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Blackout-Gefahr der Bitcoin-Schürfer

Kryptowährungen haben die Energiekrisen in Kasachstan und Kosovo akut verschärft. In Kasachstan führte das zu schweren politischen Unruhen. In Kosovo verbot die Regierung das energieintensive Krypto-Mining – wie zuvor bereits in China geschehen.


In einer dunklen Halle stehen an einer Wand grün leuchtende Computer in sechs Etagen.
Mining-Farm für Bitcoins: Rentabel, solange Energie billig ist. (Foto: Marko Ahtisaari/​Wikimedia Commons)
 

Kryptowährungen wie Bitcoin und Ethereum boomen. Die Anleger hoffen auf hohe Gewinne. Dass das Digitalgeld wegen des hohen Energieverbrauchs beim "Schürfen" der Coins große Umwelt- und Klimaschäden verursacht, spielt kaum eine Rolle. Die Unruhen in Kasachstan und Stromausfälle in Kosovo werfen nun allerdings ein Schlaglicht darauf.

Die schwere politische Krise in der früheren Sowjetrepublik Kasachstan, die bereits Dutzende Tote gefordert hat, ist vor allem durch gestiegene Treibstoffpreise ausgelöst worden. Die Krise könnte Auswirkungen bis nach Deutschland haben, das zehn Prozent seines Erdöls aus Kasachstan bezieht.

Doch auch die Stromversorgung des zentralasiatischen Landes ist in einer kritischen Lage. Seit Wintereinbruch gab es mehrfach Ausfälle von Kraftwerken wegen Überlast im Netz, offenbar auch ausgelöst durch Krypto-Miner. Laut der Energiebehörde in Almaty waren sie zeitweise für acht Prozent des Stromverbrauchs verantwortlich.

Es ist kaum bekannt: Kasachstan ist nach den USA der zweitwichtigste Standort weltweit für Krypto-Miner. Laut der britischen Universität Cambridge, die einen Index zum Bitcoin-Energieverbrauch aufstellt, entfiel Mitte 2021 fast ein Fünftel der weltweiten Bitcoin-Rechenpower auf das Land.

Energiefresser

Lange Zeit war China die Nummer eins beim Schürfen. Die Regierung in Peking verschärfte die Regulierung des Minings im vorigen Sommer allerdings drastisch, weswegen die Schürfer abwanderten – unter anderem nach Iran und eben Kasachstan, wo extrem niedrige Strompreise lockten.

Neue Krypto-Coins werden durch aufwändige Rechenoperationen geschaffen, für die große Computerkapazitäten in den sogenannten Mining-Pools nötig sind. Laut den Cambridger Forschern betrug der Stromverbrauch allein für das Bitcoin-Schürfen im vergangenen Monat weltweit rund 10,3 Milliarden Kilowattstunden, hochgerechnet aufs Jahr also fast 125 Milliarden, mehr als der gesamte Stromverbrauch der Niederlande oder Argentiniens.

Experten schätzen, dass alle Kryptowährungen zusammen sich der Marke von 200 Milliarden Kilowattstunden pro Jahr nähern. Das entspricht mehr als einem Drittel des Stromabsatzes in Deutschland.

Kasachstans Regierung kappte aufgrund der Unruhen in der vorigen Woche zeitweise das Internet, was die Arbeit der Miner verunmöglichte, die auf eine Verbindung ins Netz angewiesen sind. Die "Hashrate", eine Maßeinheit für die verwendete Rechenleistung, sei in großen Schürfergruppen daraufhin zeitweise um 14 Prozent gefallen, berichtete Reuters.

Kasachstans Präsident Kassym-Schomart Tokajew kündigte allerdings an, die Internetverbindung solle zumindest in den Regionen des Landes, wo die Lage stabil sei, wiederhergestellt werden.

Stromabschaltungen

In Kosovo hatte die Regierung Anfang Januar ein Verbot für das Krypto-Schürfen verhängt, um den Stromverbrauch in dem von einer Energiekrise heimgesuchten Land zu senken. Am vergangenen Wochenende beschlagnahmte die Polizei dann 272 Krypto-Computer, die in einem Dorf im Norden des Landes betrieben worden waren.

Rauchendes Kohlekraftwerk neben einer Siedlung, über ein Feld aufgenommen.
Im Braunkohlekraftwerk Obiliq in Kosovo fiel ein Block aus. (Foto: John Worth/​Wikimedia Commons)

Die Geräte verbrauchten so viel Strom wie 500 Haushalte, erklärte Finanzminister Hekuran Murati. "Wir können die illegale Bereicherung einiger Menschen auf Kosten der Steuerzahler nicht zulassen", fügte er hinzu.

Kosovo importiert über 40 Prozent seiner Energie, die Preise hierfür sind stark gestiegen. Ende vorigen Jahres hatte die Regierung in Pristina regionale Stromabschaltungen eingeführt, unter anderem wegen ausgefallener Kohlekraftwerke.

Für Aufregung bei den Bitcoin-Anlegern sorgte derweil, dass der Kurs der Kryptowährung abstürzte. Vorige Woche fiel er auf rund 36.500 Euro und damit auf den niedrigsten Stand seit über einem Vierteljahr. Im November waren es beim Allzeithoch rund 58.300 Euro gewesen, seither verlor der Bitcoin rund 40 Prozent.

Den Grund sehen Experten allerdings nicht in der Kasachstan-Krise, sondern vor allem in der Geldpolitik der US-Notenbank, die steigende Zinsen erwarten lässt. Dies drückt im Allgemeinen die Kurse des Kryptogelds.

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