Feuchtgebiete auf dem Trockenen

Für das Klima gehören Feuchtgebiete zu den wichtigsten Biotopen. Dennoch genießen sie nur einen lückenhaften Schutz, auch in Deutschland. Die vor 50 Jahren verabschiedete internationale Ramsar-Konvention konnte den Schwund nicht stoppen.


Brände im Pantanal
Aufnahme vom 8. März 2020: Der Nasa-Satellit Terra dokumentiert die Brände im Pantanal. (Foto: NASA)

Die Feuchtgebiete sind unter Druck. Während weltweit 60 Prozent aller Ökosysteme bedroht sind, ist die Situation für Feuchtgebiete noch dramatischer.

"74 Prozent der Feuchtgebiete sind gefährdet. Sie verschwinden mit einer weitaus größeren Geschwindigkeit wie die Wälder weltweit", sagt Udo Gattenlöhner, Geschäftsführer der Umweltorganisation Global Nature Fund (GNF).

Dabei sind intakte Feuchtgebiete wertvolle Lebensräume für viele Pflanzen- und Tierarten. Weil sich hier besonders viel Leben tummelt, gelten sie als Hotspots für die Artenvielfalt.

Fürs Klimasystem sind Feuchtgebiete enorm wichtig, allerdings wurde ihre Rolle bei der Kohlenstoffbindung und -speicherung lange unterschätzt. Sie bedecken etwa sechs bis neun Prozent der Erdoberfläche und enthalten circa 35 Prozent des globalen terrestrischen Kohlenstoffs. Werden sie zerstört, werden große Mengen Treibhausgase in die Atmosphäre freigesetzt.

Um auf den schlechten Zustand besonders gefährdeter Feuchtgebiete aufmerksam zu machen, rufen die GNF und das Netzwerk Living Lakes jährlich einen "Bedrohten See des Jahres" aus. Dieses Jahr wählten die Organisationen erneut das Pantanal in Südamerika für diesen Titel aus. Schon 2004 war das Feuchtgebiet im Westen von Brasilien, Bolivien und Paraguay bedrohter See des Jahres.

Mit 230.000 Quadratkilometern ist das Pantanal das größte Binnenland-Feuchtgebiet weltweit. Doch der vergangene brasilianische Sommer war besonders trocken. "Zwischen Oktober 2019 und März 2020 fielen nur 40 Prozent der üblichen Niederschlagsmenge im Pantanal", sagt Bettina Schmidt vom GNF. Das sei der trockenste Sommer seit beinahe 50 Jahren gewesen.

Besonders verheerend waren die tausenden Feuer, die in der Region gezählt wurden. Zwischen Januar und Oktober 2020 wurden im Pantanal 11.000 Brände gemeldet. Mindestens ein Viertel der Region wurde von den Flammen zerstört.

Dass es im Pantanal gelegentlich brennt, ist nicht ungewöhnlich. Doch mit Brandrodung machen auch Bäuer:innen ihre Anbauflächen urbar. Immer häufiger springen die Feuer auch auf naturbelassene Flächen über. Anhaltende Dürren als Folge des Klimawandels haben das Pantanal zudem stark ausgetrocknet, sodass sich Feuer leichter ausbreiten können.

Wissenschaftler:innen zufolge ist ein Großteil der verheerenden Brände des vergangenen Jahres auf Brandstiftung zurückzuführen, damit sollen neue Anbauflächen erschlossen werden. Für die Haltung von Vieh, aber auch für den Anbau von Soja und Zuckerrohr werden immer neue Fläche beansprucht.

"Deutschland zerstört diese Super-Ökosysteme"

In diesem Jahr feiert das internationale Übereinkommen zum Schutz von Feuchtgebieten, die Ramsar-Konvention, sein 50-jähriges Bestehen. Es ist das älteste und bedeutendste globale Naturschutzabkommen. Bislang wurde die Konvention von mehr als 170 Staaten unterzeichnet.

Doch die Bestimmungen der Ramsar-Konvention sind relativ allgemein gehalten. Staaten, die dem Abkommen beitreten, verpflichten sich, mindestens ein Feuchtgebiet zu benennen sowie für den Erhalt der Feuchtgebiete zu sorgen.

Für den Schutz der Feuchtgebiete auf der Welt, aber auch hierzulande, ist das zu wenig, sagen Umweltpolitiker:innen. "In Deutschland werden auch 50 Jahre nach Verabschiedung der Ramsar-Konvention diese Super-Ökosysteme weiterhin zerstört: Moore werden entwässert und Auen vernichtet", kritisiert Steffi Lemke, Bundestagsabgeordnete der Grünen. Besonders wertvolle Ökosysteme müssten strenger geschützt, zerstörte Naturgebiete wo immer möglich wiederhergestellt werden.

"Wir fordern deshalb, Investitionen in den natürlichen Klimaschutz: Moore wiedervernässen, Flussauen renaturieren und Seegraswiesen stärken", sagt Lemke. "So kann Kohlenstoff über Jahrzehnte in der Erde gespeichert und gleichzeitig das Arten-Aussterben gestoppt werden."

Zehn Prozent des Energie- und Klimafonds des Bundes sollen deshalb nach dem Willen der Grünen in natürlichen Klimaschutz investiert werden.

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