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CO₂-Märkte sollen Kosten für Klimaschutz senken

Bei der Weltklimakonferenz, die am Montag beginnt, stehen die CO2-Märkte im Mittelpunkt. Durch den Handel mit Treibhausgaszertifikaten soll Klimaschutz billiger werden. Damit das Klima auch etwas davon hat, müssen aber die Marktregeln stimmen. Diese richtig hinzubekommen ist schwierig, wie ein Blick in die Vergangenheit zeigt.


Ein Mann wässert Baumsetzlinge für ein Aufforstungsprojekt in Nigeria
Beim Klimaschutz dort anfangen, wo es besonders günstig ist: Das können zum Beispiel Aufforstungsprojekte sein – wie dieses von der EU geförderte in Nigeria, bei dem ein Mitarbeiter die Baumsetzlinge wässert. (Foto: Kayode Egbeleye/​Flickr)

Die Grundüberlegung ist simpel: Wenn man die Freisetzung von einer Tonne CO2 vermeiden oder der Atmosphäre eine Tonne CO2 entziehen will, entstehen Kosten. Doch diese Kosten sind von Firma zu Firma und von Land zu Land verschieden. Daher sollte man dort anfangen, wo die Tonne am billigsten zu haben ist. Das kann man erreichen, indem man CO2 in Form von Zertifikaten verbrieft und anschließend damit handelt. So weit die Theorie.

Damit das Klima aber wirklich etwas davon hat, müssen die Regeln für die CO2-Märkte stimmen. Und hier wird es schwierig, wie nicht zuletzt ein Blick auf die bestehenden Märkte zeigt. Erschwert werden die Verhandlungen über die internationalen Regeln zusätzlich, weil es dabei noch um einen anderen Rohstoff geht: Geld, viel Geld.

EU-Emissionshandel: Läuft noch nicht richtig

Bei CO2-Märkten werden zwei Typen unterschieden. Der bekannteste und größte Markt ist das Emissionshandelssystem der EU. Hier werden CO2-Emissionsrechte gehandelt.

Die Verkäufer dieser Rechte sind die EU-Staaten und die Käufer sind große Emittenten wie Kraftwerke oder Zement- und Stahlproduzenten. Diese müssen für jede Tonne CO2, die sie in einem Jahr emittieren, ein Zertifikat kaufen und dann abgeben. Weil die Gesamtzahl der verfügbaren Zertifikate von Jahr zu Jahr sinkt, sinken so auch die Emissionen.

Das System hat aber lange nicht richtig funktioniert, weil zu viele Zertifikate im Markt waren und der Preis für eine Tonne CO2 unter fünf Euro lag. Nach einigen Korrekturen liegt der Preis mittlerweile aber wieder bei rund 24 Euro.

Clean Development Mechanism: Läuft fast gar nicht

Beim zweiten Markttyp werden nicht Emissions-Rechte für die Zukunft gehandelt, sondern Emissionen, die in der Vergangenheit nachweislich vermieden wurden. Damit können Privatpersonen, Firmen und ganze Staaten ihre Emissionen kompensieren. Indem sie ein "Offset-Zertifikat" kaufen, finanzieren sie ein Klimaprojekt und können sich dessen Nutzen anrechnen.

Große Buchstaben, grün angestrahlt:
Foto: Susanne Schwarz

Live von der COP 25

Die 25. UN-Klimakonferenz findet vom 2. bis zum 13. Dezember in Madrid statt. Klimareporter° ist vor Ort und berichtet direkt vom Konferenzparkett.

Ein solcher Markt wurde durch das Kyoto-Protokoll geschaffen, der Clean Development Mechanism, kurz CDM. Hier soll seit dem Jahr 2001 in 8.000 Projekten der Ausstoß von zwei Milliarden Tonnen CO2 vermieden worden sein. Anschließend hat das UN-Klimasekretariat dafür handelbare Zertifikate ausgestellt.

Diese haben aber einen schlechten Ruf, weil oft Projekte gefördert wurden, die sich auch ohne den Zertifikatehandel gerechnet hätten. Deshalb gibt es quasi keine Käufer mehr für diese Papiere und deren Preis liegt schon seit Jahren unter einem Euro pro Tonne.

Klimagipfel soll neuen globalen CO2-Markt schaffen

Bei den UN-Klimaverhandlungen in Madrid soll nun ein neuer Offset-Markt geschaffen werden, mit dem Staaten und die Flugindustrie einen Teil ihrer Emissionen kompensieren können. Dadurch werden letztlich Emissionen von Land zu Land und von Industrie zu Industrie verschoben.

Laut einer Studie der Emissions Trading Association (IETA), eines Verbandes der Zertifikatehändler, ist das Potenzial riesig: Im Jahr 2030 könnten so 4,3 Milliarden Tonnen CO2 verschoben werden. Das entspricht rund zehn Prozent der globalen Emissionen. Dadurch werde der globale Klimaschutz um 250 Milliarden Dollar billiger als ohne den Offset-Handel, so die IETA.

Damit diese Rechnung auch aus Klimasicht aufgeht, müssen aber zwei Voraussetzungen erfüllt sein: Die geförderten Projekte dürfen sich nur dank der Einnahmen aus dem Zertifikateverkauf rechnen, denn sonst sind sie nicht zusätzlich. Außerdem darf die Emissionsminderung nicht auf das CO2-Ziel des Projektlandes und das des Käufers angerechnet werden, sonst würde die Minderung doppelt gezählt.

Zahl wirksamer CDM-Projekte ist begrenzt

Selbst wenn in Madrid Regeln vereinbart werden, die diese beiden Voraussetzungen erfüllen, heißt das noch nicht, dass der Markt tatsächlich so groß wird wie von der IETA errechnet. Schließlich müssen erst Offset-Zertifikate geschaffen werden, bevor sie jemand kaufen kann.

Das Stockholm Environmental Institute hat sich das Zertifikate-Angebot genauer angeschaut: Wenn besonders strenge Kriterien an die Offset-Projekte angelegt werden, dann stehen pro Jahr 190 Millionen Zertifikate zur Verfügung.

Mit weniger strengen Kriterien und dem Einbeziehen von Waldprojekten sind es 470 Millionen Zertifikate. Selbst Letzteres entspricht nur gut einem Zehntel der von der IETA prognostizierten Nachfrage.

Bei der Klimakonferenz letztes Jahr in Katowice konnten sich die Verhandler nicht auf die Regeln für die CO2-Märkte einigen. "Die Länder haben damals entschieden: Kein Deal ist besser als ein schlechter Deal", sagt Kelley Kizzier von der US-Umweltorganisation EDF.

Bei der diesjährigen Konferenz in Madrid stehen die CO2-Märkte deshalb im Mittelpunkt. Das von Kizzier erwähnte Motto gilt aber auch dort.

Alle Beiträge zur Klimakonferenz in Madrid finden Sie in unserem COP-25-Dossier.

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