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Hitze schürt Hass

Temperaturen, die außerhalb des Wohlfühlbereichs zwischen zwölf und 21 Grad liegen, sind laut einer Studie mit einem deutlichen aggressiveren Online-Verhalten verbunden. Dagegen helfen offenbar nicht einmal Klimaanlagen.


Ein Smartphone liegt auf einer Holzoberfläche in der Sonne.
Natürlich hat Online-Hass auch noch andere Ursachen als die Temperatur. (Foto: Pakkaporn Chaisalee/​Shutterstock)

Hass im Internet nimmt zu. Das zeigen Studien seit Jahren.

In Deutschland, so eine Umfrage aus dem vorigen Jahr, erleben mehr als drei Viertel der Internetnutzer Hass-Äußerungen, wenn sie ihre Mails checken, Twitter-Nachrichten lesen oder auf sonstigen Kanälen mit den durchgedrehten Ergüssen enthemmter Zeitgenossen konfrontiert werden.

In einer aktuellen Befragung gaben 24 Prozent an, sie hätten sogar schon einmal Beleidigungen, Drohungen oder andere Hasstiraden erfahren, die der eigenen Person galten. So wie der Autor dieser Zeilen, dem ein Leserbriefschreiber wegen eines missliebigen Kommentars den Tod an den Hals wünschte ...

Einen Schub beim Hass im Netz gab es gemäß der letztjährigen Umfrage wegen Corona. Es war wohl so: Der Zorn, einsam oder nur mit der Familie zu Hause sitzen zu müssen, entlud sich in noch mehr bösen Online-Invektiven. Nun aber kommt eine weitere Erklärung hinzu, warum immer mehr Leute viral durchdrehen: Ihnen wird zu heiß.

Ein Team des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) hat das herausgefunden. Temperaturen, die über dem Wohlfühlbereich von zwölf bis 21 Grad Celsius liegen, sind mit einem deutlichen Anstieg aggressiven Online-Verhaltens verbunden, so das Ergebnis einer neuen Studie.

Dafür wurden aus mehr als vier Milliarden Twitter-Postings von US-Internetnutzern per Algorithmus Hass-Äußerungen aufgespürt und mit Wetterdaten korreliert. Es zeigte sich: Sowohl die absolute Zahl als auch der Anteil der Hass-Tweets stieg außerhalb dieses Temperatur-Komfortbereichs – und zwar in allen Klimazonen, Einkommensgruppen und Glaubenssystemen.

Die Leute drehen schneller durch, wenn es ungemütlich wird. Das gilt zwar auch, wenn es zu kalt ist. Da die Temperaturen wegen des Klimawandels aber weltweit weiter steigen, liegt eindeutig hier das Problem.

Die PIK-Forscher befürchten, dass die Konflikte, die zunehmend in der digitalen Welt ausgetragen werden, sich sowohl auf den gesellschaftlichen Zusammenhalt als auch auf die psychische Gesundheit der Betroffenen auswirken können.

Joachim Wille ist Co-Chefredakteur des Online-Magazins Klimareporter°.

Was tun? Jedem eine Klimaanlage spendieren? Ziemlich teuer und Erfolg nicht garantiert, wie das PIK-Team herausfand. Denn auch dort, wo in reichen Regionen Klimatisierung in Häusern üblich ist, stieg der Hitze-Hass.

Also: Den Klimawandel strikt bekämpfen, zudem mehr Online-Anti-Hass-Therapien anbieten. Denn darauf zu setzen, dass es bald so heiß wird, dass selbst das Hassen zu anstrengend wird, ist keine Lösung.

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