Das Fleisch der Zukunft

Pflanzliche Fleischalternativen haben schon einen Marktanteil von sechs Prozent. Welche Rolle die unterschiedlichen Produkte künftig in der Ernährung spielen könnten, hat das Umweltbundesamt jetzt untersuchen lassen. Vor allem der Vergleich zu Rindfleisch ist frappant.


Köttbullar
"Plantbullar" aus Erbsen, Hafer, Äpfeln und Kartoffeln verkauft ein schwedisches Möbelhaus bald in hiesigen Filialen – günstiger als Köttbullar. (Foto: Maximilian Richt/​Wikimedia Commons)

Knapp 60 Kilo Fleisch essen Durchschnittsdeutsche pro Jahr. Zwar geht der Konsum allmählich zurück. Doch Steaks, Bratwurst und Burger sind weiter beliebt. Beliebter, als es der Gesundheit und der Umwelt guttut.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung fordert seit Langem eine Halbierung des Verbrauchs, und die internationale EAT-Lancet-Kommission hat 2019 sogar zu einer Absenkung auf 15 Kilo geraten. Erst dann sei die Ernährung weltweit gesund und nachhaltig zu sichern.

Das ist ein weiter Weg. Aber immerhin: Vegetarische Wurst, Schnitzel oder Frikadellen werden immer beliebter, in Deutschland haben sie laut Umweltbundesamt (UBA) schon einen Marktanteil von sechs Prozent.

Vielen, die auf die klassische Menüstruktur – Fleisch plus Sättigungsbeilage – nicht verzichten wollen, helfen sie, die Ernährung umzustellen. Zumal viele "Ersatz-Produkte" inzwischen richtig gut schmecken. Gar nicht mehr wie Ersatz.

Das UBA hat jetzt untersuchen lassen, welche Rolle das "Fleisch der Zukunft" in der Ernährung spielen könnte. Ergebnis: Schnitzel und Co auf pflanzlicher Basis – etwa aus Soja, Weizen oder Erbsen – schneidet aus Umweltsicht am besten ab.

Vor allem der Vergleich zu Rindfleisch ist frappant. Es entsteht dabei weniger als ein Zehntel der Treibhausgase. Konkret: In der Produktion von einem Kilogramm Soja-"Fleisch" werden 2,8 Kilo CO2 und Co ausgestoßen, bei Rindfleisch sind es 30,5 Kilo, bei Schweinefleisch 4,1 und bei Geflügel 4,3. Zudem ist der Wasser- und Flächenverbrauch der Veggie-Alternativen geringer.

Laborfleisch schwer abzuschätzen

Fleischersatz auf Insektenbasis könnte übrigens auch eine Alternative sein, zeigt die Studie – falls denn das Akzeptanzproblem zu lösen ist. Der CO2-Ausstoß liegt nur knapp über dem von Sojaprodukten, der Wasser- und Landverbrauch ist ebenfalls günstig.

Ob das auch für das In-vitro-Fleisch gilt, das in Nährstofflösungen aus echten Fleischzellen gezüchtet wird, ist dagegen noch offen. Es ist noch nicht am Markt verfügbar, daher seien die Umweltfolgen schwer abzuschätzen.

Joachim Wille ist Chefredakteur des Online-Magazins Klimareporter°.

UBA-Präsident Dirk Messner hat recht, wenn er sagt, Fleischersatz könne eine große Rolle bei der besseren Ernährung spielen.

Und auch, wenn er meint: "Solange der Preis der Lebensmittel aber nicht auch die Umweltschäden widerspiegelt, wird das billige Nackensteak weiter den Vorzug vor einem Sojaschnitzel bekommen. Hier ist die Politik gefragt, Rahmenbedingungen zu verändern."

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