Die Geschäftsführerin von Greenpeace International, Jennifer Morgan, erwartet jetzt von den Regierungen verdoppelte Anstrengungen, um einen ökologisch nachhaltigen und sozial gerechten Weg aus der Gesundheitskrise und dem Klima-Notstand zu finden. "Die Rückkehr zu business as usual wäre völlig inakzeptabel", sagte Morgan.

Auch Ann-Kathrin Schneider, Klimapolitikexpertin beim deutschen Umweltverband BUND, zog eine Verbindung zwischen beiden Krisen. "Während die Coronakrise uns kalt erwischt, können wir die Klimakrise noch eindämmen." Nur nachhaltige Antworten auf die jetzige Wirtschaftskrise könnten die katastrophalsten Auswirkungen der heraufziehenden Klimakrise in Grenzen halten, mahnte sie. 

Lesen Sie dazu unseren Kommentar: Der Corona-Lag

Interview: "Der Klimadiplomatie schadet die Verschiebung vielleicht nicht, dem Klima schon"

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