Ein Hitzerekord nach dem anderen

Zwei Rekord-Monate in Folge wie jetzt in Brandenburg und Berlin sind äußerst selten, sagen Meteorologen. Durch den Klimawandel dürften Hitzeperioden weiter zunehmen. Dass dazu auch heftige Regenfälle gehören, ist für Klimaforscher kein Widerspruch.


Wolkenverhangener Himmel
Starkregenereignisse werden mit fortschreitendem Klimawandel häufiger. (Foto: Jan Mallander/​Pixabay)

Gerade noch hatte das Wetter den Berlinern und Brandenburgern eine Verschnaufpause gegönnt. Nach anhaltend hochsommerlichen Temperaturen von 30 Grad und mehr sorgten Gewitter und Regen am vergangenen Sonntag für Abkühlung. Doch heute soll das Thermometer wieder nach oben klettern. "In Potsdam erreichen die Temperaturen am Samstag 27 Grad", sagte eine Sprecherin des Deutschen Wetterdienstes (DWD) gegenüber Klimareporter°. Das wären sieben Grad über dem langjährigen Mittelwert der vergangenen 30 Jahre. Auch wenn die Temperaturen danach wieder leicht sinken sollen, ist es der Sprecherin zufolge im Vergleich zum Klima-Mittel noch immer zu warm.

Schon seit Wochen ist das Wetter außergewöhnlich warm. Die meisten DWD-Messstationen meldeten im Mai neue Rekordtemperaturen. Mit einem Temperaturschnitt von 16 Grad war der Mai fast vier Grad wärmer als der Durchschnitt der Referenzperiode 1961 bis 1990. Damit war der diesjährige Mai der heißeste seit 1881. Vor allem in der Hauptstadt bekamen das die Menschen zu spüren. Berlin war das Bundesland mit den höchsten Temperaturen im Mittel, auch wenn die Messgeräte dort laut dem DWD-Meteorologen Bodo Wichura keine neuen Temperaturrekorde verzeichneten.

Rekordverdächtig war das Wetter hierzulande auch schon im April. Seit Beginn der Aufzeichnungen 1881 war kein April so warm wie der diesjährige. Die Durchschnittstemperatur lag bundesweit bei 12,4 Grad, fünf Grad über dem langjährigen Mittelwert. Berlin und Brandenburg teilten sich im April die Spitzenplätze eins und zwei der wärmsten Bundesländer.

"Zwei wärmste Monate in Folge, das gab es noch nicht seit Beginn von Wetteraufzeichnungen 1880", sagt der Meteorologe Peter Hoffmann vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK). Dass zwei Monate in Folge neue Temperaturrekorde in Deutschland aufstellen, ist ein ausgesprochen seltenes Ereignis, bestätigt auch der Wetterdienst. Allerdings folgten laut DWD im November und Dezember 2015 zwei Monate mit neuen Temperaturrekorden aufeinander.

Viel zu tun für Feuerwehren

Die anhaltend hohen Temperaturen hielten auch Bauern und Feuerwehren auf Trab. "In manchen Regionen gab es im gesamten Monat Mai keine Niederschläge", sagt Tino Erstling vom Landesbauernverband Brandenburg. Besonders betroffen sei der Landkreis Ostprignitz-Ruppin, wo die Betriebe mit erheblichen Ertragseinbußen rechnen. In Berlin-Brandenburg gab es im Durchschnitt nur 20,3 Millimeter Niederschläge im Mai. Das ist deutlich weniger als der langjährige Mittelwert von rund 55 Millimetern, den der DWD von 1981 bis 2010 für die beiden Länder gemessen hat.

Wegen der langen Trockenheit mussten die örtlichen Feuerwehren immer wieder ausrücken, um Brände in Waldgebieten zu löschen. "In diesem Jahr sind schon 160 Brandmeldungen in Brandenburg aufgelaufen", sagt der Waldbrandschutzbeauftragte Raimund Engel. Im gesamten letzten Jahr zählte er brandenburgweit gerade mal 138 Waldbrand-Meldungen. Noch sei die Lage nicht besonders kritisch. "Aber die richtig heißen Monate stehen uns noch bevor", gibt Engel zu bedenken.

Sollte sich der gegenwärtige Trend fortsetzen, müssen sich die Feuerwehren in diesem Jahr auf jede Menge Arbeit einstellen. Allerdings habe sich die Früherkennung von Bränden deutlich verbessert, seitdem in Brandenburgs Wäldern flächendeckend Sensoren zur Branderkennung eingesetzt werden, sagt Engel. Diese seien genauer als das menschliche Auge und könnten selbst 20 Kilometer entfernte Brände registrieren.

Klimawandel lässt Temperaturen weiter steigen

Die gegenwärtigen Phänomene sind mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit eine Folge des Klimawandels. "Da sich die Arktis doppelt so stark erwärmt wie der globale Durchschnitt, verringern sich dadurch die Temperaturunterschiede zwischen Pol und Äquator", erläutert PIK-Meteorologe Hoffmann. Vor allem im Sommerhalbjahr komme es deshalb zur Abschwächung der Westwinde in unseren Breiten. "Somit können Hochs und Tiefs über Europa länger an Ort und Stelle verweilen", sagt Hoffmann. Diese Entwicklung begünstige sowohl Hitzewellen als auch Phasen mit wiederkehrenden Starkregenereignissen.

Einzelne Wetterlagen bestätigen zwar noch lange keinen Trend. Allerdings erhärten die jüngste Hitzewelle und die damit einhergehenden Unwetter die Annahmen der Klimawissenschaftler zum fortschreitenden Klimawandel: Die Temperaturen werden weiter steigen. Einerseits werden Trockenperioden zunehmen, andererseits werden Starkregenereignisse häufiger und intensiver. Für Klimawissenschaftler kein Widerspruch, da sich hier unterschiedliche Auswirkungen der Erderwärmung zeigen.

"Viele regionale Klimasimulationen für Europa, Deutschland und Brandenburg zeigen uns deutlicher als jemals zuvor, wohin der Weg geht, wenn wir weitermachen wie bisher und den Klimaschutz nicht ernst genug nehmen", warnt Peter Hoffmann vom PIK. Laut einer Untersuchung des renommierten Potsdamer Instituts hat sich die Jahresdurchschnittstemperatur in der Region Brandenburg-Berlin bereits um ein Grad erhöht. "Zwei Grad mehr bis zur Mitte des Jahrhunderts und vier Grad mehr bis 2100 gegenüber dem Zeitraum 1971 bis 2000 werden dann wahrscheinlich", sagt Hoffmann. Extreme Hitzesommer wie 2003 würden dann in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts zur Normalität gehören.

Auch die Verteilung der Regenmengen wird sich den Klimamodellen zufolge über das Jahr verändern. "Intensivere Niederschläge an weniger Tagen im Jahr erhöhen die Risiken sowohl für Trockenheit als auch für lokale Überschwemmungen nach Starkregen", sagt Hoffmann. Keine Region in Deutschland sei davor sicher.

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