Tintenfisch und Hunger

Ob Getreide, Wein oder Fisch: Der Klimawandel beeinflussst auch, wo unsere Lebensmittel künftig herkommen. Was für die Reichen dieser Erde eher ein Luxusproblem ist, droht die Lebensmittelsituation in ohnehin schon benachteiligten Regionen weiter zu verschlimmern.


Tintenfische zum Trocknen auf der Leine
Der Klimawandel machts möglich: Tintenfisch wird jetzt auch in der Nordsee gefangen. (Foto: Greg Montani/Pixabay)

So weit ist es schon: Es gibt weniger Kabeljau, dafür mehr Tintenfisch. Für denjenigen, der den Speisefisch aus dem Nordatlantik gerne isst, dem der Kopffüßer aber nicht so recht munden mag, ist das ein Problem. Verhungern aber muss er nicht.

Auch wenn der Bordeaux nicht mehr schmeckt, weil die Trauben in Frankreichs Südwesten früher geerntet werden müssen und der Alkoholgehalt steigt, ist das eine Herausforderung – für die Bordeaux-Trinker und ebenso die Winzer, die ihn anbauen. Doch existenziell ist auch das nicht. Es sind eher Luxusprobleme der Reichen dieser Erde.

Von ganz anderer Qualität sind die Folgen, die der Klimawandel für die Armen auf dem Globus haben wird – und zum Teil schon hat. Darauf hat jetzt die New Yorker Agentur Bloomberg in einer Analyse hingewiesen, die facettenreich aufzeigt, wie die Erderwärmung die globale Produktion von Lebensmitteln auf den Kopf stellt.

Die Länder im Süden, ohnehin ökonomisch benachteiligt, werden noch öfter als heute schon mit Dürren und Überflutungen und damit einer Destabilisierung der Nahrungsmittelproduktion zu tun bekommen.

Doch die Sache ist noch ungerechter. Einige Weltregionen, darunter der Norden der USA oder osteuropäische Länder, werden sogar profitieren. Dort steigen zum Beispiel die Getreideerträge, weil die Vegetationsperiode sich verlängert – während in den "Süd-Staaten" deutlich mehr Menschen unter dem Klimawandel leiden müssen. Extreme Regenfälle schwemmen Ackerböden davon, Schädlinge vermehren sich stärker, es sinkt der Nährstoffgehalt von Feldfrüchten. Preissprünge für Grundnahrungsmittel drohen – eine zusätzliche Gefahr für politische und soziale Stabilität in vielen Ländern.

Auch kuriose Dinge zeigt die Bloomberg-Analyse. Zum Beispiel, dass es das typisch britische Fish-and-Chips-Menü schon nicht mehr gäbe, wenn der Kabeljau dafür nicht aus Island, Norwegen oder sogar China herangeschafft würde. Die Fänge in Nordsee und Atlantik brechen ein, weil das Wasser dort zu warm geworden ist. Dafür holen die Trawler dort nun Tintenfische und Sardellen heraus. "Wenn wir Urlaub in Spanien machen, essen wir oft Fische aus Großbritannien", zitiert Bloomberg einen Professor von der Universität im südenglischen Exeter.

Joachim Wille ist Chefredakteur des Online-Magazins klimareporter

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