Kohle ist dreimal so teuer wie im Januar

Braucht Deutschland eine nationale Kohlereserve? Derzeit prüft das Wirtschafts- und Klimaministerium diese Frage. Hintergrund ist der große Anteil Russlands an den Kohleimporten der EU. Der Kohleverbrauch wird dieses Jahr weltweit steigen. 


Vorderer Teil eines oben schwarz und unten rot angestrichenen Kohlefrachters, daneben ein kleiner Schlepper, ganz im Hintergrund Hafenanlagen.
Japanischer Kohlefrachter im Hafen von Newcastle im Südwesten Australiens: Steinkohle wird vor allem per Schiff transportiert. (Foto: Daniel Norris/​Unsplash)

Der Weltmarktpreis für Kohle hat sich seit Beginn des Jahres verdreifacht. Im Januar kostete die Tonne Steinkohle für die Stromerzeugung im australischen Hafen Newcastle noch 140 US-Dollar. Mittlerweile liegt dieser Preis bei 420 Dollar.

Diese massive Steigerung ist wahrscheinlich auch keine kurzfristige Preisspitze, wie die Preise für "Kohlefutures" zeigen. Der Markt erwartet, dass der Preis für den Rest des Jahres deutlich über 300 Dollar bleibt und erst gegen Ende 2023 wieder auf dem Niveau vom vergangenen Januar liegen wird.

Der Grund für die Marktturbulenzen sind Russlands Angriff auf die Ukraine und die westlichen Sanktionen gegen das Land. Russland ist der drittgrößte Kohleexporteur der Welt mit einem Anteil von 18 Prozent am Weltmarkt für Kohle zur Energieerzeugung und zwölf Prozent am Weltmarkt für Kokskohle zur Stahlproduktion.

Die Abhängigkeit der EU von Russland ist allerdings deutlich größer: Die Hälfte aller EU-Kohleimporte kommt aus Russland. Noch sind Energieimporte von den Sanktionen ausgenommen. Aber selbst wenn das so bleibt, ist nicht damit zu rechnen, dass in den kommenden Monaten noch nennenswerte Mengen an russischer Kohle importiert werden.

Gestörter Seeetransport

Während das meiste Gas und ein Drittel des Öls aus Russland per Pipeline in die EU transportiert werden, kommt Kohle meist auf dem Seeweg. Doch Reeder verlangen nun exorbitante Preise für Transporte von und nach Russland, wenn sie überhaupt noch bereit sind, das Land anzusteuern.

So bietet etwa die größte Containerreederei der Welt, Maersk, keine Transporte mehr nach Russland an. Aus diesem Grund hat Wirtschafts- und Klimaminister Robert Habeck vor einer Woche angekündigt zu prüfen, ob Deutschland eine nationale Kohlereserve benötigt.

Der deutsche Verein der Kohleimporteure sieht dafür allerdings keinen Bedarf. "Steinkohleimporte aus Russland können in wenigen Monaten vollständig durch andere Länder ersetzt werden, insbesondere die USA, Kolumbien und Südafrika", sagte Vereinschef Alexander Bethe.

"Es gibt einen gut funktionierenden, liquiden Weltmarkt. Es sind ausreichende Mengen vorhanden", so Bethe. Deutschland habe im vergangenen Jahr rund 18 Millionen Tonnen Steinkohle aus Russland importiert. "Das sind nur rund zwei Prozent des gesamten Welthandels."

Auch von qualitativen Eigenschaften russischer Kohle sei Deutschland nicht abhängig. Während Ölraffinerien auf einen ganz bestimmten Typ Öl ausgelegt sind, können verschiedene Kohlequalitäten gemischt werden, um die gewünschten Eigenschaften wie Energie- oder Schwefelgehalt zu erzielen.

Entwicklungsländer leiden am meisten

Teuer bleibt Kohle trotzdem. Zum einen wird ein Teil der russischen Exporte komplett wegfallen, weil auch andere Länder wie China ihre Importe drosseln. Banken weigern sich, Importe aus Russland zu finanzieren, weil sie befürchten, die Sanktionen zu verletzen. Versicherer fürchten um ihren Ruf, wenn sie weiter mit Russland Geschäfte machen und Reeder riskieren im schlimmsten Fall ihre Schiffe, wenn diese unter Beschuss geraten.

Zum anderen wird der Kohleverbrauch dieses Jahr weltweit steigen. Der Gaspreis ist auf einem Rekordniveau und in den kommenden Monaten sollen vor allem Kohlemeiler die Stromproduktion in der EU sicherstellen, damit mit dem vorhandenen Gas eine europäische Gasreserve für den kommenden Winter angelegt werden kann.

Wie bei den hohen Öl-, Gas- und Nahrungsmittelpreisen werden auch unter dem hohen Kohlepreis vor allem importabhängige Entwicklungsländer leiden. Sie sind von der Krise gleich doppelt betroffen: durch die hohen Preise und wegen des krisenbedingt starken US-Dollar. Dieser ist seit Jahresbeginn von 88 auf 92 Eurocent gestiegen.

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