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Plaste on the Rocks

Riesige Mengen Plastik treiben in den Weltmeeren, bilden Müllstrudel mit erschreckenden Ausmaßen. Selbst im arktischen Eis lassen sich die Kunststoffe jetzt in hohen Konzentrationen nachweisen.


Hier wird geprüft wie viel Plastik sich im Eis befindet.
Untersuchung einer Bohrkernprobe: Wie viel Plastik steckt im Eis? Polarforscher haben in verschiedenen Arktisregionen Proben genommen und nachgezählt. (Foto: Tristan Vankann/​AWI)

Plastikmüll im Packeis? Gigantische Mengen Kunststoff schwimmen in den Weltmeeren herum und bilden dort Müllstrudel, die teils so groß wie Mitteleuropa sind. Das ist bekannt. Auch weiß man, dass fein zerriebenes Mikroplastik sich fast überall im Wasser von Flüssen und Meeren sowie in den Sedimenten findet.

Doch nun diese Mitteilung: Sogar in arktischen Eisschollen haben Polarforscher die Kunststoff-Partikel gefunden – und zwar in erschreckenden Mengen. Mancherorts stecken in einem Liter Packeis bis zu 12.000 Körnchen Mikroplastik – das war der Rekord bei den Messungen.

Wenn noch ein Beleg gefehlt hat, dass das Plastikmüll-Problem solche Dimensionen angenommen hat, dass die Weltgemeinschaft sich gemeinsam darum kümmern muss, dann ist er jetzt da. "Wir hielten die Messwerte zunächst nicht für möglich", sagte die Meeresbiologin Ilka Peeken, die an der Untersuchung beteiligt war und am Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven zusammen mit Kollegen den Einfluss des Klimawandels auf polare Biotope erforscht. Doch sie stimmten eben.

Der größte Teil der Plastikfracht stammt vermutlich aus dem größten der fünf Rieselstrudel in den Weltmeeren, dem "Great Pacific Garbage Patch", er wird herangeschwemmt über die Beringstraße. Doch anders, als man vermuten könnte, ist das arktische Packeis kein Endlager für den Müll. Es ist sogar eine Art globales Verteilzentrum dafür. Das Eis rund um den Nordpol ist nämlich nicht statisch festgefroren, sondern die Schollen wandern von dort allmählich in den Atlantik, wobei sie langsam abschmelzen und ihre Kunststofffracht wieder ins Wasser entlassen.

Joachim Wille ist Chefredakteur des Online-Magazins Klimareporter°.

Das macht klar: Es ist keine Lösung abzuwarten, bis feststeht, ob die globale Plastikverseuchung auch dem Menschen direkt schadet, der das Mikroplastik womöglich mit seiner nächsten "gesunden" Fischmahlzeit auf den Teller bekommt. Viele Aktionen sind nötig, um den Plastikmüll zurückzudrängen – von der Verbraucheraufklärung über bessere Sammel- und Recyclingsysteme bis zur Einführung von bioabbaubarem Kunststoff. Und als Rahmen dafür braucht es analog zur Welt-Klima-Konvention eine Welt-Plastik-Konvention, die alle Staaten zur Entmüllung des Planeten verpflichtet.

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