"Was bedeutet Glück für Sie?"

Der Dokumentarfilm "What Happiness Is" begleitet ein einzigartiges Projekt zur angewandten Glücksforschung in Bhutan. Das materiell arme, lange abgeschottete Land im Himalaya will sich öffnen, ohne Materialismus und Wachstumszwang zu erliegen. Doch die regierungsamtliche Fragebogenaktion kommt zu unerwarteten Ergebnissen.


Bäuerin schaut skeptisch und überlegt, bevor sie der Regierungsbeamtin antwortet.
"Was macht Sie glücklich?", fragt die Glücksermittlerin. "Elektrizität und ein Handymast", antwortet diese Bäuerin. "Jetzt können wir überallhin telefonieren." (Foto: Kinostar Filmverleih)

"Was brauchen Sie persönlich, um richtig glücklich zu sein?", fragen in Harald Friedls neuem Dokumentarfilm die Glücksermittler der bhutanischen Regierung die Bürger. Nach dem erfolgreichen Start in Friedls Heimatland Österreich im vergangenen Dezember kommt "What Happines Is" in diesem Sommer auch hierzulande ins Kino. Der Film über ein einzigartiges Projekt zur angewandten Glücksforschung könnte die etwas erlahmte Wachstumsdebatte in Deutschland neu beleben. 

Der Fragebogen aus dem Glücksministerium von Bhutan enthält ungefähr tausend Fragen. 7.000 zufällig ausgewählte Einwohner haben sie im vergangenen Jahr beantwortet, ein Prozent der Bevölkerung. Etwa drei Stunden dauert so eine Befragung, die Antwortenden bleiben anonym. Die Fragen drehen sich um Wünsche und Sehnsüchte, um Arbeit und Infrastruktur, Spiritualität und Privatleben. 

Der Dokumentarfilm begleitet die Glücksbeamten durch das buddhistische Königreich – acht Monate lang, aus denen im Film 90 Minuten werden. Hinter dem "vermutlich größten Sozialforschungsprojekt der Welt", wie es ein Befrager nennt, steht das Konzept des Bruttonationalglücks, für das Bhutan inzwischen weithin bekannt ist. Das materiell arme, lange abgeschottete Land im Himalaya will sich der Welt öffnen, ohne dem Materialismus und dem Wachstumszwang zu erliegen. 

Raum für eigene Gedanken

Was die ausgefüllten Fragebögen über das Leben und die Wünsche der Bevölkerung verraten, soll die weitere Entwicklung des Landes bestimmen, in dem es zwar neuerdings Fernsehen und Mobilfunk, aber nach wie vor keine Fastfood-Restaurants und kaum Plastik gibt. Seit 2008 steht das Bruttonationalglück auch in Bhutans neuer Verfassung, andere Staaten sind dem Beispiel gefolgt.

Einige Ergebnisse der Fragebogenaktion sind überraschend. 41 Prozent der Befragten bezeichnen sich als glücklich. Männer sind glücklicher als Frauen, Junge glücklicher als Alte und Menschen mit Bildung glücklicher als Ungebildete. Arbeitslose sind glücklicher als Arbeiter und Bauern, Singles glücklicher als Verheiratete. Friedls Film geht aber über die Befragungen hinaus, er interessiert sich auch für Fußnoten und stellt Fragen, die nicht im Fragebogen stehen. 

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Fragen stellt sich auch der Zuschauer bei diesem Film, der genug Platz für eigene Gedanken und Gefühle lässt. Muss Entwicklung wirklich so aussehen, wie sie in den reichen Staaten vorgemacht und in den meisten armen angestrebt wird? Was bedeutet eigentlich Glück für mich? An manchen Stellen kann der Film regelrecht beschämen, ohne je belehrend zu sein.

"What Happiness Is – Auf der Suche nach dem Glück" kommt am 1. August bundesweit in die Kinos 

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