Champion der Vielfliegerei

Chef des UN-Umweltprogramms sein und die meiste Arbeitszeit als Jetsetter verbringen – das passt nicht zusammen, fanden viele, die die Arbeit der Unep finanzieren. Nun musste Erik Solheim aus dem öffentlich finanzierten Vielflieger-Leben aussteigen.


Hier ist ein Mensch zu sehen, der einem startenden Flugzeug zuschaut
"Flieg weniger, Mensch!" Die moralischen Appelle fruchteten offenbar auch bei Solheim nicht, nun muss der Chef des UN-Umweltprogramms aussteigen. (Foto: Pixelman/​Pixabay)

Eine Bruchlandung, wie sie im Buche steht. Zum "Helden der Umwelt" hatte das Time Magazine Erik Solheim gekürt. Die halbstaatliche Weltnaturschutzunion IUCN nannte ihn "Schutzpatron der Natur". Und das UN-Umweltprogramm Unep gab ihm den Titel "Champion der Erde". Nun ist Solheim, seit 2016 Chef von besagter Unep und damit oberster Umweltschützer der Vereinten Nationen, zurückgetreten – nach heftiger Kritik vor allem an seinen vielen Flugreisen. Peinlicher geht's nimmer.

Eine solcher UN-Führungsjob ist mit viel Fliegerei verbunden, keine Frage. Doch Solheim, vorher norwegischer Umweltminister, übertrieb die Sache nicht nur ein wenig. Laut einer internen Überprüfung hat er in nur 22 Monaten fast 500.000 Dollar für Flugreisen und Hotels ausgegeben, zum Teil ohne sich an interne Vorschriften zu halten.

Zu rund 80 Prozent soll er seine Arbeitszeit unterwegs und nicht in der Unep-Zentrale in Nairobi verbracht haben. Die Schlussfolgerung der Prüfer: Für eine UN-Organisation, zu deren Hauptaufgaben die Bekämpfung des Klimawandels gehört, stelle Solheims Dauerfliegerei ein "Reputationsrisiko" dar.

Intern hatte es schon länger Ärger wegen des Führungsstils des Chefs gegeben, zudem ließen eine nicht öffentlich gemachte Sponsoring-Aktion für eine Segelregatta und Solheims Unterstützung für das umstrittene chinesische Seidenstraßen-Projekt Unep in schlechtem Licht erscheinen.

Drohung Unep-Geld einzufrieren

Tatsächlich war die Sache für Unep höchst kritisch geworden. Mehrere Länder, darunter Dänemark, die Niederlande und Schweden, hatten gedroht, ihren Anteil an der Unep-Finanzierung bis zur Lösung der Causa Solheim einzufrieren. Das Ganze hätte sich zu einer veritablen Finanzkrise für die Organisation auswachsen können.

Mit Solheims Rücktritt ist diese Gefahr immerhin gebannt. Ein neuer Chef – oder eine Chefin – wird einiges aufzuräumen haben, so wie weiland der deutsche Ex-Umweltminister Klaus Töpfer, der als Solheims Vorvorgänger die UN-Umweltorganisation ebenfalls in einer Krise übernahm und ihr ein Top-Renommee verschaffte.

Solheim selbst versteht die Kritik an seinem Jetset-Leben übrigens nicht. Er habe so viel herumdüsen müssen, um die Arbeit von Unep sichtbarer zu machen, rechtfertigte er sich. Seine drei "Vielflieger"-Karten, derer er sich brüstete, wird er demnächst nicht mehr so oft nutzen können, jedenfalls nicht dienstlich.

Joachim Wille ist Chefredakteur des Onlinemagazins Klimareporter°.

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