Das Wasser steigt. Aber wie schnell?

Ein neu für Nord- und Ostsee entwickelter "Meeresspiegel-Monitor" soll zeigen, ob der Anstieg sich auch hierzulande beschleunigt oder nicht. Wichtig zu wissen.


Sind die Deiche hoch genug? Oder wird es auf lange Sicht zu teuer, sie weiter zu erhöhen? (Foto: Dirk Ingo Franke/Wikimedia Commons)

Der Meeresspiegel steigt. Zwar ist Deutschland nicht so stark gefährdet wie, zum Beispiel, die keinen Inselstaaten im Pazifik oder Bangladesch mit seinen flachen Küsten. Doch auch hier, an Nord- und Ostsee, steigt die Gefahr – unter anderem durch höhere Sturmfluten.

Erst im letzten Herbst hat Niedersachsen angekündigt, dass die Deiche langfristig deutlich höher werden sollen als bisher. Aus 50 Zentimetern Sicherheitsreserve für den steigenden Meeresspiegel soll ein Meter werden. So zumindest die Planungen der Küstenschutzbehörden für die kommenden 100 Jahre.

Immer gut im Bild über die Dynamik vor den Küsten zu sein ist wichtig. Ein neu für Nord- und Ostsee entwickelter "Meeresspiegel-Monitor" leistet genau das. Die Wasserstands-Daten von acht Messstationen werden regelmäßig ausgewertet – und so können die Experten vom Helmholtz-Zentrum Geesthacht, die ihn entwickelt haben, nun früh erkennen, ob der Meeresspiegelanstieg sich auch hierzulande beschleunigt oder nicht.

Bisher ist der Meeresspiegel an den deutschen Küsten in den letzten 100 Jahren um 15 bis 20 Zentimeter angestiegen. Das entspricht ziemlich genau dem globalen mittleren Anstieg im selben Zeitraum.

Ohne erfolgreichen Klimaschutz erwartet der Weltklimarat IPCC bis 2100 global eine Erhöhung um durchschnittlich 60 bis 110 Zentimeter. Gelingt es, den CO2-Ausstoß deutlich zu reduzieren, muss trotzdem mit einem Anstieg von 30 bis 60 Zentimetern gerechnet werden.

Es kommt also in jedem Fall noch einiges auf die Küsten – und die dahinter lebenden Menschen – zu.

Aber wie viel genau? Das kann keiner wissen, hängt es doch davon ab, wie erfolgreich die internationale Klimapolitik in den nächsten Jahren sein wird.

Einen gewissen Trost allerdings lesen die Geesthachter Experten aus ihren bisherigen Daten heraus. Denn: Schreibt man den bisherigen Meeresspiegelanstieg an Nord- und Ostsee bis 2100 fort, so zeichnet sich nach ihren Erkenntnissen das Worst-Case-Szenario des IPCC – also die starke Erhöhung – bisher bei uns nicht ab.

Joachim Wille ist Chefredakteur des Online-Magazins Klimareporter°.

Das aber, sagen sie selbst, "könnte sich ändern".

Umso besser, dass der neue Monitor eine "Früherkennung" kritischer Entwicklungen im Hinblick auf die IPCC-Szenarien verspricht. So können rechtzeitig notwendige Maßnahmen ergriffen werden.

Zumindest, wenn genug Geld dafür da ist.

Unterstützen Sie unabhängigen Journalismus!

klimareporter° wird herausgegeben vom gemeinnützigen Klimawissen e.V. – Ihre Spende macht unabhängigen Journalismus zu Energiewende und Klimawandel möglich.

Spenden Sie hier